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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 168

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Der Gebärmutterhalskrebs bei den Juden
Date
1910-11-01
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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— 168 — Jch habe die Arzneikunst in einer Stadt von 25—30000 Einwohnern 35 Jahre hindurch ausgeübt, war bei den Gemeinden aller Konfessionen längere oder Kürzere Zeit Armenarzt, und in dieser ganzen Reihe von Jahren habe ich nicht ein einziges Mal die fürchterlichste aller Weiberkrankheiten In der israelitischen Gemeinde zu behandeln gehabt, die doch den 15. Teil der Bevölkerung, und was die Armen betrifft, vielleicht noch einen verhältnismäßig größeren bildet; auch bei meinen Kollegen habe ich kein anderes Ergebnis gehört, während doch in anderen Gemeinden dieses schauderhafte Uebel zu den häufigen und zwar unter allen Bürgerklassen, insbesondere unter der ärmeren auf im Bett beschränkten angetroffen wird." Meine Behauptung, die ich aus verschiedenem statistischen Material (z. B. dem großen der Budapester Juden) deduzierte, daß sich die Seltenheit des Gebärmutterhalskrebses bei den Judinnen nicht aus geringerer Fruchtbarkelt oder besserer Lebensführung erklären läßt, erhält hier eine neue Stütze. Vor 50 Jahren war die Geburtenhäufigkeit bei den Jüdinnen keine abnorme wie heute. Es wird wohl vorerst kein anderer Schluß aus der Tatsache zu ziehen sein als der, den ich in den früheren Arbeiten (siehe Zeitschrift f. Krebsforschung, Jhrg. 1910 etc.) andeutete, daß wir es hier mit deutlichen Rassendispositionen zu tun haben, Dr. Felix Theiihaber, München. Ungarn. Rbnahme der jüdischen Bevölkerung in Ungarn, Das königlich ungarische statistische Zentralamt veröffentlicht soeben sein großes Werk über die „Populationsbewegung der Länder der heiligen ungarischen Krone in den Jahren 1906, 1907 und 1908". Das in Kommission bei Friedrich Kilians Nachfolger erschienene Werk enthält reiche, sehr übersichtlich gruppierte Daten. Das gesamte Material der Volksbewegung in den drei genannten Jahren ist zu einein einheitlichen, getreuen Spiegelbilde der Volksentwicklung Ungarns aufgearbeitet. Die Ergebnisse der seit der letzten Volkszählung verstrichenen acht Jahre und die seither eingetretenen Veränderungen sind gewissenhaft berücksichtigt. Das Werk gestattet Ausblicke auf die Aenderungen, welche aus Anlaß der nächsten Volkszählung erwartet werden können. Wir wollen hier einige der bezeichnendsten Zahlen, so weit sie sich auf die Juden beziehen, verzeichnen. Die Ehestatistik in ihrer Beziehung zu der Magyarisierung zeigt, daß das Verhältnis der rein ungarischen Ehen, (d. 3. bei denen Braut und Bräutigam Ungarn sind) zu sämtlichen Eheschließungen von 1901 bis 1908 von 44,1 auf 46,8 Prozent gestiegen ist. Besonders bei den Isrealiten und Evangelischen A. B. haben diese Verhältniszahlen sich gehoben. Auffallend ist die starke Abnahme der Fruchtbarkeit der Juden. Das Sinken der Verhältniszahl ist seit dem Jahre 1900 konstant. Die Verhältniszahl der jüdischen Geburten in den Jahren 1900 bis 1908 war die folgende: 34,0 32,8, 32,8, 30,9, 30,9, 29,5, 29.5 28,2, 28,0. Da die Auswanderung der Juden eine ganz geringfügige ist, kann diese Abnahme der Verkältniszahl nicht auf die Auswanderung der Juden zurückgeführt werden. In der Tat zeigt auch die absolute Zahl der Geburten trotz der Zunahme der Gesamtzahl der Juden einen starken Rückfall. Im Jahre 1900 wurden 28,742 jüdische Kinder lebend geboren, im Jahre 1908 nur 26,109. Dieses Sinken der Geburtsziffer der Juden kann hauptsächlich nur durch ihr Zuströmen nach den Städten erklärt werden. Literatur. Nordau, Max. Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert Jüdischer Verlag, Köln, 1910. 24 Selten Gr. 8°. — Preis 30 Pfg. Der Vortrag, den Dr. fiax fiordau am 29. Dezember des vorigen Jahres in Hamburg über das Thema „Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert" gehalten hat, Ist nunmehr in Druck erschienen. Es ist bei einer Arbeit von Max Nordau unnötig, hervorzuheben, daß sie in glanzvoller Diktion gehalten ist. In dem vorliegendem fieftchen spricht Max Nordau in der ihm eigenen Weise voll eiserner Logik über die Schicksale, die das Judentum von den Zeiten des Mittelalters an erfahren hat. Wir heben besonders die Schilderung der Teilnahme der Juden an der Aufklärung hervor. Böhm, Adolf. Der jüdische llationaifonds, ein Instrument zur Abhlife der Judennot. Jüdischer Verlag, Köln, 1910. Gr. 8°, 64 Seiten. — Preis 30 Pfg. in kurzen Worten entrollt der Verfasser e«n altes trauriges Bild, das furchtbare Schicksal der gehetzten heimatlosen jüdischen Massen. Er zeigt in wenigen Zahlen die stete Zunahme der Emigration und als unmittelbare Folge eine Ausdehnung des Antisemitismus in all jenen Ländern, die bisher den Verfolgten als eine freie Stätte offen gestanden. Er nennt als Mittel zur Linderung: die allmähliche Ansiedelung der jüdischen Auswanderer in Palästina. Die gesamte Judenheit fordert er auf, ihren verfolgten Brüdern ein freies menschenwürdiges Dasein als Bauern und Landarbeiter in Palästina zu schaffen, indem sie jenen Fonds unterstützt, der das Mittel zu diesem Zweck sein soll, den jüdischen Nationalfonds. Der Verfasser gibt dann einen umfassenden Ueberblick über die bisherige Tätigkeit des Fonds. Für die Redaktion verantwortlich Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C. 2, Neue Friedrichstrasse 61 — 63. — Druck von E. Grüner, Bernau.

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