Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Die Heiraten von Juden in Russisch-Polen
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-3187678-3187683-3190670--2630-3190693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 64 — konnten sich auf doppelte Weise bemerkbar machen. Erstens konnte die Bevölkerungsstatistik den durch die Auswanderung hervorgerufenen Veränderungen nicht nachfolgen, indem sie nur jene Auswanderer registrierte, die sich amtliche Pässe einholten, diejenigen aber, die sich oh.ie Pässe nach dem Auslande begaben, nicht fixieren konnte; so wird wohl die jüdische Bevölkerungszahl, die die polnische Amtsstatistik zeigt und nach der wir das Heiratsprozent berechnet haben, größer sein als die tatsächliche ßevölkerungs-; zahl, so daß auch dementsprechend die Heiratsj zifi'er relativ kleiner erscheint. Noch größer | wird aber die durch die Auswanderung hervorj gerufene tatsächliche Abnahme der jüdischen j Heiraten sein, insbesondere da doch an der j Auswanderungmeistenteils Personen im \ Heiratsalter teilnehmen. Außer der Auswanderung dürften der Krieg, die Judenpogrome und die politischen Aufregungen jenes Jahres die Abnahme der Heiraten befördern, und das schwere Jahr 1905, das Jahr der Revolution und der Pogrome, ist sofort in der weiteren Abnahme des Jahres 1906 abzulesen. Die Verteilung der Ehen nach den einzelnen Gouvernements bleibt in diesen Jahren ebenfalls der Verteilung von 1889 ziemlich gleich. Am geringsten ist die Heiratsziffer im Gouvernement Suwalky, wo wir einer_absoluten Abnahme der jüdischen Bevölkerung b egegnen;x) dem folgen im Jahre 1904 das Gouvernement Lomja und im Jahre 1906 die Gouvernements Lublin, Lomja, Sedletzk. Dagegen ist in den mdustriereichen Gegenden Polens die Heiratsziffer auch in diesen Jahren fast so hoch, wie im Europäischen Rußland, 'was uns den Schluß gestattet, daß die wirtschaftlichen und politischen Erschütterungen jener Jahre gerade in den wirtschaftlich rückständigen Gegenden ihre schwersten Spuren hinterlassen haben. Im Gouvernement Petrokoff mit seinem bedeutenden Industriezentrum Lodz ist die jüdische Heiratsziffer am größten und stieg sogar vom Jahre 1904 bis 1906 von 7,0, auf 7,3°/00. i) Vom jähre 1890 bis 1897 nahm die jüdische Bevölkerung im Gouv. Suwajky von 108 285 auf 58808 ab, vom Jahre 1897 bis 1905 sehen wir eine Zunahme bis 82554, während seit 1905 bis 1907, d. h. im Laufe von nur zwei Jahre die jüdische Bevölkerung wiederum auf 78738 fällt. atistisches Archiv. Berlin, Ehesdieldimgcn In BerHn 1897/1906. Usber die Konfession der Geschiedenen!.^==-==;i enthält das Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin, 31. Jahrgang, folgende Angaben: a. absolut. b. relativ. Jahr Jahr Beide Ehegatten Hann ev., Frau Mann kath., Frau Mann jüd., Frau Zusam, ev. jkath.; jud. kath.: jud. ev. jüd. ev. kath. 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1159 1165 1261 732 769 971 980 1048 1103 1271 51 : 49 45 : 58 53 58 32 : 36 30 34 32 47 48 : 42 45 49 48 : 55 50 : 44 91 : 9 58; 6 72; 12 50 2 68: 3 81 : 6 71; 10 83 9 92: 5 114 i 8 99 i 2 97 2 118 i 4 57! 2 67; — 67 1 2 94: l 122: 2 104 2 123 - 8 6 16 9 7 10 IG 6 8 11 1 2 3 1 1 3 2 1 2 1482 1447 1608 936 984 1227 1269 1376 1421 1639 Aus dieser Tabelle geht hervor, daß die Zahl der Ehescheidungen von 1897 bis 1901 schwankte Dagegen ist sie von 1902 ab ununterbrochen gestiegen. Namentlich im letzten Jahre war die Zunahme sehr beträchtlich. Bei den Juden läßt ssch in den Fällen, wo beide Ehegatten dem jüdischen Glauben angehörten, Kein Steigen konstatieren. Auch die Zahl der Scheidungen in jüdischen Mischehen ist im allgemeinen konstant geblieben. Die 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 Es trafen Ehescheidung, auf je 1000 ev.! kath. j jüd. Oes.- i ßcv. 0 78 0,76 0,81 0,46 0,47 0,59 0,59 0,62 0,65 0,73 0.30! 0,55! 0,84 0,25! 0,64! 0,80 0,29! 0,64! 0,89 0,17! 0,39 j 0,49 0,15 i 0,36 I 0,52 0,15 10,49 0,23 : 0,43 0.21; 0,50 0,19! 0,56 0,21 i 0,43 "4 ^0 4 ^-4 0 ~ - i§ i > "5 > 3 "ü £ ~ö s N g££ Zi -Z '£ Q'Z g ^Mn ü£i .2/5 ■= ~ 52.= 5!S 5 £ >.'~ > > > ~*3> 15,52 18,33 7,94 8,61 12,12 12,12 5,20 8,12 24,67 21,62 6,24 6,63 9,60 21,74 10,00 8,27 17,07 8,10 8,84 7,68 18,96 14,18 8,22 7,34 31,14 20,75 7,63 10,09 14,03 18,33 8,07 10,88 14,06 11,29 808 9,21 22,80 15,38 8,75 9,53 Ehescheidungsziffer der 0,64 0,65 0,69 0,69 0,78 Juden ist größer als die der Katholiken und bleibt nur wenig hinter jener der Evangelischen zurück. Was die Ehescheidung in Mischehen anlangt, so Ist die Tatsache außerordentlich interessant, daß bei den Juden e:n viel größerer Prozentsatz von geschiedenen Personen in Mischehen lebten als bei den Christen. Hervorzuheben ist, daß bei den Juden mehr unter den Männern, die in Mischehe leben, die Ehescheidungslust besteht, bei den Christen mehr unter den Frauen. Für die Redaktion verantwortlich Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau. Berlin-Charlotrenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden. Berlin. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C. 2, Neue Friedricbstrasse 61 — 63. — Druck von E. Grüner. Bernau.