Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1910)
- Article
- Die Ergebnisse der Berufszählung von 1907 in Bayern, Sachsen und Württemberg
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
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— 116 — Tabelle V. Berufsabteilung Von je 100 Erwerbstätigen einer jeden Konfession entfallen auf nebenstehende Berufsabt. im Jahre 1907 Kathol.! Evrang. Israel. 1895 Kathol. Evang. Israel. 1882 Kathol.I Evang. j Israel. A. Land- und Fortswirtschaft .... B. Industrie ......... C. Handel und Verkehr...... D. Lohnarbeit wechselnder Art . . . fz Oeffentlicher Dienst u. Freie Berufe . F. Beruflose Selbständige..... 4b',< 25,0 9,0 1,2 4J 11,4 39,0 34,0 10,0 0,8 5.2 11,0 2,7 15,0 54,5 0,3 6,0 21,5 49,5 25,5 7,9. 1,0 5,1 11,0 39,1 35,2 8,8 0,9 5,8 10,2 3,9 13,3 55,1 0,1 5,6 22,0 57,9 21,1 5,7 0,9 4,4 10,0 49,2 28,8 6,5 0,8 4.7 10,0 9,7 11,8 54,4 0,1 4,2 19,8 Zusammen............ 100,00 100,00 100,00 100,00 |100,00 1100,00 100,00 j 100,00 |100,00 Sie zeigt uns, gibt Tabelle V Auskunft, daß Bayern, wenn auch langsam so doch stetig aufhört Agrarstaat zu sein. Noch im Jahre 1882 waren 57,9 Prozent aller erwerbstätigen Katholiken, fast 50 Prozent Protestanten und etwa 10 Prozent Juden landwirtschaftlich tätig, dagegen war die Industrie sehr unentwickelt, auch der Handel außerordentlich gering. Nur die Juden übten die Handelsfunktionen aus. 13 Jahre später war bereits die landwirtschaftlich tätige Bevölkerung aller drei Konfessionen stark zurückgegangen zu Gunsten der Industrie und des Handels. In dieser Periode hat sich in Bayern ein vollständiger Umschwung vollzogen, namentlich Ende der 80er Jahre. Die Industrie beginnt in Bayern ihren Einzug zu halten. Vor allem ist es die evangelische Bevölkerung, die sich ihr zuwendet. Der Anteil der Juden in der Industrie steigt ebenfalls etwas, nämlich von 11,8 Prozent auf 13,3 Prozent. Sehr beträchtlich ist der Rückgang der Katholiken in der Landwirtschaft; ihr Anteil sank von 57,9 Prozent auf 49,5 Prozent. Nicht so tiefgreifend waren die Veränderungen, welche sich in den beruflichen Gliederungen der Katholiken und Protestanten seit 1895 vollzogen. Das Bild hat sich nicht sehr bedeutend verändert. Die Beteiligung der Katholiken in der Landwirtschaft ist noch mehr heruntergegangen, beträgt aber immer noch 48,7 Prozent, also fast die Hälfte aller Erwerbstätigen, der Prozentsatz der Evangelischen ist konstant geblieben, der Juden gesunken. In der Industrie weisen nur die Juden eine Zunahme auf. Die Beteiligung der Evangelischen ist sogar etwas zurückgegangen von 35,2 Prozent im Jahre 1895 auf 34,0 Prozent im Jahre 1907. Dagegen ist im Handel sowohl bei Katholiken wie Protestanten abermals ein Aufsteigen zu bemerken, dem bei den Juden eine Abnahme gegenübersteht. Wie in der Industrie, so ist auch in den freien Berufen der Anteil der Juden ständig gestiegen. Fassen wir zum Schluß noch kurz die soziale Schichtung der einzelnen Konfessionsgruppen ins Auge, wie sie sich uns in Tabelle VI darstellt. Es sind in dieser Tabelle Tabelle VI. Soziale Klasse Kathol. Christ. Ev. Christen Israeliten abs. °/ /o abs. °/ /o abs. % Selbständige (einschi.d. mitheif. Familienangeh. Angestellte Arb.(ohn. d. mith.Ang.) 1263534 56805 884188 72,5 57,3 71,7 463071 38861 343787 26,5 39,2 27,9 14166 2657 2777 0,8 2,7 0,2 Zusammen 2204527 71,7 849719 27,5 19600 | 0,6 amtlicherseits die mithelfenden Familienangehörigen den Selbstständigen hinzugerechnet worden. Ein Grund hierfür liegt nicht vor. Es ergibt sich nun, daß der Anteil der Juden unter den Selbständigen und Angestellten stärker ist als ihre durchschnittliche Beteiligung an der für die soziale Schichtung in Betracht kommenden Masse, bei den Evangelischen ist dies bei den Angestellten und Arbeitern der Fall, bei den Katholiken nur unter den Selbstständigen. Fragen wir, wie hoch der Anteil der drei sozialen Klassen innerhalb der drei