Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Die Zahl der Juden in Pommern
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 149 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 149 — nach Stettin und zum andern Teile nach Berlin. Wo ein großer wirtschaftlicher Aufschwung vorhanden ist, wie in Stettin, nimmt die Judenschaft wenigstens absolut zu, in der nächsten Nähe von Stettin steigt die Judenschaft ebenfalls beinahe gleichmäßig mit der nicht jüdischen Bevölkerung, aber selbst in Stettin erreicht sie das prozentuale Wachstum der Gesamtbevölkerung nicht und natürlich noch viel weniger das der nichtjüdischen Bevölkerungsklassen. Seit den siebziger Jahren richtet sich auch von hier dieWanderung nach Berlin. In den letzten zehn Jahren haben eine absolute Zunahme von Juden außer Stettin nur noch die Städte Greifenhagen, Greifswald, Köslin, Päse walk und Wollin aufzuweisen gehabt. In allen anderen Städten ist nicht bloß eine relative, sondern eine sehr starke absolute Abnahme von Juden zu verzeichnen. Sollte ein Te1! dieser Abnahme auf besonders zahlreiche Taufen zurückgehen, die aber nur für Stralsund bekannt sind, so bleibt doch nur die Abwanderung und zwar nach Berlin als Erklärung übrig. Zu einem Teile sprechen bei dieser Abwanderung die allgemeinen Gründe mit, die die preußischen Juden nach Berlin drängen. Vor allem auch der Wunsch, den Kindern in der Großstadt die Bildung zu geben, die in der Kleinstadt und auf dem Dorfe unmöglich ist. Dazu kommt der wirtschaftliche Grund, daß in der Zeit der Eisenbahnen die bequeme Verbindung mit der Großstadt die Kundschaft des Kaufmanns dorthin zu ihren Einkäufen führt. Endlich wirkt das politische Moment, dat auf das wirtschaftliche nicht ohne Einfluß ist, sehr stark mit. Die starke Judenfeindschaft in Hinterpommern, die sich in den achtziger Jahren in den Unruhen von Neustettin und Schievelbein kundgab, trägt am meisten zur Abwanderung der hinter - pommerschen Judenschaft nach der Großstadt bei. Dabei darf aber das psychische Moment nicht übersehen werden. Das ist die Nachahmung der andern, und das Gefühl der eigenen Wertschätzung. Der Jude sieht den andern nur für voll, für gebildet und fortschrittlich an, wenn er wohlhabend ist und wenn er in der Großstadt wohnt. Mit der Kleinstadt verbindet der Jude den Begriff der Zurückgebliebenheit, besonders m den östlichen Landesteilen. Der auf dem Lande noch sässige Jude sieht ebenfalls seine und seiner Kinder Zukunft in der Richtung, die der jüdische Großstädter bereits eingeschlagen hat. Der Zug nach der Großstadt wird dabei ebenso als Fortschritt angesehen wie die möglichste Trennung von der jüdischen Ueberlieferung. So wirken für die Abwanderung der Juden vom Lande dieselben politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und allgemein-psychologischen Gründe, wie für den Uebergang der Juden vom altjüdischen Leben zur Angleichung an die nichtjüdische Umgebung. Das trifft auch auf die pommersehen Juden zu. Die tabellarische Zusammenstellung der Juden in den pommerschen Städten, die ich hier gebe und die zehn Jahre in gewissen Abständen herausgreift, die im ganzen eine Strecke von 127 Jahren umfassen, gibt ein Miniaturbild der unablässig fließenden Judenwanderung, wie sie auch in ruhigen Zeiten ständig vor sich geht. Statistisches Archiv. | jj Chesdieidungen in Berlin im Jahre j Berlin. || 1909. Aus den Ta b eil en über die ' " Bevölkerungsvorgänge Ber* lins im Jahre 1909 wollen wir für dieses Mal nur die Ehescheidungen herausgreifen. Das reichhaltige Material über Geburten, Sterbefäile und Eheschließungen nach Konfessionen können wir in richtiger Weise erst dann verwerten, wenn die Ergebnisse der Voikzählung in Beri'n vom 1. Dezember 1910 mit Unterscheidung nach Konfessionen veröffentlicht sind, da erst dann der Bestand der jüdischen Bevölkerung in den zwischen den beiden Volkszählungen 1905 und 1910 liegenden Jahren zuverlässig ermittelt und der Zusammenhang zwischen der jährlichen Zahl der Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen mit der Volkszahl festgestellt werden kann. Für die Betrachtung der Ehescheidungen ist die In-