Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Die berufliche Gliederung der Juden in Berlin im Jahre 1907
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 1)
- Language
- German
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Statistisches Archiv. Die berufliche Gliederung der Juden in Berlin. Berlin im Jahre 1907. Bd. 207,1 der Statistl k des Deuts chen Reichs enthält Abteilung VI der Berufsstatistik, und zwar die berufliche Gliederung der Bevölkerung der Großstädte im ganzen und jeder einzelnen im besonderen. Wir entnehmen diesem Bande folgende Tabelle über Berlin. ßerufsabteilung Erwerbstätige im Hauptberuf Christen Israelit. tr. N ~ X 'w ~ . £ "v Si —. o rt §•! s« ||| •° o a> s gss 02 'HJ öS vacaauuz-^m Evangd. Kathol. Andere ~L > £ C" o ><Z>-6~ 5 '5 ~ ö >C.5^ 8473 10621S5 7150 893343 1149'! 125772: 58 1)856 101 31329 1,02 2,95 0,11 36,61 0,42 52,97 516734 426826 40022; 2918 36696 7,10 42,88 25,77 102150 ö7(J97; 13379 422 565 0,55 0,66 5,09 14.6773 168831 121623 141143 17767 16326. 752 826 6467 10416 4,40 6,17 7,55 12,19 7,31 8.44 20.:-) 146 1677782 224315 14832 85574 4,26 100,-- 100,- A. Landwirtschaft, Gärtnerei und Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei..... B. Industrie einschl. Bergbau u. Baugewerbe C. Handel und Verkehr einschl. Gast- und Schankwirtschaft......... D. Hausliche Dienste (einschl. persönl. Bedienung), auch Lohnarbeit wechs. Art . . E. Militär, Hof-, bürgerlicher und kirchlicher Dienst, auch sog. freie Berufsarten . . . F. Ohne Beruf und Berufsangabe .... A—F. Gesamtsumme der Erwerbstätigen im weiteren Sinn.......... Bevor wir an die Betrachtung dieser Tabelle heran-; treten, müssen wir folgendes bemerken. In der Summe | der Erwerbstätigen innerhalb jeder einzelnen Berufsabj teilung sind nicht nur die Erwerbstätigen im Hauptberuf j enthalten, sondern auch die mittelbar zu einem Haupt-! beruf — als aus dem aus ihm fließenden Einkommen; ernährt — gehörigen Dienenden (G) und An geh ö rige n. \ Zu den bei Hauptberuf- und Berufsstellung ihres Haus- I haitungsvorstandes nachgewiesenen Dienenden für : häusliche Dienste oder persön liehe Bedienung, die bei ihrer Herrschaft leben (G-Personen) werden gerechnet: Diener, Bediente, Zimmer- und Kindermädchen, auch Kutscher, Portiers, Köchinnen, ferner Gesellschafterinnen, Kammerjungfern und drgl. Ais „Angehörige ohne eigenen Hauptberuf* werden in der gleichen Spalte wie die Dienenden und ebenfalls bei dem Beruf und der Berufsstellung ihres Ernährers diejenigen Familienangehörigen (H-Personen) geführt, die in ihrer Familie leben und überhaupt nicht oder nur nebenberuflich tätig sind bezw. ein eigenes Einkommen, auf dem ihre Lebensstellung haupthächlich beruht, nicht haben, — nicht aber im fremden Haushalte wohnende Angehörige, auch wenn sie von ihrem Vater usw. erhalten werden Als Familienangehörige des Haushaltungsvorstandes gelten Ehefrauen, Söhne, Töchter, Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Geschwister, Schwager, Schwägerinnen, Enkel, Schwiegerkinder und Stiefkinder des Haushaltungsvorstandes, nicht aber Onkel, Tante, Neffe, Nichte usw. Die Erwerbstätigen jeden Berufs bezw. die beruflosen Selbständigen bilden mit ihren Angehörigen und Dienenden zusammen Berufszugehörige jenen Berufs. Auf Grund des eben Gesagten haben wir in unserer Tabelle die Gesamtzahl der Angehörigen einer jeden Konfession zu verstehen, wie sie sich nach der Berufs- Zählung vom 14. Juni 1907 ergeben hat. Da fällt uns sofort auf, daß die Zahl der Gesamtbevölkerung sowohl, wie der einzelnen Konfessionsgruppen mit Ausnahme der Katholiken hinter jener zurückbleibt, weicher aufgrund der Volkszählung vom 1. Dezember 19--5 festgestellt worden ist. Es betrug nämlich die Gesamtbevölkerung 1905 2 040148, die Zahi der Evangelischen 1695251, der Katholiken 223948, der Israeliten 98893. Es ergibt sich aiso für die Israeliten ein Fehlbetrag von ca. 13000 Personen. Die Tatsache, daß die durch d'-Q Berufszählung gewonnenen Zahlen hinter jenen der Volkszählung von 1905 zurückbleiben, finden wir überall, sowohl für das ganze Reich als auch für die Bundesstaaten und Städte. Was speziell die Berliner Juden anlangt, so dürfte hier wesentlich der Umstand daran schuld sein, daß die Berufszähiung im Sommer stattfand, also in einer Zelt, wo ein ganz beträchtlicher Teil von Erwachsenen und Kindern außerhalb Berlins weilt. Aus diesem Grunde sind die Angaben über die Verteilung der Israeliten auf die einzelnen Berufsgruppen mit Vorsicht aufzunehmen. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Anwesenden gleichmäßig auf alle Berufsgruppen verteilen, sondern daß es vornehmlich die Gruppe F (BerufloseSelbständige) war, welche das Hauptkontingent hierzu stellte. Es ist demgemäß der Anteil der einen oder andern ßerufsabteilung höher oder geringer, als dies der Wirklichkeit entspricht. In den Berufsabteilungen C, E, F, sind die Israeliten stärker als ihrem Durchschnitt(4,26 pCt.) entsprichtbeteiiigt, in der Gruppe C nahezu doppelt so stark. Die Verteilung der Juden in Berlin auf die einzelnen Berufsabteilunge ist zwar im großen und ganzen analog der beruflichen Gliederung der Juden In Preußen; doch bewirkt natürlich die Konzentration in der Stadt, daß in einigen Beziehungen wesentliche Unterschiede bestehen. Während in Preußen nur 0,59 pCt. der in der Industrie tätigen Bevölkerung Juden waren, waren es in Berlin 2,95 pCt. In Preußen entfielen 24,97 pCt. aller erwerbstätigen Juden auf die Berufsabteilung B, in Berlin 36,61 pCt. Ferner übertrifft der Anteil der juden an der handeltreibenden Klasse in Berlin weit jenen in Preußen. Hier betrug er 4,41 pCt.,