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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 164

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Studententum und Judentum in Rußland
Date
1910-11-01
Page
Seite 164 (sequence 3)
Language
German
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— 164 — Gesetze anerkennen wollen, wenn es die Juden angeht, Ausnahmegesetze gutheißt. Sehr charakteristisch und bezeichnend für das Verhalten dem Judentum gegenüber ist die Motivierung der ausgesprochenen Meinung. So sagt ein Grroßrasse: „Die Gleichberechtigung der Juden ist ein Naturrecht." Ein anderer schreibt; „Ich kenne die Juden sehr gut, ihre schlechten Charakterzüge sind Folge der Verfolgungen, bin für die Gleichberechtigung." Wieder ein anderer: „Obgleich ich die Juden nicht liebe, bin ich doch für die Gleichberechtigung." In diesen Antworten haben wir den Entwicklungsgang vom echten Freidenker zum Liberalen aus Gnade. Ein Schritt weiter nach rechts führt zu folgender Antwort: „Ich bin ein entschiedener Gegner der Gleichberechtigung der Juden." Gehen wir noch weiter nach rechts, so haben wir: „Ich hasse die Juden aus vollem Herzen" und „Ich hasse die Juden und glaube, daß. ein Pogrom nützlicher ist als die Gleichberechtigung." Die Stellungnahme der äußeren Linken, der Anarchisten, ist aus zwei Antworten ersichtlich. Die eine ist höchst verschwommen und entrückt die Lösung der Judenfrage auf Messiaszeiten, sie lautet: „Die Judenfrage wird erst mit der Lösung der allgemeinen Lebensfragen der Menschheit gelöst werden." Viel offener lautet die andere Antwort: „Alle Menschen sind gleich: siegen wird aber der, welcher sich an die Lebensbedingungen besser angepaßt hat; da die Juden sich leichter als die Russen ans Leben anpassen, so werden sie siegen; ich bin deshalb für die Beschränkung der Rechte der Juden." Ganz famose anarchistische Philosophie! Daß auch die anderen Nationalitäten außer den Russen nicht minder wohlwollend gegen die Juden gesinnt sind, folgt aus folgenden Antworten. So schreibt ein Pole, der wohl Angst hat für seine Freiheiten: „Die Gleichberechtigung der Nationalitäten ist eine Bedingung der gedeihlichen Entwickelung der Gesellschaft." Dagegen schreibt ein anderer Pole: „Ich bin prinzipiell für die Gleichberechtigung, obgleich ich die Juden im Privatleben meide." Ein Armenier, der es doch sonst so süß hat, versteigt sich zu folgender Antwort: „Die Juden sind mir wenig sympathisch, bin aber für gleiches Recht für alle." Es wäre seltsam, wenn wir unter dieser tüchtigen Schar keinem jüdischen Antisemiten begegneten. Und wirklich antwortete ein Jude: „Gleichberechtigung gewähren, aber acht geben, daß kein Mißbrauch daraus entstände." Dagegen sagt ein, wie es scheint hoffnungsloser Zionist, der niemand glauben will: „Ich sehe in der Gleichberechtigung kein besonderes Glück." Wenn wir berücksichtigen, daß der Mensch mit zunehmendem Alter gewöhnlich konservativer wird, so dürfen wir uns in Anbetracht dessen, daß schon jetzt ein bedeutender Teil der russischen Jugend antisemitisch ist, über die Richtungslinien der nächsten Zukunft nicht täuschen. Der Jude kann sich wieder mit den Dichterworten trösten: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen!" Statistisches Archiv. . I |faUpfcrgCbnjsse derBerufs- Deufschland. jj Zählung vom 14. Juni 1907 im =======-.==i! deutschen Reich. Wie wir in den letzten Nummern der Zeitschrift mitgeteilt haben, werden wir demnächst eine ausführliche Darstellung der Resultate der letzten Berufzählung für das deutsche Reich geben. Es soll gleichzeitig versucht werden, die gegenwärtige wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland zu schildern. An dieser Stelle woilen wir vorläufig die wichtigsten Ergebnisse veröffentlichen, ohne auf den Inhalt der Tabellen näher einzugehen. Die folgende Tabelle l enthält eine Gruppierung der sogenannten erwerbstätigen Bevölkerung im weiteren Sinne nach den 5 Hauptberufsabteilungen. Wir haben Christen und Juden unterschieden. Zur erwerbstätigen Bevölkerung im weiteren Sinne gehören auch Dienende im häuslichen Dienst (G), d. i. im Haushalt der Herrschaft lebend, und HaushaltungS' angehörige, welche überhaupt nicht oder nur nebenberuflich erwerbstätig sind (H),

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