Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Die Heiraten von Juden in Russisch-Polen
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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- Radom 1× ep/1000823
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ausschließlich Juden wohnen, kein Vertrauen erwecken können." So ist uns alle Möglichkeit genommen, etwas über die Bevölkerungsbewegung der Juden zu erfahren, obwohl das Warschauer statistische Amt eine spezielle Untersuchung der Bevölkerungsbewegung Polens von 1867 bis 1894 veranstaltet hat. Nur einer polemischen Absicht der Leitung, die durchaus die LTn Zuverlässigkeit der Angaben von Juden zeigen will, haben wir es noch zu verdanken, daß in einem anderen Werke des "Warschauer statistischen Amtes uns die Heiratsverhältnisse der Juden im Jahre 1889 bekannt werden. Es wurde für dieses Jahr eine Tabelle zusammengestellt, die das Verhältnis der Heiraten zur gesamten Bevölkerungszahl derselben Konfession bei Juden und Christen vergleicht. Die Betrachtung dieser einen Tabelle wird uns zeigen, wie viel dadurch verloren ist, daß die willkürliche Auffassung der amtlichen Statistik uns alle weiteren Angaben über die jüdischeB evölkerungsstatistik Polens entzogen hat.1) Es heirateten im Jahre 1889: Juden Christen \uf je 1000 Auf Je 1000 Abs. Zahl der Bevölk der Bevölk. ders. Conf. ders. Conf. In der Stadt Warschau 1106 7,3 10,3 Im Gouv. Warschau . 732 6,8 9,5 n „ Kaiisch. . . 605 8,3 9,2 „ Kelz . . . . 519 6.6 9,8 „ „ Lomja „ . . 590 5,6 10.4 „ Lublir, . . . 153 6,8 9,6 „ „ Petrokoff. . 1040 7,7 9,6 Plotzk . . . 499 7.4 8,8 „ „ Radom . . . 803 7,8 10,1 „ r Suwalky . . 255 2.7 7.8 „ SedletzK . . 56/ 5;o 92 7649 | 6,6 9,5 Da der amtliche Statistiker fest davon überzeugt ist, daß die Juden in Polen tatsächlich öfter als die Christen heiraten, so bringt er die im Verhältnis zur christlichen so niedrige Heiratsziffer der Juden als Beweis einer vollständigen l) Vgl. die Arbeiten des Warschauer Statistischen Komitees, insbesondere „Die Bevölkerungsbewegung Polens von 1867 bis 1S99" und „Die BevölKerungs* bewegung Polens im Jahre 1889"; ferner „Die Bevölkerungsbewegung vom Jahre 1904 und vom Jahre 1906" und der ..Bevölkerungsbestand vom Jahre 1903, 1905, 1906 und 1907." | Lügenhaftigkeit all ihrer Aussagen an. Allein | es ist diese üeberzeugung völlig unbegründet, | da es natürlich ist, daß die zum größten Teile ländliche christliche Bevölkerung öfter als die städtische jüdische Bevölkerung heiraten wird. Schon dies allein zeigt uns, daß die angeführte Tabelle viel zuverlässiger ist, als es der amtliche Statistiker haben will. Auffallend niedrig ist nur die Heirats ziff er in den Gouvernements Lomja, Sedletzk und besonders i Suwalky; sehen wir von diesen Gouvernements j ab, so bekommen wir eine durchschnittliche Heiratsziffer von 7,2°/00, w&s dem Kulturstand I einer städtischen Bevölkerung so ziemlich entspricht. Doch ist auch diese augenscheinlich zuniedrige Heiratsziffer der genannten Gouvernements nicht ohne Wert. Die Tabellen vom Jahre 1904 und 1906 werden uns später zeigen, daß diese niedrige Heiratsziffer immer wieder fast in denselben Gouvernements vorkommt — eine Gesetzmäßigkeit, die bei falschen willkürlichen Aussagen kaum erzielt werden könnte. Es sind eben die wirtschaftlich am schwächsten entwickelten Gouvernements. Bei den unter den Juden so häufigen zwischenstaatlichen Ehen wird bei einer zwischen zwei Personen, die aus verschiedenen Städten stammen, geschlossenen Ehe, natürlicherweise jene Stadt bevorzugt, die günstigere wirtschaftliche Bedingungen bietet. Außerdem ist auch eine Binnenwanderung aus den wirtschaftlich rückständigen in die wirtschaftlich fortgeschrittenen Gouvernements anzunehmen, eine Avancierung, an der vorwiegend Personen im Heiratsaltei teilnehmen, die sich dann in ihren neuen Wohnorten verehelichen. Wenn es dennoch anzunehmen wäre, daß die tatsächliche Heiratsziffer in diesen Gouvernements höher als die ausgewiesene ist, so wäre es doch nicht ohne Wert festzustellen, daß Mängel der Registrierung gerade in jenen Gegenden vorkommon, denen der gesamte Fortschritt des Landes fremd geblieben ist, | wo das Leben der Juden noch nicht so eng \ mit dem Gesamtleben des Staates verknüpft i ist, um in ihnen das Interesse für die richtige Führung ihrer Zivillisten zu erwecken.