Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts [Rezension]
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 2)
- Language
- German
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Die beiden Bücher dienen verschiedenen Zwecken \ und erganzen sich gegenseitig, so daß das eine das; andere nicht überflüssig macht Michaelis hat mit i großem Fleiß z\\t die Gesetze, Erlasse, Verordnungen j und Entscheidungen zusammengestellt, welche sich auf j die Rechtsverhaltnisse der Juden in Preußen beziehen, j Er hat sich nicht darauf beschränkt, die gegenwärtig! geltenden Bestimmungen wiederzugeben, sondern er bringt! auch zahlreiche, heute veraltete Gesetze und Verordnungen, ] deren Kenntnis erforderlich ist, um die Rechtsentwickelung j zu verfolgen. Diese Bestimmungen sind durch kleineren \ Druck gekernzeichnet, so daß ihre mißverständliche Anj wendung auf die gegenwärtigen Verhältnisseausgeschlossen j ist. Das Buch hat seinen Hauptwert als Materialsammlung, zumal es auch die überall zerstreuten Entscheidungen ■; im vollständigen Wortlaut bringt. Mit Rücksicht auf die I gegenwärtigen auf eine Reform der preußischen Judengesetzgebung abzielenden Bestrebungen wird das Michaelis'sche Buch gute Dienste leisten, wenn auch der Mangel einer systematischen Durcharbeitung des Stoffes zu beklagen ist. Kollenschers Arbeit entspricht mehr den Bedürfnissen der Praxis. Indem er sich In der Art der Behandlung des Materials der bei den Guttentag'schen Gesetzausgaben üblichen und jedem Juristen bekannten Kommentiermethode anpaßt, zitiert er gleich bei jeder \ Gesetzesbestimmung die auf sie bezüglichen Entscheidungen j sowie die zur Ergänzung in Frage kommenden anderen Bestimmungen, die dazu ergangenen Verordnungen, Er^ \ lasse u. s. w. und gibt in kurzer bündiger form die; nötigen Erläuterungen, so daß eine rasche Orientierung j ermöglicht wird. B. 8. (Biach, Friedrich,) Die Juden in Deutschland, j Von einem jüdischen Deutschen. Berlin. Karl Curtlus.! 1911. 8°. TT Seiten. — Preis 1,50 Mk. Die Schrift ist eine recht unerfreuliche literarische i Erscheinung. Der gänzlich unbekannte Verfasser nennt I seinen ISamen erst im Vorwort; auf dem Titelblatt bej zeichnet er sich als einen „jüdischen Deutschen." Er j erstrebt das völlige Aufgehen der Juden im Deutschtum, j Die hierfür erforderlichen Vorbedingungen glaubt er , natürlich für sich erfüllt zu haben; bei der Mehrheit j seiner Glaubensgenossen aber ist es seiner Ansicht nach nicht der Fall. Ganz abgesehen davon, daß der Verfasser sich \ teilweise eines typisch antisemitischen Jargons bedient ' und in Unkenntnis der Verhaltnisse die absurdesten Ideen ausspricht, kann eine Schrift, welche den Selbstmord einer ganzen Kulturgemeinschaft predigt, nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom allgemein menschlichen und historischen Standpunkt aus nicht nachdrücklich genug abgelehnt werden. Daß Blach diesen Selbstmord will, gibt er selbst zu: „Nun gut, das ist sie, freier, freudiger Selbstmord. Denn ich will nicht mehr das Selbst sein, das ich war, ich will dem herrlichen Volke angehören, in dessen Mitte ich geboren. „Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra." Allzulange schon haben wir gezaudert.* Wenigstens ist Blach konsequent: er empfiehlt die Mischehe und steht auch der Taufe nicht unfreundlich gegenüber. Den Verfasser im einzelnen zu widerlegen, ist nicht erforderlich. Auch der fiiehtjude, der ein offenes Auge hat, wird sich, falls er nicht Antisemit oder Proselytenmacher ist, von der Beweisführung B1 a c h s nicht bestechen lassen. Zu bedauern ist nur, daß ein Jude es fertig bringt, das eigene Nest zu beschmutzen, und den Versuch macht, der Oeffentiichkeit die — angebliche — Minder* Wertigkeit der eigenen Gemeinschaft zu beweisen. ß. B. Eisenstadt, Dr. H. L. Die Sozialpathologie der Juden und ihre Cehren. Sonder-Abdruck aus »Soziale Medizin und Hygiene," Bd. V. Hamburg. Leopold Voss. 1910. 8°. 44 Seiten. Die Frage, ob die Juden überhaupt eine besondere Pathologie haben und welcher Art diese eventuell ist, ist bisher nicht genügend geklärt. Eisenstadt trägt einen Teil des über die Frage vorhandenen Materials zusammen. Hätte er mehr Material, namentlich das in den bisherigen Jahrgängen dieser Zeitschrift enthaltene, berücksichtigt, so wäre er vielleicht nach mancher Richtung hin zu anderen Ergebnissen gelangt. Die beste Zusammenfassung der Frage gibt, wie nebenbei bemerkt sei, Fishberg In seinem soeben erschienenen hervorragenden Werke „The Jews* (London, 1911). Elsenstadt benutzt die von Ihm gefundenen Ergebnisse, um daraus eine Theorie der allgemeinen Sozialpathologie und Sozialpolitik der geistigen Arbeiter herzuleiten. Die Ausführungen Eisenstadts sind, wie man sich auch im einzelnen dazu stellen mag, interessant und lesenswert. B. B. €s wird gebeten, den Uermerk auf der ersten U*$cblag$eite (betreffend Zahlung des flbonnementspreises) gütigst iu beachten! Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C. 2, Neue Fried richstrasse 61 — 63. — Druck von E Grüner, Bernau.