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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Die Tätigkeit des Hilfsvereins der deutschen Juden im Jahre 1909
Date
1910-07-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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— 108 — den jüdischen Einwanderein gefährlich. Einmal das Bestreben, Personen von schwächlichem Körperbau, wenn sie auch sonst gesund sind, die Landung zu verweigern. Dies führt gerade bei jüdischen Immigranten zu häufigen Zurückweisungen. Zweitens die Bestimmung, die der jetzt amtierende Kommissar für das Auswanderungswesen hat ergehen lassen, daß Personen, die nicht einen festen Anhalt in den Vereinigten Staaten haben, eine Mindestsumme von 25 Dollar bei sich haben müssen. Viele jüdische Einwanderer, namentlich aus Rußland und Galizien, können diese Barmittel nicht nachweisen und werden infolgedessen bei der Landung zurückgewiesen. Weitere Erschwerungen werden in den Vereinigten Staaten geplant. Sehr einschneidend ist der von dem Mitglied des Repräsentantenhauses Hayes vorgelegte Entwurf. In diesem ist beantragt: Die Kopfsteuer soll von 2 auf 10 Dollar erhöht werden. Jeder Einwanderer über 16 Jahre soll daraufhin geprüft werden, ob er eine europäische Sprache lesen kann. Für die jüdische Einwanderung ist es von Bedeutung, daß in dem Entwurf ausdrücklich gesagt ist, daß Hebräisch und Jargon als europäische Sprachen im Sinne des Gesetzentwurfs betrachtet werden sollen. Keiner der vorliegenden Einwanderungsgesetzentwürfe weist jedoch irgendeine Spitze gegen die jüdische Einwanderung auf. Es ist vielmehr auf die Eigenart der jüdischen Immigration überall Rücksicht genommen. Die Bedenken, die geltend gemacht werden, richten sich nicht so sehr gegen die jüdische Einwanderung als solche, als gegen die ungesunde Anhäufung der jüdischen Massen in einigen großen Zentren der Vereinigten Staaten, wie in New-York, Chicago etc. Ende 1909 fanden amtliche Versuche einer Regulierung der Auswanderung aus Rußland statt. An den Beratungen nahmen die Vertreter der jüdischen Gesellschaften der Ica und der jüdischen Emigrationsgesellschaft (Ito) teil. Das günstige Ergebnis derselben wTar, daß den Emigranten, die von einem russischen Hafen aus mit einer russischen Gesellschaft fahren, unentgeltlich und ohne Schwierigkeiten ein Paß gegeben werden solle. Um den Auswandererschutz beim Übergang an der russischen Grenze und bei der Durchwanderung durch Deutschland bis zu den Hafenstädten weiter auszubauen, hat der Hilfsverein eine immer engere Zusammenarbeit mit dem Bureau der Ica herbeizuführen versucht. In gleicher Weise hat er sich auch mit der russischen Emigrationsgesellschaft in Kiew und der Jewish Territorial Organisation in London zu gemeinsamer Arbeit verbunden. Diese Arbeit erstreckt sich auf das Galvestonprojekt. Während im Jahre 1908 nur 337 Emigranten nach Galveston durch Vermittlung des Bremer Bureaus des Hilfsvereins der Deutschen Juden von der Ito befördert wurden; stieg in diesem Jahr die Zahl der nach Galveston beförderten auf 865. Im ganzen sind 1909 etwa 45 000 Auswanderer auf ihrem "Wege nach den Hafenstädten durch Deutschland gezogen, etwa 25 000 über Hamburg, 12 335 über Bremen und ca. 8000 über Rotterdam, Antwerpen und andere Häfen. In mehr als 15 500 Einzelfällen wurde die Hilfe der Vertrauensleute des Hiifsvereins angerufen und über 9000 Personen sind durch den Hilfsverein befördert worden. Von diesen haben sich 4417 nach Amerika gewendet, 1035 nach Kanada, 962 nach Argentinien, 612 nach England. 2129 Personen standen im Alter unter 12 Jahren. 2127 waren weiblichen Geschlechts. In Berlin, Hamburg und Bremen bestehen eigene Bureaus des Hilfsvereins für Auswanderungsangelegenheiten. Die Gesamtauswanderung über Hamburg im Jahre 1909 betrug 113 535 Personen. Wie viel jüdische Auswanderer sich darunter befinden, läßt sich nur schätzungsweise feststellen, weil eine konfessionelle Statistik der gesamten Auswanderer nicht zu erhalten ist. Dagegen sind unter denjenigen Auswanderern, die in den Auswandererhallen derHamburg-Amerika- Linie untergebracht sind, die jüdischen Auswanderer besonders hervorgehoben. Ihre Zahl beträgt 21572, etwa 25 Prozent der Gesamt-

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