Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Aus der Unterrichtsstatistik der Stadt Wien 1908
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 118 (sequence 7)
- Language
- German
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— IIS — Volksschulen fernzuhalten. Wer einigermaßen imstande ist, Schulgeld zu zahlen, vermeidet es, seine Kinder von den in klerikalen Seminaren aufgewachsenen Lehrern erziehen zu lassen. Lehrreich ist folgende Übersicht der Unterrichtsanstalten für nicht vollsinnige und verwahrloste Kinder. Das Allg. ösi. isr. Taubstummen-Institut hatte (1. X. 1908) 100 Zöglinge, 8 jüdische waren in drei übrigen Anstalten resp. Spezialabteilungen der öffentlichen Volksschulen untergebracht, während die Gesamtzahl aller Zöglinge 321 betrug: die jüdische Anstalt versorgte also 31,15 Prozent aller Taubstummen. In den Blindenanstalten waren im ganzen 13(J Zöglinge untergebracht, davon 32 im israelitischen Blinden-Institut, 7 Juden anderweitig. In den Anstalten für Schwachsinnige gab es unter 195 Zöglingen 45 jüdische, die sich gleichfalls auf die öffentlichen Spezialabteilungen sowie auf Priv. Erziehungsanstalten verteilen. Zum Schlüsse noch ein paar Worte über Kindergärten, die streng genommen, nicht in das Kapitel „Schulen" gehören. Es existieren nur die Zahlen für das Jahr 1908/9. Im ganzen gab es 71 Kindergärten, in denen 7898 Kinder eingeschrieben waren: darunter waren 1059 jüdische, gleich 13,41 Prozent. A'on den Anstalten waren zwei nui für jüdische Kinder bestimmt. Auch hier zeigt sich der zunehmende Einfluß der Klerikalen, indem nicht weniger als acht von geistlichen Korporationen unterhalten und vier außerdem von solchen geleitet wurden. Statistisches Archiv. _ Bevölkerungsbewegung in Wien 1903. Oesterreich. Oas Statistische Jahrbuch der Stadt Wien - ,--=z fßr das jahr 1908 enthält sehr reichhaltige Angaben über Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle der einzelnen Konfessionen. Es bringt sogar eine detaillierte Todesursachenstatistik. Beginnen wir mit den Eheschließungen für 1908. Ungemischte Ehen Gemisch.Eh. | e- 2 S 1— -E % Jahr insges. kath. evang, mos. insges. chrlstl. mos. Eheschi überhai % "er i Mische! t« —3 Ü 1908 17805:16220 562,932 648 514 134|l8453| 14,3 5,9 Verglichen mit dem hohen Prozentsatz der Misch- \ ehen in Berlin, München, Hamburg erscheint die Zahl j der Mischehen in Wien niedrig. Charakteristisch ist der j Umstand, daß nur zwischen Juden und Konfessionslosen; eine Mischehe stattfindet. Die jüdische cheziffer betragt j 5,9, bleibt also hinter der allgemeinen Eheziffer, weiche j 9,4 beträgt, sehr zurück. Die Zahl der jüdischen Misch-! ehen seit 1904 war folgende. 3904: 107; 1905: 100; | 1906: 124; 1907: 100; 190*: 134. ' j Die Geburten sind unterschieden nach der Vitalität, j Legitimilität und dem Geschlecht. Bei den Totgeburten j sind besonders hervorgehoben Fötus unbestimmbaren j Geschlechts, a*so die Fehlgeburten. Ein solcher Ausweis j für Konfessionen findet 5ich meines Wissens noch in j keiner städtischen Statistik. j (Tabelle nebenstehend.) | Von Jahr zu Jahr sinkt die absolute Zahl der Geburten bei der Gesamtbevöike^ung. Der Rückgang betrug im letz'en Jahre allein 2144 d. h. 4 Prozent. Bei den Juden begegnet uns dieselbe Erscheinung. Bei ihnen betrug der Geburtenrückgang 240 — 8 Prozent. Entsprechend der von Jahr zu Jahr niedriger werdenden Geburtenzahl sinkt die Geburtenziffer. Auf 1000 d lA.lOOOJud'Unt.lOOun- Unt lOOjüd. Jahr Ges.-Bev. trafen jüd Jehel. Geb. Geb. war.; traf.Geburt/ Geburten 'wareii jüd.1 unehelich 1904 30,4 21,1 2,7 2,3 13,9 1905 30,0 19,5 15,4 1906 29,3 18,5 2,4 13,3 1907 28,1 18,3 2,3 12,8 1908 26,5 16,6 2,4 13,3 Die aligemeine Geburtenziffer ist von 1904 bis 1908 rapide gesunken. Moch weiter hinter ihr bleibt die jüdische Geburtenziffer zurück. Sie betrug 1908 nurmehr 16,6 °/o0. Der Anteil der jüdischen unehelichen Geburten an der Gesamtzahl der unehelichen Geburten Ist niedrig, hoch dagegen der Prozentsatz der jüdischen unehelichen Geburten unter der Gesamtzahl der jüdischen Geburten. Vielleicht ist dies darauf zurückzuführen, daß in Wien viele Galizier leben, die sich mir der Ceremonialtrauung begnügen. Die Kinder aus solcherart geschlossenen Ehen werden im Standesamte als uneheliche eingetragen. Betrachten wir zum Schlüsse noch die Sterbe fälle.