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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Zur Vorgeschichte der Juden in Ost- und Westpreussen
Date
1910-01-01
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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— 9 — Zur Vorgeschichte der Jaden Von Emil Hollack, Kg!« Baugewe Wann nachweislich die ersten Juden nach j Ost- und Westpreussen gekommen sind, kann; nicht beantwortet werden, dürfte wohl auch j für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Da- gegen ist die urgeschichtliche Forschung in der Lage, die ersten Vorboten semitischen Einflusses — ich gebrauche das Wort „semitisch" in seiner weitesten Begrenzung — zeitlich ziemlich genau bestimmen zu können, Es sind die Jahrhunderte, die auf die große europäische Völkerwanderung folgen, genauer ausgedrückt: das 9.—11. nachchristliche Jahrhundert. Wenn man in wissenschaftlichen Kreisen lange Jahre glaubte, daß bereits in vorchristlicher Zeit semitische Händler — die Phönizier — an der preussischen Ostseeküste gewesen wären, um Bernstein zu holen, so muß man diese Ansicht heute als falsch zurückweisen; denn wären wirklich Phönizier hier gewesen, so würde es der Prähistorie wohl schon gelungen sein, eine oder die andere Spur ihres Verweilens hier aufzufinden, was aber nicht der Fall ist. Obwohl man aus vorchristlicher Zeit in den baltischen Küstengegenden, abgesehen von Stein- und verhältnismäßig wenigen Bronzewaffen, fast nur zerbrochene Tongeräte und Scherben findet, so steht man doch bereits vor einer relativ ausgebildeten Kunstfertigkeit, die in ihrer rein geometrischen Ornamentik ein Charakteristikum für indogermanischen Ursprung ist und wie Milchhöf e r („die Anfänge der Kunst in Griechenland") nachweist, niemals den Einflüssen des phönizischen Orients unterlegen hat. Die Jahrhunderte gingen über unser Land hin und ließen hier und da Spuren von auswärtigen Kultureinflüssen zurück. So kann man vom 1.—4./5. nachchristlichen Jahrhundert bei uns von einer; römischen Periode sprechen, wenigstens insoweit, als die Grabfunde uns eine starke Beeinflussung hiesiger Erzeugnisse durch die provinzialrömische Kleinkunst erkennen lassen. Auf die römische Periode folgen die Jahrhunderte der Völkerin Ost- und Westpreussen, kschullehrer in Königsberg i. Pf. Wanderung, die man auch als naehrörnisehe Epoche bezeichnet und in deren Erzeugnissen viele Gelehrte eine Beeinflussung durch die damals schon aufstrebende germanische Kunst erblicken wollen. Nachdem aber die nachrömische Kultur sich hier ausgelebt hatte, tauchen arabische Silbermünzen auf, und zwar sowohl als Grabwie als Depotfunde, wenn auch lange nicht in so großen Mengen wie einige Jahrhunderte früher die römischen Münzen. Der ganze Südrand der Ostsee von Finnland bis nach Mecklenburg mit seinen Hinterländern ist ihre Fundregion. Was die Zeit anlangt, so stammt fast keine Münze aus der Zeit vor 750 und keine aus der Zeit nach 1000. Häufig kommen diese Münzen zerhackt vor. Wahrscheinlich dienten sie als Scheidemünzen. Müller („Arabische Münzen in den baltischen Küstenländern" — Sitzungsberichte der Altertumsgesellschaft Prussia für das 41. Vereinsjähr, S. 45) nimmt an, daß das arabische Geld über Rußland von Markt zu Markt ging. „Natürlich konnte man die Inschriften nicht lesen; man wog es sich zu und zerschnitt dabei vielfach zur Erzielung des genauen Gewichts das dünne Silberblech." Auf Grund dieser Münzfunde Handelsbeziehungen für das 9.—11. nachchristliche Jahrhundert anzunehmen, ist wohl das Einfachste und Natürlichste, doch waren dieselben wohl nicht direkt*) Im 13. Jahrhundert nimmt der deutsche Orden von dem Lande Preußen Besitz. Schriftliche Nachrichten über die Okkupation sind zwar vorhanden, aber der Juden wird nicht gedacht, so daß man nicht weiß, ob ihrer einige im 13. Jahrhundert hierher gekommen sind. Dagegen gab es schon große Judengemeinden um dieselbe Zeit in dem benachbarten Polen. Man erfährt, daß Herzog Boleslav am Montag x) Vergl. über arabische Münzfunde des Verfassers „Erläuterungen zur vorgeschichtlichen yebersichtsKarte von Ostpreußen«, S. LXXVII und 213.

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