Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Die Kriminalität der Juden und Nichtjuden in Ungarn in den Jahren 1906 - 9
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 59 (sequence 2)
- Language
- German
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— 59 Was die Ergebnisse anbetrifft, so tritt wiederum die stärkere Beteiligung der Juden an den Vermögensdelikten gegenüber denen gegen die Person in den Vordergrund. Während bei den Nicht]uden die Zahl der Vermögensdelikte nur unwesentlich (etwa 5 Prozent) höher ist, als die gegen Personen, ist bei den Juden die Zahl der ersteren um mehr als 80 Prozent höher. Das ist natürlich auf die stärkere Beteiligung an Handel und Gewerbe zurückzuführen, weil eben Handeltreibende der Gefahr, ein Vermögensdelikt zu begehen, stärker ausgesetzt sind, als die anderen Klassen der Bevölkerung. Bemerkenswert ist aber, daß die Beteiligung der jüdischen Bevölkerung an den Vermögens delikten, auf je 100 000 der Kopfzahl berechnet, noch immer geringer ist als die der nichtjüdischen Bevölkerung Ungarns. Denn auf je 100 000 Juden fielen in 4 Jahren 634,8 Vermögensdelikte, auf je 100 000 Nichtjuden 792,3. Viel stärker ist die Differenz bei den Delikten gegen die Person, wo auf 100 000 Juden 361,4 Delikte fielen, auf 100000 Nichtjuden aber 754,8. Daher ist denn auch die Gesamtbeteiligung der ungarischen Juden an der Kriminalstatistik recht günstig, indem von je 100 000 Juden insgesamt 1106,8 verurteilt wurden, von 100000 Nichtjuden aber 1679,0. Der Anteil der Juden an der Kriminaiitätsziffer beträgt 3,36 Prozent, während die Juden in Ungarn 5,02 Prozent der Bevölkerung bilden. Wenn man die Beteiligung der Juden an den einzelnen Verbrechen und Vergehen betrachtet, so ergibt sich, daß die Nichtjuden an folgenden Delikten einen stärkeren Anteil haben als die Juden: Tödliche Körperverletzung 29 Mal mehr. Vorsätzlicher Totschlag 7,4 „ „ Schwere Körperverletzung 5,7 Abtreibung der Leibesfrucht 5,2 „ Sachbeschädigung 4,7 „ Kindesmord 4,4 „ Notzucht und Schändung 4,1 „ Totschlag in Aufregung verübt 3,8 „ Hausfriedensbruch 3,3 „ Gewalttätigkeit gegen Private 3,2 Mal mehr. Gewalttätigkeit gegen Behörden 2,3 „ „ Diebstahl 2,2 „ Kaub 2,1 „ Totschlag aus Fahrlässigkeit 1,9 „ „ Majestätsbeleidigung 1,9 Unrechtmäßige Aneignung 1,8 ., ,, Leichte Körperverletzung 1,5 „ „ Brandstiftung 1,4 Hehlerei und Vorschubleistung 1,4 „ Ferner wurden überhaupt keine Juden verurteilt wegen Verletzung der persönlichen Freiheit, des Hausrechts und dergl., während wegen dieses Delikts 62 Nichtjuden oder 0,36 pro 100 000 Köpfe verurteilt wurden. Dagegen weisen die Juden eine stärkere Beteiligung als die Nichtjuden an folgenden Delikten auf: Betrügerischer und sträflicher Bankerott 40,5 Mal mehr, Zweikampf 9,4 „ „ Reiigionsvergehen 3,6 „ „ Betrug 3,4 „ „ Falsches Zeugnis und Meineid 2,5 „ „ Veruntreuung 2,3 „ Falsche Anschuldigung 2,2 „ „ Erpressung 2,2 „ „ Amts- und Advokaten vergehen 1,8 „ „ Leichtere Sittlichkeitsvergehen 1,8 „ „ Urkundenfälschung 1,5 „ „ Verleumdung 1,2 „ „ Wucher 1,1 „ „ Vergleicht man diese Ergebnisse mit denen der früheren Statistik von 1904, so fällt besonders der bedeutend geringere Anteil der Juden an den Verurteilungen wegen Wuchers auf. Während 1904 wegen dieses Delikts noch 4,4 Mal mehr Juden als Nichtjuden verurteilt wurden, waren es 1906—9 nur noch 1,1 mal mehr, also fast die gleiche Anzahl. Gefallen ist auch der relative Anteil der Juden an den Verurteilungen wegen Konkursvergehen (statt 62,5 40,5 Mal mehr), gestiegen dagegen ist ihr relativer Anteil an den Religionsvergehen, an Erpressung und Brandstiftung. Auffällig ist der hohe Anteil der