Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Aus der Unterrichtsstatistik der Stadt Wien 1908
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 116 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187698-3191330--3132-3191363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 1 16 — Von je 100 Schülern waren also am Schlüsse des Schuljahres 1908/89 überhaupt 25,52 Juden gegen 25,42 Ende 1906/q7, an den Gymnasien 28,03 (27,77), den Realschulen 22,62 (23,0); bei diesen ist also ein kleiner Rückgang zu verzeichnen, der aber wohl aufgewogen wird, wenn man den ungewöhnlich hohen Anteil der Juden an dem neugeschaffnen Typ des Realgymnasiums — 44,15 — in Anschlag bringt. Die allgemeine Zunahme betrug Ende 1908/9 gegen Ende 1906/7 1087, d. h. 7,52 Prozent, die der jüdischen Schüler überhaupt: 291 d. h. 7,92 Prozent. Es begegnet uns hier dieselbe Erscheinung, die wir bereits in der Berliner Unterrichtsstatistik wahrgenommen haben, daß die Juden das humanistische Gymnasium stärker besuchen als die Realschule. Dieselben Gründe, die wir dort angegeben haben, dürften auch hier maßgebend sein. Stieben nach Allgemeinbildung und Aussicht auf zahlreichere Möglichkeiten des Fortkommens. Unter den Gymnasien ist das seit 1892 bestehende „Privat-Mädchengymnasiumr nicht mitgezählt. Des Interesses wegen, welches dieses Institut beanspruchen darf, seien diese Zahlen speziell aufgeführt: Die Zahl der Schülerinnen betrug Ende 1908/09 327, davon waren jüdisch: 131 gleich 40,06 Prozent. Die zwölf sechsklassigen Mädchenlyzeen, von denen zehn das Öftentlichkeitsrecht besitzen, d. h. das vom Minister für K. und U. verliehene Recht, staatsgiltige Zeugnisse ausstellen zu dürfen, hatten Ende 1906/7 insgesamt 2102 Schülerinnen, darunter 933 jüdische gleich 44,38 Prozent. Bezeichnend für die geringen Aussichten vorwärts zu kommen, die sich gegenwärtig dem jüdischen Lehrer eröffnen, ist die Tatsache, daß unter den 1148 Zöglingen der vier Lehrerbildungsanstalten (darunter eine private, vom kath. Schul verein erhaltene) sich nicht ein einziger jüdischer Z ö g Ii n g b e f i n d e t. An den Lehrerinnenbildungsanstältcn besteht folgendes Zahlenverhältnis: Schuljahr Gesamtzahl Jüd. Schülerinn. 1906/7 1126 17 1907/8 1221 17 1908/9 1210 12 wobei noch zu bemerken ist, daß von diesen jüdischen Zöglingen 7 ein jüdisches Institut „Priv. Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen" besuchen. V o n 237 Zöglingen der K. K. Lehrerinnenbildungsanstalt gehörten blos zwei dem jüdischen Bekenntnisse, prozentual ausgedrückt 0,84 Prozent, an. Für die höheren gewerblichen Lehranstalten ist das Glaubensbekenntnis nicht ermittelt. Für den gewerblichen Fortbildungsschulen ergeben sich am Ende des Schuljahres 1908/9 folgende Ziffern: Von 36801 Schülern am Ende des Schuljahres 1908/9 waren 2018 Juden d. i. 5,46 Prozent. An den in Wien bestehenden höheren und niederen Handelslehranstalten war der Anteil der Juden Ende des Schuljahres 1908/9 folgendermaßen: Ges.- j Zahl j Juden % der Juden Wiener Handelsakademie . . . Neue Wiener Handelsakademie . Handeisakademie für Mädchen . Gremial-Handelsfachklub . . . 1207 I 592 1 134| 4898 541 273 60 1098 44,82 46,11 44,77 22,41 An niederen Handelsschulen . . 6831 j 4200 j 1972 669 28,86 15,92 Zusammen........ 110311 2641 23,94 Demnach besuchten Ende 1908/9 höhere und niedere Handelsschulen zusammen 11031 Schüler, darunter 2641 Juden, also von 100 Schülern 23,94 Prozent, Leider wird für gewisse Schulen, wie Zeichen-. Mal-, Musikschulen, die zu den Mittelschulen gerechnet werden, auch bei der „K. k. Akademie für Musik und darstellende Kunst" der Anteil der jüdischen Schüler nicht statistisch festgestellt, sodaß wir nicht in der Lage sind, für sämt-