Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Verteilung auf Stadt und Land in Sachsen
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
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- 166 — auf mehrere Ursachen zurückfuhren. Einmal auf ge^ setzliche Maßnahmen. Es war den juden in Sachsen früher verboten auf dem Lande zu wohnen, dann auf die starke Einwanderung von auslandischen Juden, welche infolge ihrer beruflichen Vorbildung vorzugsweise in den Städten sich ansiedeln. Galizien. Jtidifche Proftifuierfe in Krakau. Dr. A. Zopsnicki macht in der Wratschebnaja Gazeta. 1909, Nr. 43, S. 1311, interessante Angaben über die Prostitution in Krakau. Danach betrug die Gesamtzahl der im Zeiträume von 1. Januar 1900 bis März 1909 registrierten Prostituierten 719. Darunter waren in Prozenten 53,1 polnische, 17,2 deutsche, 16,1 jüdische, 6,3 böhmische, 5,8 ruthenische und 1,4 anderer NationalItät. Da nach „Die Juden in Oesterreich" die Krakauer Bevölkerung (85 274 Seelen) in Prozenten aus 69,2 Polen, 29,6 Juden und 0,6 Ruthenen besteht, so scheinen die Judinnen unter den Prostituierten sehr schwach vertreten zu sein, indem ihr Prozentsatz unter der Bevölkerung beinahe doppelt so groß ist als der unter den Prostituierten. S. W. Rußland. Der Hnteil der luden am Unferridifsujefen im Gouuernemenf BJilna. Die Zahl der jüdischen Schulen sowohl als auch der Schulkinder, die diese Schulen besuchen, nimmt mit jedem Jahre ab, wie aus der folgenden Tabelle ersichtlieh ist. Es waren im Jahre Zahl der jud. Schulen Zahl der Schüler in denselben Zahl der Schülerinnen in denselben Im Ganzen Schulkinder 1898 657 12535 2003 14538 1899 612 12177 2093 14270 1900 563 11468 2178 13646 1901 558 11424 2285 13611 1902 572 11367 2361 13728 1903 537 12037 2522 14559 1904 485 11816 2738 14554 1905 412 7058 2660 9738 1906 389 6766 2953 9719 1907 378 6502 3249 9751 1908 329 6612 3390 10602 Wir sehen also, daß die Zahl der jüdischen Schulen sowohl als auch die Zahi der Knaben, die diese Schulen besuchen, sich im Zeitraum von 1898/1908 fast um die Hälfte vermindert hat, während die Zahl der Schülerinnen umgekehrt von Jahr zu Jahre sieigt. Dies erklärt sich dadurch, daß die ganze Verminderung auf Kosten der jüdischen, traditionellen Chcder, welche nur von den Knaben besucht werden, zu Stande gekommen ist. In der Tat wurde die Zahl der Cheder im Laufe der Jahre 1898/1908 fast bis zur Hälfte reduziert, was uns folgende Tabelle zeigt Es waren im Jahre Zahl der Cheder Jahre Zahl der Cheder 1899 595 1904 418 1900 496 1905 34-2 1901 493 1906 317 1902 507 1907 275 1903 480 190S 255 Ziehen wir aber die Zahl der Cheder von der Zahl der übrigen jüdischen Schulen ab, so sehen wir eine kontinuierliche Zunahme der übrigen jüdischen Schulen, die im Zeitraum von 1898/1908 von 17 auf 74 gestiegen ist. Obwohl also die Zahl der übrigen judischen Schulen zunimmt, so können sie doch bei Weitem nicht die Lücke ausfüllen, die durch den Rückgang des traditionellen Cheders entsteht, und die Zahl der Knaben, die außerhalb der jüdischen Schulen bleiben, nimmt rapide zu. Diese Erscheinung erweckt umsomehr Bedenken, als infolge der bestehenden Beschränkungen die Zahl der jüdischen Schüler, welche die allgemeinen Schulen besuchen, sehr gering ist. So zählte man im Gouv. Wilna im Jahre 1908 unter 3956 Schulkindern beiderlei Geschlechtes, die die 11 Mittelschulen des Gouvernements besuchten, nur 270 Schulkinder jüdischer Konfession; in den 474 Volksschulen gehörten von den 33934 Schulkindern nur 2608 zu der jüdischen Konfession und in den 7 Fachschulen, die von 1243 Schulkindern besucht werden, gab es nur 546 jüdische Schulkinder. Im Ganzen bildete die Zahl der jüdischen Schulkinder in alien Schulen im Jahre 1906 20,3, im Jahre 1907 20,4 und im Jahre 1908 19,9 Prozent, im Durchschnitt also 20,2 Prozent aller Schulkinder des Gouvernements Wilna. Die Gesamtzahl aller jüdischen Schulkinder, sowohl in den jüdischen als auch in den aligemeinen Schulen betrug im Jahre 1908 13 416; da aber die Zahl der Juden im Gouv. Wilna 254835 beträgt, so erweist es sich, daß die Schulkinder nur 5,2 Prozent der jüdischen Bevölkerung bilden. Wenn wir aber, wie üblich den Koefficlenten der Kinder, welche sich [im Schulalter be* finden, auf 10 Prozent setzen, so ergiebt sich, daß fast die Hälfte der jüdischen Kinder im Gouv» Wilna keinerlei Schulen besuchen. Während sich in den früheren Zeiten die judische Bevölkerung unter allen übrigen Konfessionen Rußlands durch ihre hohe Volksbildung auszeichnete, kommt sie nun dem niedrigen Bildungsniveau der umgebenden Bevölkerung immer näher. Während bei der Gesamtbe* völkerung im Jahre 1908 36,6 Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter ^die Schulen besuchten, drückt sich diese Ziffer bei den Juden in 49,8 Prozent aus und ist nicht um mehr als um 13,2 Prozent, also doch nicht auffallend größer, als bei der Gesamtbevölkerung. S. Ii. II ii BeDölkerungsberaeciung in Bulgarien |j Bulgarien, j; \m jQfcre 19Ö6 und 19C7 mit Rück-!l=^- ]': blick auf die früheren Jahre* Das erste statistische Jahrbuch des Königreichs Bulgarien brachte, wie wir bereits erwähnt haben, auch sehr reichhaltige Angaben über den Verlauf der Bevölkerungsbewegung innerhalb der einzelnen Konfessionsgruppen, iedoch nur für Geburten und Eheschließungen, nicht aber für die Sterbefäile, sodaß wir uns an dieser Stelle versagen müssen, ein vollständiges Bild der Be* vöikerungsbewegung in Bulgarien zn geben, insbesondere die natürliche Zunahme zu berechnen. Was die Geburten anlangt, so besitzen wir für Bul' garien erschöpfendes Material Wir können die jährliche