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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
Date
1911-10-01
Page
Seite 146 (sequence 10)
Language
German
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— 146 — Die Cholera. Es bleibt mir noch kurz über eine kleine Choleraepidemie zu berichten, die im Laufe des Sommers 1910 zur Entwicklung gelangte, indem in der nächsten Umgebung schon in den früheren Jahren diese böse Krankheit geherrscht hat, ohne aber nach Elisabethgrad h in üb e rzugr eif en. Wie Tabelle VI lehrt, erkrankten im Ganzen 53 Personen, worunter nur 5, also etwa 9 Prozent, Juden waren. Die Juden wurden somit von der Cholera, im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil, viermal weniger ergriffen als die Nichtjuden. Was die Sterblichkeit anbelangt, so läßt sich bei der geringen Zahl der erkrankten Juden kein bestimmtes Urteil darüber fällen, es scheint jedoch, daß die Christen im größeren Grade der Epidemie erlagen als die Juden. Bemerkenswert ist, und wenn es auch die Juden nicht direkt betrifft, daß die Epidemie kein Alter verschont ließ, wobei die Hauptzahl der Erkrankten jedoch auf die besten Mannesjahre von 21 bis 40 fällt. Daß die Männer eine größere Sterblichkeit zeigen, ist wohl nur eine Zufalls erschein ung, die mit der geringen Beobachtungszahl in Verbindung steht. Sonst scheint die Mortalität, wie es die eingeklammerten Zahlen der Tabelle zeigen, für alle Altersstufen ziemlich die gleiche zu sein. (Forts, folgt.) Die Zahl der Jud Von Dr. H e i n r i c Die Wanderung der Juden ist seit ihrem Verlassen Palästinas niemals zum Stillstand gekommen. Sie dauert fort, und die scheinbare Ruhe in einzelnen Ländern in bestimmten Zeiten läßt bei genauerem Hinsehen wohl eine Verlangsamung der Wanderung feststellen, aber keineswegs ihr Aufhören. Im neunzehnten Jahrhundert hat vor allem eine große Wanderung der aschkenasisehen Juden eingesetzt, die von ihrem letzten Sitze in Polen und den Polen unmittelbar angrenzenden slavischen Ländern sich strahlenförmig ausbreiten, ganz besonders nach Westen, aber auch nach dem Süden und Osten. Hierhin gehört auch das Verlassenwerden der polnischen Provinzen des Preussischen Staates durch die Juden, wozu auch eine judenfeindliche Politik besonders noch beigetragen hat. Die Abwanderung der Juden aus Posen, die nur zum kleinsten Teile eine ganz freiwillige ist, gehört hierher und ist bekannt genug. Die Wanderung dieser Juden ist, so weit sie Berlin zum Ziele hat, nur zu einem Teile direkt vor sich gegangen. Sie führt einesteils über die größeren Städte der Heimatprovinz, m in Pommern. h Lo e w e, Berlin. andererseits überhaupt über andere Teile des preußischen und des übrigen deutschen Landes. So sind Posen, Breslau, Glogau, Dresden-, Leipzig u. a. Durchgangsstationen von Posen nach Berlin. Jedoch auch Magdeburg, Braun schweig, Hannover und viele west- und süddeutsche Städte kommen als solche inbetracht. Ebenso aber die kleineren Orte der näheren Provinzen. Ich habe nun im Folgenden die Judenschaften der 73 Städte und Städtchen der preußischen Provinz Pommern zusammengestellt, weil hier ein in sich einigermaßen historisch geschlossener Bezirk mit großenteils wirtschaftlich und kulturell sich gleichmäßig entwickelnder Bevölkerung vorliegt. In allen diesen Städten war seit jeher entweder eine kleine oder gar keine Judenschaft ansässig. Mit der Freizügigkeit wanderten auch hier Juden in nicht zu starkem Maße ein. Jedenfalls aber beginnt die Zahl der Juden zu steigen. Diese Juden kommen aus den preußischen Ostprovinzen. Dann aber kommt es zum Stillstand und bald zur Abnahme der noch nicht sehr lange ansässigen Judenschaft. Der Fluß geht weiter und zwar teils

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