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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1911) · p. Seite 107

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-07-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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— 107 — facht, Statt 683 gibt es jetzt 3335 weibliche Angestellte im Handelsgewerbe. Aber auch die Arbeiterinnen schiebt hat um 4808 zugenommen. Das bedeutet eine Steigerung von 45 Proz. Einen recht beträchtlichen Anteil der im Handel tätigen Jüdinnen machen die mithelfenden Familienangehörigen aus, nämlich 30 Proz. Dieser hohe Prozentsatz ist erklärlich; denn der Handel, namentlich der Waren- und Produktenhandel in stehendem Geschäftsbetrieb, bietet der Frau die beste Gelegenheit, sich am Wirtschaftsleben zu beteiligen. Auch die Berufsabteilung „Häuslicher Dienst und Lohnarbeit wechselnder Art", zu der beispielsweise Aufwartefrauen, nicht im Hause der Herrschaft lebende Dienende für häuslichen Dienst, gehören, hat eine relativ nicht unbedeutende Steigerung aufzuweisen. Die absolute Zunahme beträgt 311, die prozentuale 45 Prozent. Daraus geht hervor, daß die jüdischen Frauen die häuslichen Dienste durchaus nicht meiden, sondern nur nicht beiein er Herrschaft als Dienstboten leben wollen, weil ihnen in diesem Falle die soziale Unterordnung zu drückend erscheint. Im öffentlichen Dienst und freien Berufen — für die Frauen kommen hauptsächlich die letzteren in Betracht — ist ebenfalls in allen drei Schichten der sozialen Stellung ein Anschwellen zu beobachten, am meisten als Angestellte, deren Zahl sich versiebenfacht hat. Zu dieser Berufsabteilung sind zu zählen: die Lehrerin, Erzieherin, Kindergärtnerin, Sekretärin, Künstlerin,Schauspielerin usw. Faßt man die Erwerbstätigen zusammen, so verteilt sich das Plus von 15847 mit 5105, d. Ii. auf die Schicht der Angestellten, 8645, also etwas mehr als die Hälfte, auf die Arbeiterklasse und 1786 auf die Gruppe der Selbstständigen. Von 100 erwerbstätigen jüdischen Frauen waren demnach 16258, d. i. 33 Prozent selbständig, 6373 13 Prozent angestellt und 25352 54 Prozent Arbeiter, darunter 12123 25 Prozent mithelfende Familienangehörige. An dieser Stelle müssen wir auf eine Bemerkung Ruppins in einem Artikel: „Der Anteil der jüdischen Frauen am Erwerbsleben in Deutschland" hinweisen (Heft 4, Jhrg. 1 der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden"), in den er bei der Betrachtung der sozialen Stellung der jüdischen Frau ausführt, daß die amtliche Statistik zu den Arbeiterinnen im Handelsgewerbe in irreführender Weise auch das gesamte weibliche Ladenpersonal rechnet und als Angestellte nur das Komptoirpersonal gelten läßt. Da nun in Wirklichkeit zwischen der sozialen Stellung des Ladenpersonais und der des Komptoirpeisonals ein viel geringerer Unterschied als zwischen dem weiblichen Ladenpersonal und den eigentlichen Arbeiterinnen besteht, so sei es wohl richtig, die Ziffer der amtlichen Statistik dahin zu korrigieren, daß die gesamten im Handelsgewerbe rubrizierten Jüdinnen Angestellte, nämlich kaufmännisches Ladenpersonal sind. Ebenso dürfte das Verhältnis bezüglich einer großen Zahl von Jüdinnen, die in der Industrie mit der Expedition oder dem Verkauf beschäftigt sind und in der amtlichen Statistik gleichfalls als Arbeiterinnen bezeichnet sind, sein. Da nun, wie wir wissen, die Jüdinnen unter den Fabrikarbeiterinnen — welche hauptsächlich unter Arbeiterinnen in der Industrie zu verstehen sind — fast gar nicht vertreten sind, verdreifacht sich die Zahl der Angestellten, wenn man die mithelfenden Familienangehörigen unberücksichtigt läßt, und verfünffacht sich, wenn man sie berücksichtigt. Ehe wir zum Schluß auf den näheren Charakter des Frauenerwerbs näher eingehen, wollen wir zum Vergleich einige Zahlen über die Stellung der Frau im Wirtschaftsleben innerhalb der gesamten deutschen Bevölkerung bringen. Wir entnehmen sie dem schon öfters zitierten Aufsatz von Zahn in den Annale n des deutschen Reiches, Heft 6, 7, 8 Jhrg. 1910: «Deutschlands wirtschaftlicheEntwicklungetc " Es waren 1907 in Deutschland Erwerbstätige einschließlich Dienstboten m. 18599236 61,06 pCt. der männl. Bevölk. w. 9492881 30,37 pCt. der weibl. Bevölk. Von Zählung zu Zählung steigt die Beteiligung der Frau am Erwerbsleben. 1882 betrug die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen

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