Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Aus der Unterrichtsstatistik der Stadt Wien 1908
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 113 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Studierenden an den Hochschulen und sonstigen höheren Lehranstalten für das Jahr 1907 publiziert. Dringende Arbeiten verhinderten die Fortsetzung des Artikels und erst heute sind wir in der Lage die Statistik der Wiener Mittel- und Volksschulen zu veröffentlichen. Im Interesse einer einheitlichen Behandlung der Stoffes wollen wir jedoch auch die Hochschulen in den Kreis der Betrachtung ziehen. I. Hochschulen. Die nachfolgende Tabelle gibt Aufschluß über das Glaubensbekenntnis der Studierenden an der k. k, Universität Wien in den Wintersemestern der Studienjahre 1904/5 bis 1908/9. K. k. Universität Wien Glaubensbekenntnis Studierende im Wintersemester 1904105 1905; 06 1906;ü7 1007iOS 190S|09 Katholiken .... 5083 5008 5274 5409 5341 Gr-Orientalische. 335 314 337 400 356 Evangelische . . . 394 420 442 447 569 Juden ....... 1691 1857 1393 1992 2120 Sonstige..... 76 88 134 91 116 Zusammen .... 7579 7687 8080 8339 8502 Die Zahl der jüdischen Studierenden ist in raschem Wachstum begriffen und hat bereits das zweite Tausend überschritten. Die absolute Zunahme der Gesamtzahl der Studierenden ist in erster Linie den jüdischen Studierenden zu verdanken. Die allgemeine Zunahme 1908/09 betrug gegen 1907/08 163 gleich 1,95 Prozent; die Zunahme bei den Juden gegen 1907/08 128 gleich 6,42 Prozent. Dementsprechend ist auch der Prozentsatz d er jüdischen Studierenden im Steigen begriffen. Von je 100 Studierenden waren Juden im Winter-Semester 1904/05: 22,31; 1905/06: 24,15; 1906/07: 23,42; 1907/08: 23,88; 1908/09: 24,93. Ein Viertel aller Studierenden sind Juden. Die wichtigste Frage ist nun, welchen Fakultäten gehören die Studierenden an. Die Verteilung der Angehörigen der verschiedenen Glaubensbekenntnisse nach Fakultäten im Winter-Semester 1908'09 war folgende: Fakultät Glaubensbekenntnis V. je 100 Studier, geh. d. nebenbez. Fakultäten an Katholisch Gr.-orlent. Evangel. Mosaisch Zusammen *ns' ' I d gesamt ' | Theologische Jurist, u. staatsw. Medizinische Philosophische 222; 7 i — j — 229 2273: 127 160! 8843465 745 169! 1761 6291749 2101; 53; 233; 607j3059 2,691 - 40,75 j 41,69 20,57 \ 29,67 35,97; 28,64 Zusammen 5341! 356; 569 2120:8502 100,00;100,00 Die juristische und philosophische Fakultät sind nahezu gleich stark besetzt, während die medizinische nur 1/5 aller Studierenden umfaßt. Die Katholiken verteilen sich fast ausschließlich auf die beiden erstgenannten Fakultäten, während bei den Juden zwar die juristische an erster Stelle steht, die medizinische und philosophische aber ebenfalls sehr gut besucht sind. Im Verhältnis zum vergangenen Jahre ist die Beteiligung der Juden am juristischen Studium zurückgegangen, dagegen am medizinischen und philosophischen gewachsen. Der Zustrom der Juden zur Jurisprudenz mag damit zusammenhängen, daß in Östeireich den Juden der Zugang zu den Ämtern nicht in so starkem Maße wie in Deutschland gesperrt ist, was wiederum darauf zurückzuführen ist, daß Österreich mit Bildung bei weitem nicht so gesättigt ist wie Deutschland. Der Prozentsatz in den Fakultäten selbst war folgender: Von je 100 Juristen waren Juden 25,51 „ „ „ Medizinern „ „ 35,96 „ „ Philosophen „ „ 19,84 Mehr als ein Drittel aller Mediziner waren demnach Juden; in der juristischen bezw. philosphi sehen Fakultät machten sie ein Viertel bezw. ein Fünftel aller Fakultätsgenossen aus. Wir wenden uns nun zur k. k. Technischen Hochschule und betrachten ebenfalls die Winter -Semester der Studienjahre 1904/05 bis 1908/09.