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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 32

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Der IX. Zionisten-Kongreß
Date
1910-02-01
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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- 32 — Als sachliche, vom politischen und oekonomischen Standpunkt aus besonders wertvolle Ergebnisse des Hamburger Kongresses sind namentlich zwei Punkte hervorzuheben. Erstens: das unerschütterliche Festhalten an dem politischen Programm des Zionismus unter Ablehnung aller außerpalästinensischen Ziele. Und zweitens: die starke Betonung der Notwendigkeit einer raschentschlossenen kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina. Es war zu erwarten, daß der politische Umschwung in der Türkei nicht ohne Ruckwirkung auf die politischen Tendenzen der zionistischen Bewegung bleiben würde. Der Kongreß bekundete einmütig seinen bestimmten Willen, neben der Förderung des jüdischen Nationalbewußtseins in den Ländern der Diasspora, mehr als bisher seine materielle und moralische Kraft auf Palästina zu konzentrieren. Nachdem das Osmanische Reich und damit auch zugleich dessen Provinz Palästina in die Reihe der verfassungsmäßig regierten Lander eingeruckt ist, hält man die Zeit für gekommen, um in Palästina selber eine regere positive Tätigkeit aufzunehmen und mit allen zur Verfugung stehenden Mitteln an der Hebung von Ackerbau, Gewerbe und Handel zu arbeiten, ohne erst die Erlangung umfassender Konzessionen seitens der Regierung abzuwarten. Die Durchführung allgemeiner politischer Freiheit erscheint der großen Mehrzahl der Zionisten als ausreichende Vorbedingung für ein rasches Aufblühen der palästinensischen judenheit. Ihren praktischen Ausdruck fand diese Stimmung In der Annahme der O pp enheim er'schen Siedeiungsgenossen- Schaft und Bewilligung der zur Verwirklichung dieses großangelegren Planes zunächst erforderlichen Mittel im Betrage von 200000 Fr. Ferner in der Einsetzung einer Agrar-Kredit-Kommission, welche die von vielen Seiten gewünschte Gründung einer Agrarkredit-Bank in Palästina sofort in Angriff nehmen soll. Der lebhafte Aufschwung und das steigende Interesse an den Palästinabestrebungen zeigt sich auch in der günstigen Entwicklung der zionistischen Finanz-Institute. Der Jewish Colonial Trust, dessen Aktienkapital gegenwärtig Lire 255561 beträgt, verteilte in den letzten beiden Jahren je 6 Pence pro 1 Lire-Aktie, und zwar betrug der Reingewinn i. J. 1907 Lire 6244,1. J. 1908 Lire 6457. Die Anglo-Palestine Company, die mit einem Kapital von Lire 69709 arbeitet, erzielte i. J. 1908 einen Reingewinn von Lire 4794 und konnte dementsprechend eine Dividende von 10 Pence für die 1 Lire-Aktie ausschütten. Diese Bank, die außer der Zentrale in Jaffa noch mehrere Filialen in Jerusalem, Beirut, Hebron und Haifa unterhält, entwickelt sich allmählich zu einem wichtigen Faktor im wirtschaftlichen Leben Palästinas, namentlich durch die Begröndung zahlreicher Leihgenossenschaften für Handwerker und Kolonisten. Zu diesen beiden Instituten ist Im Jahre 1908 noch die Anglo-Levantine Banking Co in Konstantinopel mit einem eingetragenen Kapital von Lire 100000 hinzugekommen. Noch ertragreicher gestaltete sich die Tätigkeit des jüdischen National-Fonds, der im Jahre 1908 eine Einnahme von Mk. 275738,41, im Jahre 1909 sogar von fast 400000 Mk. zu verzeichnen hatte, so daß das Gesamtvermögen des judischen Nationalfonds gegenwärtig ca. 2 Millionen Fr. beträgt. Alles in Allem darf die Leitung der zionistischen Bewegung mit voller Befriedigung auf die verflossene Korgreßperiode zurückblicken. W. L. Literatur. Holzmann, Dr. M. Geschichteder Jüdischen Lehrer- Bildungsanstalt in Berlin. Berlin 1909. Druck von H. S. Hermann. 169 Seiten, gross 8°. Anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der berliner judischen Lehrer-Bildungsanstalt hat deren zeitiger Direktor die Geschichte der Anstalt geschrieben, welche mit Bildern des Schuihauses geschmückt, in schöner Ausstattung als Festschrift erschienen ist. Holzmann schildert zunächst die Vorgeschichte der Anstalt und berichtet alsdann an der Hand des einschlägigen Aktenmaterials über die Gründung und die weitere Entwicklung der Anstalt bis zur Gegenwart. Zum Schluss werden die Stiftungen der Anstalt, ihre Leiter und Lehrer sowie die Zöglinge einzeln aufgeführt. B. B. Maurenbrecher, Max. Von Nazarethnach Golgatha. Berlin—Schöneberg, 1909. Buchverlag der „Hilfe* G. m. b. H. 275 Seiten, 8°. — Preis 4 M. „Untersuchungen über die weltgeschichtlichen Zusammenhänge des Urchristentums" ist der Untertite' des Buches, welches sich mit den Anfängen des Christentums beschäftigt. Maurenbrecher verwertet die neuesten refigionsgeschäftllchen Forschungen und bringt auch manches Neue. Das stilistisch hervorragende Buch ist — ähnlich wie die bekannte Schrift Harnacks — von einem einseitig christlichen Standpunkte geschrieben und ruft vielfach unseren Widerspruch hervor. Auf Einzelheiten kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Nur die eigenartige Auffassung des Verfassers von der Stellung des Judentums zum Begriff der Sünde mag hervorgehoben werden. In dem Sundengefühl erblickt er das Wesen der jüdischen Religion und meint, dass das Judentum als Religion „auch in seinem Kern" von Christus deshalb überwunden ist, weil bei letzterem die „ganze tränenselige Sünden-Stimmung des Judentums'6 verschwindet. B. B. Cohen, Israe^ Israel in Italien, Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Noemi Baneth. Berlin 1909. Louis Lamm. Hl S. 8°. Der Verfasser hat die Eindrücke und Erlebnisse seiner Reise durch Italien in 12 Skizzen festgehalten, welche als ein interessanter Beitrag zur Kulturgeschichte der juden betrachtet werden können, wenn das Buch auch nicht gerade Offenbarungen enthält. Als leichte Lektüre darf es empfohlen werden. B. B. Für die Redaktion verantwortlich Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Charlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C. 2, Neue Friedrichstrasse 61—63. — Druck von E. Grüner, Bernau.

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