Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
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— 144 — deshalb anzunehmen, daß eine gewisse Zahl christlicher Kranken der Beobachtung entgangen ist, da die Russen im Allgemeinen viel weniger freiwillig um ärztliche Hilfe nachsuchen als die Juden. Daß dies die wirkliche Ursache ist, dafür haben wir einen indirekten Beweis in den Sterblichkeitszahlen. Denn während der Prozentsatz der Gestorbenen nach Tabelle IV für die Juden nur 3,4 beträgt und gegen 1908 sogar um eine Einheit zurückgegangen ist, ist er bei den Christen von 10,3 auf 22,9 gestiegen und erreichte somit eine kaum je beobachtete Stärke. Abgesehen davon, daß die christliche Mortalität die jüdische um das Siebenfache überragte, ist eine Sterblichkeitsrate in der Höhe von einem Viertel der Erkrankten für den Flecktyphus an und für sich zu groß. Es ist auch noch in Betracht zu ziehen, daß die Verteilung der Gestorbenen nach den Nationalitäten ebenfalls keine so große Differenz aufweist, wie die Verteilung der Erkrankten, denn im Epidemiejahr kamen auf 100 Gestorbene 6,1 Juden, während in den beiden darauffolgenden 9,5 kommen. Zur Erklärung des Phänomens des häufigeren Ergriffenseins der Juden in den Jahren 1909 und 1910 bleibt also nur die Annahme, daß viele erkrankte Russen der Registrierung entgangen sind. Wir werden mit dieser Erscheinung weiter unten noch mehrmals zu rechnen haben und uns hauptsächlich auf die Mortalitätsziffern stützen müssen, die wenn auch nicht absolut, so doch in einem größeren Grade sich der Wahrheit nähern als die Morbiditätsziffern. Unter Berücksichtigung all dieser Momente ist wohl der Schluß gestattet, daß die mit Beziehung auf die Juden aus Tabelle III gefolgerten Ergebnisse auch für die Jahre 1909 und 1910 zu gelten haben. Der Rückfalltyphus. Als dritter im Bunde kam der Rückfalltyphus. Die ersten Fälle wurden im Herbst 1908 im Nachtasyl festgestellt und, da die Krankheit im Allgemeinen sehr harmlos verlief, wurde sie anfangs wenig beachtet, weshalb ihr die Möglichkeit gegeben wurde, sich schnell in der Stadt zu verbreiten. Auch diese Krankheit ist seitdem nicht mehr verschwunden und da ihr Auftreten kein so massenhaftes war, wie das des Flecktyphus, so glaube ich der Übersichtlichkeit wegen die Fälle für alle drei Jahrgänge in einer Tabelle zusammenstellen zu dürfen. Tabelle V. Rückfalltyphuskranke. Alter Juden 1908 1909 1910 Christen 1908 1909 1910 0- 1 1- 5 6-10 11-15 16-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61 - Alter unbestimmt 1 2! 4 iL' —! 1 2 3 5 4 ii - 2 ii 3 4 Ü 1 - i1 1 -!! 3 1 il 7 l Ii n — ii 15 1 II 9 -ii o 1 4 2 5 25 45 26 36 17 6 6 2 2 7 10 9 5 3 1 1 1 3 10 28 23 27 24 15 3 15 24 15 13 7 3 7 8 2 i ii 10 9 32 92 113 82 81 42 7 6 2 10 12 39 109 128 91 90 47 7 7 Zusammen . . . Gestorben . . . Gest. in Proz. d. Erkr. 11 18 20 3 Ü 1)6 - ü o - ii o 172 [79J0 40 [1]!! 131 [16]: 35 l i l ii 1 1 77 [31] 4 21 IS476 [80] «! Q — I y - i! 1.9 542 9 1.7 V. 100 Erkrankt, war. V. 100 Gestorb. waren 112.2 j 0 87.8 100.0!) Entspricht die Zahl der Kranken aus den Nachtasylen, die in der Hauptzah! inbegriffen ist,