Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Austritte aus dem Judentum in Wien in den Jahren 1903 - 1907
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 47 (sequence 2)
- Language
- German
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— 47 — und es steigt von Jahr von Jahr die Quote der weiblichen Ausgetretenen. D^r zweite wichtige Grund für den üebertrltt Ist nämlich die Eheschließung mit einem Andergläubigen, und da nun sehr häufig die Frau die Konfession des Mannes annimmt, begegnet uns eine starke Beteiligung des weiblichen jüdischen Geschlechts am Austritte. Betrachten wir nun die im jähre 1907 Ausgetretenen nach dem Familienstand und Alter und untersuchen, zu welcher Religion der Uebertritt angemeldet wurde. Kirche oder Religionsgemeinschaft, zu welcher der Uebertritt angemeldet wurde Konfessionslosigkeitserklärungen usw. Familienstand ledig verheir. verw. m. j w. gesch. Alter der Ausgetretenen in jähren üb. 14-20 m. > w. üb. 20-30 m. | w. üb. 30-40 m.; w„ üb. 40-50 üb. 50-60 Römisch-katholische Kirche........Ij 82102 Evangelische augsburgische Kirche . . . J| 47 42 Evangelische-heivetische Kirche......jj 4: 5 Konfessionslosigkeitserklärungen.....j! 91; 27 Ohne Angabe................ij 7: 4 12 < 16 9! 8 2 1 10! 7 —; i 44 31 26 14 55 1 40 3; 6 12; 5; 4 r>. 6i 2 11 1 ü 3 2i l Zusammen............... . . 231 180 53 57 6! 9 6 13 II 33! 33 130j 91 63 \ 26 -23 1 Ii i 10 i Von den 556 ausgetretenen Personen waren 240, d. h. 43,16% zur Römisch-katholischen Kirche übergetreten, 31,29 % wurden konfessionslos. Aus diesem hohen Prozentsatz geht hervor, daß neben dem Streben, durch Uebertritt zur herrschenden Religion rascher vorwärts zu kommen, in hohem Maße die Abneigung gegen jede Religion den Grund zum Austritt bildet. Naturlich ist der Anteil der Ledigen unter den Ausgetretenen am höchsten. Er betrug 411, d. i. 72,12%. Auffallenderweisc hatte unter den übrigen drei Familienstandshategorien das weibliche Geschlecht das Uebergewicht. Was das Alter der Ausgetretenen anbelangt, so standen 11,87% im Alter von über 14—20 jähren, 39,74% von über 20—30, 16,01% von über 30—40, 5,57% von über 40—50, und 3,06% i™ Alter von 50—60 Jahren. Demnach stellte die Altersklasse 20 -30 das Hauptkontingent für die Ausgetretenen, aber auch der Anteil der unter 20 Jahre alten Personen ist erheblich. Betrachten wir zum Schinß noch die Kombination 2wischen dem Berufe und Geschlecht der Ausgetretenen : Beruf mann/. Oeffentiiche Beamte....... Lehrpersonen öffentlich u. privat Sonstige freie Berufe....... Gewerbe U.Industrie, Selbstständige Höhere Angestelite...... Niedere Angestellte..... Ohnenähereßezeichnung. . . . Handel, Selbstständige .... Höhere Angestellte...... Niedere Angestellte...... Ohnenähereßezeichnung. . . . Verkehr. Höhere Angestellte Persönlicher Dienst....... Sonstiger Beruf......... Unbestimmter Beruf...... Studenten, Schuler....... Sonstige^Berufe •....... 10 1 65 2 3 24 6 45 57 15 4 2 2 19 31 11 Ehegattinnen berufstätige! sonstig. 7 20 gehören Advokaten, Notare, Aerzte, Ingenieure, Architekten, akademische Bildhauer und Plaler, Redakteure, Journalisten usw. Es sind demnach hauptsächlich Akademiker, welche aus dem Judentum austreten. Da fällt "uns der große Anteil der Studenten (31) unter den Ausgetretenen auf. Ihnen am nächsten stehen die Angehörigen sonstiger freier Berufe (65). Dazu Hmstcrdam £heschiic§\jngcn In Hrnsfcrdßm t>on 1899 bis 1908. Der S t a t i s t i q u e Annuelle 1908 entnehmen wir folgende Angaben über die Eheschließungen der Juden in Amsterdam während der Jahre 1899—1908: 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 Die schwankt 3S86! 2232 3929: 2216! 4094s 2379| 4135!2310 4074| 2260 40161224G 4253!2314 4419! 2300 447112271 4211| 2148 Zahl der isrealitischen von Jahr zu Jahr. Es 584 615 615 618 618 554 630 615 682 63S 383 317 i 379! 354| 318 | 356! 427; 454! 476 1 346| 641 731 i 659! 762 i 797 764 802 950 923 934 | Ehen läßt 31 28 43 48 64 43 37 38 54 40 in i 6,48! 8,09! 5,32 i 8,83! 6,32 111,34 i 5.85 113.56 20,13 12.08 8,66 8,37 11,35 11,56 Amsterdam sich weder von f 5,22 i 5,80 i 6,91 17,28 17,58 I 5,47 einer aufsteigenden noch absteigenden Tendenz reden. Während von 1903 bis 1907 die Zahl der Eheschließungen stieg und in dem letzteren Jahre mit 476 den Höhepunkt im Verlauf der von uns betrachteten Periode erreichte, sank sie plötzlich im Jahre 1908 auf 346 herab, nahm also um 130 ab. Dementsprechend weist auch die judische Eheziffer große Schwankungen auf. Am niedrigsten war die Eheziffer im Jahre 1903 mit 5,22%0, am höchsten im Jahre 1907 mit 7,58%0. Auch die Zahl der Mischehen und infolge dessen der Prozentsatz der Mischehen ist von Jahr zu Jahr verschieden. Im Jahre 1903 betrug bespielsweise der Prozentsatz der Mischehen 20,13, war also annähernd gleich dem Prozentsatz der Mischehen in München. Zwei Jahre darauf war er auf fast 1/s gesunken.