Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Eheschließungen in Deutschland 1907
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 2)
- Language
- German
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— 29 — starker sinkender Sterbeziffer, dagegen steigender Ehe- Ziffer. Die Anzahl der rein jüdischen Ehen i. J. 1907 betrug 4052, i. J. 1906: 7080, 1905: 3905, 1904: 4001, 1903: 3831, 1902: 3925, 1901: 3878. Es zeigt sich, daß die Tendenz nicht steigend ist, sondern von Jahr zu Jahr Schwankungen sich geltend machen. Um die judische Eheziffer zu berechnen, müssen wir noch die Hälfte der jüdischen Mischehen hinzu addieren, d h. 495°/0. Es betrug darnach die Anzahl der jüdischen Ehen im ganzen 4547 mithin die Eheziffer: 7,43n/00, i. J 1906 7,41 %l0, i. j. 1905: 7,12%0, 1904: 7,27 °/0o, 1903: 6,98°/^, 1902: 7,15 °/00, i. J. 1901: 7,18 <y00. Die Anzahl der Mischehen überhaupt betrug i. J. 1907: 478^6, d. h. 9,49% der Gesamtzahl der Ehen; bei den Juden machten die Mischehen 24,43% der reinen Ehen. Noch deutlicher wird uns das Verhältnis der reinen Ehen zu den Mischehen unter den Juden vor Augen geführt, wenn wir berechnen, wieviel unter 100 jüdischen Männern bezw. Frauen einen nichtjüdischen Ehegatten heirateten Es heirateten i J. 1907 von je 100 jüdische Männer 12,23, von je 100 jüdischen Frauen 9,49 einen nichtjüdischen Ehegatten. ji * ü Eheschließungen in Sachsen 1907. j| Sachsen jj oem statistischen Jahrbuch 11,; ■ ■ -- -ij für dasKönigreichSachsen, 37. Jahrgang 1909 entnehmen wtr folgende sehr instruktive Tabelle über die Eheschließungen in Sachsen für das Jahr 1907. Bekenntnis des Mannes Bekenntnis der Frau Von 100 heiratenden Männern i Frauen des vorbez. Bek. heirateten innerhalb außerhalb innerhalb außerhalb des eigenen Bekenntnisses Von 100 heiratenden hatten das vorne bezelchn. Glaubensbekenmn. Männer; Frauen Evangelisch .... Römisch-Katholisch Andere Christen Israeliten..... 34651 1748 : III i 1153! 65 666! 5 13 91 2 4 9 08 35875 2421 215 75 96,591 3,41 27,51! 72,49 42,33! 57.67 78,38; 21,62 94,83 36,31 56.52 96,63 5,01 63,69 43,48 9,37 92,94 i 94,65 6,271 4/75 0,56 i 0,42 0,15 i 017 Zusammen 36539 1834; 161 j 64 38602 71,88i 8,12 91,88 8,12 100,00 j 10,000 Die Gesamtzahl der Eheschließungen betrug 38602, folgiich die Eheziffer 8,4°/00; bei det3 Juden betrug die Anzahl der Eheschließungen 69, mithin die Eheziffer: 4,45%0; sie ist also sehr niedrig, doch läßt sich daraus keineswegs ein Schluß ziehen auf die Heiratslust bezw. Heiratsmöglichkeit unter den Juden in Sachsen, solange man keinen Einblick in die Gliederung der jüdischen Bevölkerung Sachsens nach Altersaufbau und Familienstand besitzt. Soviel ist sicher, daß Sachsen eine starke Einwanderung von ausländischen Juden hat, namentlich in Leipzig, und eine Folge dieser Einwanderung dürfte wohl sein, daß die Eheziffer herabgedrückt wird. Die Anzahl der Mischehen überhaupt betrug 3119, mithin der Prozentsatz der Mischehen 8,09. Bei den Juden betrug die Zahl der Mischehen 22, daher der Anteil der Misch' ehen an der Gesamtzahl der jüdischen Ehen 31,88%, also ungewöhnlich viel. Fragen wir auch hier, wieviel von je 100 heiratenden jüdischen Männern, bezw. Frauen einen nichtjüdischen Ehegatten heirateten, so lautet die Antwort: Von je 100 judischen Männern heirateten 21,75, von je 100 jüdischen Frauen 9,37. Es ist mithin die Beteiligung der jüdischen Männern an den Mischehen doppelt so groß als die der jüdischen Frauen. Juden in Bayern nach 1895, 1907 erörtern. den drei Berufszählungen 1882, Tabelle I. Bayern Berufszählung 1907. Bayern ist der erste Bundesstaat, welcher die Ausscheidung der beruflich tätigen Personen nach der Konfesston auf Grund der Berufszühlung vom 14. Juni 1907 veröffentlicht. Wir entnehmen der Zeit' schritt des Bayerischen Statistischen Landesamts, 21. Jahrg., Heft 3 und 4 folgende Tabellen. Es soll sich hier nur um eine kurze Ueber' sieht handeln. In der folgenden Nummer der Zeitschrift werden wir ausführlich die berufliche Gliederung der Soziale Klasse Katholiken Evangelb che Andere Christen Israeliten absoiut j % absolut 1 % absol.1% absolJ % Erwerbstätige 1) Dienende Angehörige i 2667543 71,7 85204j74,l 1915301169,4 1018152 27,4 29112 25,3 81381529,5 4649 0,1 121 0,1 4305 j0,2 t 2717310,7 47()|0,4 260800,9 Zusammen 4668108(76,8 1861079; 28,2 9075 0,1 537230,8 Diese Tabelle scheidet die nach der Konfession gegliederte Masse nach der sozialen Stellung, welche ihre Angehörigen im Berufe einnehmen. Da ist zunächst auf eines hinzuweisen. Die Gesamtzahl der durch die Berufszählung erfaßten Juden beträgt 53723. Mach der Volkszählung 1905 betrug die Zahl der Juden in Bayern 53341. Es müßte demnach in den zwei Jahren 1906 und 19Ö7 ein beträchtlicher Rückgang stattgefunden haben. Das ist aber keineswegs der Fall. Der Fehler beruht darin, daß bei der Zählung nicht sämtliche Per* sonen erfaßt wurden, vor allem die nicht erwerbstätigen, insbesondere die Kinder. Es erscheint daher die Zahl der Angehörigen zu niedrig, mithin prozentual die Zahl der Selbständigen zu hoch. Es betrug bei den Juden der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtzahl der Juden: 50,58 %, bei den Katholiken: 57,16%. Beiden letzteren ist das Mißverhältnis noch viel bedeutender. x) Die beruflosen Selbständigen sind dabei unter die Erwerbstätigen eingerechnet.