Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Taubstumme und Blinde bei den preußischen Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
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— 150 — Im ganzen sind also unter den Juden auch verhältnismäßig weit mein Blinde vorhanden, als unter den Christen. Wie sich dies erklären läßt und -warum in einzelnen Provinzen (1905 Ostpreußen, Stadtkreis Berlin, Schleswig-Holstein und Westfalen) das umgekehrte Verhältnis obwaltet, läßt sieh schwer sagen. In den einzelnen Provinzen sind übrigens die absoluten Zahlen zu klein, um daraus etwas sicheres schließen zu können. So ergibt sich die auffällige Differenz in den Jahren 1880 und 1905 in Schleswig-Holstein, die aber nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Katholiken sich zeigt. Was die Unterbringung der Blinden in Anstalten betrifft, so waren im Dezember 1905 in Anstalten (S. 178). M. % YY. o/. Se. o 1125=17,33 1140=17,90 2369--=!' Evangl. 10 60 Kath ol. 582=16,21 552=16,28 1144=16,25 Juden 15=10,14 8=4,26 21=7,27. Während also 1905 die Verhältnis zahl der in Anstalten untergebrachten Tauben unter den Juden wesentlich größer ist, als bei den Christen, ist die Verhältniszahl der in Anstalten untergebrachten Blinden noch nicht halb so groß wie bei den Christen. Vielleicht liegt dies daran, daß unter den Juden die Erblindung möglicherweise in mehr Fällen oft im höheren Alter erfolgt (Glaukom!) als bei den Christen, zum Teil wohl schon daran, daß die größere Wohlhabenheit der preußischen Juden es ihnen gestattet, ihren erblindeten Kindern zu Haus geeigneten Unterricht und Erziehung angedeihen zu lassen, wozu ja auch der stärkere Familiensinn der Juden mehr antreiben dürfte. Jedenfalls liegen hier für die genauere Forschung noch viele Fragen offen. Deutschland. ehesdiliefjungen in Im Jahre 1908. Dem Band 227 der Statistik des Statistisches Archiv. Beutfehl and Deutschen Reichs entnehmen wir folgende Angaben über die Eheschließungen in Deutschland im Jahre 1908. Zum Vergleich ziehen wir 1907 heran. Jahr Ehesehl insges. Ungemischte Ehen Gemischte Ehen; | insges. Ev. Kath. i i; 1 Israel. insges. Mann prot. Trau and. Konf. Frau prot. Mann and. Konf. Mann kath. Frau and, Konf. Frau kath. Mann and. Konf. Mann isrl. Frau and. Konf. Frau isrl. Mann and. Konf. 1907 1908 503964 500620 456118 297815 153487! 4052 453263 296447; 152025; 3907 47786 47352 22240 j 25076 21992 j 24823 238541 21781 23500 ,; 21546 495 \ 425 516! 423 Die Gesamtzahl der Eheschließungen betrug i. J. 1908 500 620, war mithin um 3000 geringer als i. J. 1907. Auch die Zahl der judischen Ehen Ist zurückgegangen. Die jüdische Eheziffer betrug 7,07 Ü/0I J. 1908, 7,43 %0 i. J. 1907. Natürlich kann diese Ziffer keinen Anspruch auf absolute Sicherheit machen, da die absolute Zahl der jüdischen Bevölkerung, welche der Reduktion zugründe liegt, nur auf dem Wege künstlicher Berechnung gewonnen ist. Wirwissen ja weder die natürliche Zunahmeder deutschenJuden,noch denWanderungsgewinn bezw.-verlust. Auch die Zahl der deutschen Juden, welche sich bei der Berufszahlung 1907 ergeben hat, können wir nicht benutzen, weil sie uns zu niedrig erscheint. Es trafen Mischehen auf 100 ungemischte Ehen bei der Gesamtbevölkerung: 10,44, bei den Protestanten 15,79, bei den Katholiken 29,63 bei den Israeliten 24,03. Im Vorjahre machten die Mischehen bei den Juden 24,43 Prozent der ungemischten Ehen aus. Die Zahl ist demnach konstant geblieben, rioch hoher als unter den Juden ist der Prozentsatz der Mischehen unter den Katholiken. Bei diesen betrug er 29,63. ■|~ ~ Die Hauptergebnisse der Volks- Ii Bulgarien. || Zählung oort 1905 in Bulgarien. Ij~ 11 Im ersten statistischen Jahrbuch für das Königreich Bulgarien, das im Jahre 1909 erschienen ist (Annuaire Statistique du Royaume de Bulgarie 1909) sind die fiauptresultate der letzten Volkszählung von 1905 enthalten. Es werden auch zum Vergleich die Zahlen der Volkszählung von 1881 stets herangezogen. Auch über die Bevölkerungsbewegung finden sich sehr reichhaltige Angaben. Da die bulgarische Statistik die Konfessionsstatistik eifrig pflegt, sind wir in der Lage, die Verhältnisse der Juden in Bulgarien, soweit sie naturlich statistisch erfaßbar sind, eingehend darzulegen. Wir werden auch in einer kleinen Abhandlung die Ergebnisse der bulgarischen Statistik verarbeiten. An dieser Stelle wollen wir nur die w;chtigsten Resultate publizieren. Es betrug die GesamtbevöSkerung in Bulgarien i. J. 1905 4 035 575, darunter waren 37656, d. h. 0,93 Prozent Juden, also nicht einmal 1 Prozent. Immerhin stehen sie innerhalb der Konfessionen an zweiter Stelle. Die Hauptmasse der Bevölkerung machen natür-