Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1910)
- Article
- Die Ergebnisse der Berufszählung von 1907 für die Juden in Preußen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
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— 102 — Handel überwiegt bei den Juden die Zahl j der selbständig Erwerbstätigen. Während j in der Industrie von je 100 erwerbstätigen j Evangelischen nur 17,49 selbständig sind, sind j es bei den Juden 41,32. Im Handel lauten j die entsprechenden Ziffern 27,51 bezw. 50,62. j Zum Vergleich können wir für Preußen nur die Berufszählung von 1895 heranziehen, da in der Statistik des Deutschen Reiches in der Berufszählung von 1882 die einzelnen Bundesstaaten nicht gesondert ausgeschieden sind. Es hat sich bei den Christen, wie Tabelle V zeigt, die berufliche Zusammensetzung nur sehr wenig geändert, dagegen haben bei den Juden wichtige Veränderungen stattgefunden. Die Beteiligung am Handel hat um 11,2% abgenommen, an der Industrie um 15 °/0 zugenommen. Die unehelichen Gebs Von Dr. Hugo Na Wenn auch die Statistik der unehelichen Geburten keinen geeigneten Maßstab für die Beurteilung der Moralität eines bestimmten Volkes oder Bevölkerungsteiles abgibt, so ist sie doch für die Sozialwissenschaft von erheblichem Wert. Ist es doch eine bekannte und statistisch längst festgestellte Tatsache, daß die unehelichen Kinder in höherem Maße der Säuglings- und Kindersterblichkeit ausgesetzt sind, daß sie auch sonst in jeder Beziehung! weniger widerstandsfähig sind, und daß sie j einen erheblich höheren Anteil zur Kriminalj Statistik stellen als die ehelich geborenen j Kinder. Die in den folgenden Darlegungen j über die unehelichen Geburten bei den Juden | benützten Zahlen und Tabellen stammen aus 1 dem von dem Bureau für Statistik; der Juden in Angriff genommenen Quellen- I werk zur Gesamtstatistik der Juden.! Bei Benutzung der über uneheliche Gej burten vorliegenden statistischen Angaben j ist zunächst zu prüfen, ob diese Angaben! auch in jeder Beziehung fehlerlos sind. Wir | sehen hier ab von denjenigen Fehlern, die I jeder Statistik der unehelichen Geburten an-; haften, wie z. B. die Nichtberücksichtigung j derjenigen unehelichen Kinder, die fälschlich j als totgeboren und noch nicht lebensfähig ange- ' geben und deshalb nicht als unehelich geboren ' gemeldet werden. Diese und ähnliche Fehler j liegen bei den jüdischen unehelichen Geburten j wohl in dem gleichen Maße vor, wie bei den j nichtjüdischen. Sie können daher hier ohne j rien hei den Juden. hansohn, Berlin. weiteres unberücksichtigt bleiben. Dagegen ist genau zu prüfen, ob die als unehelich geboren angemeldeten Kinder auch wirklich alle unehelich sind, oder ob sie nicht etwa nur aus solchen Ehen stammen, die nicht standesamtlich, wohl aber kirchlich geschlossen sind. Derartige Ehen gelten vor dem Gesetz als nicht vorhanden, und die daraus entstammenden Kinder werden in der Statistik als uneheliche gezählt. In der öffentlichen Meinung werden solche Ehen jedoch als vollgültig angesehen, und auch die solchen Ehen entstammenden Kinder müssen in sozialer Beziehung den ehelichen vollkommen gleichgesetzt w7erden. Die Zahl derartiger nur kirchlich geschlossener, nicht behördlich angemeldeter Ehen ist besonders groß bei den Juden Galiziens und der Bukowina. Und hierdurch wird natürlich die Statistik der unehelichen Geburten in Galizien stark beeinflußt. Diese offenkundige Tatsache wird auch in dem Artikel „Uneheliche Geburten" in „Conrads Handwörterbuch der Staats Wissenschaftenc: konstatiert. Es heißt dort wörtlich: „So findet sich z. B. in Österreich die größte Zahl unehelicher Geburten bei den Israeliten in Galizien und der Bukowina; doch entstammen diese Geburten rituell eingegangenen, also kirchlich gültigen Ehen, die nur infolge der besonderen Verhältnisse der dortigen jüdischen Bevölkerung standesamtlich nicht gemeldet und daher rechtlich nicht giltig sind." Auf diese Weise nur erklären sich die