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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. Seite 187

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
Date
1909-12-01
Page
Seite 187 (sequence 11)
Language
German
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- 187 — Es genügt jedoch, darauf hinzuweisen, daß die Wirkung religiöser Sitten auf die Zeit der Heiraten immer noch sehr stark ist. Die höchste Heiratsziffer fällt bei den Juden auf den Sommer, die geringste auf den "Winter, während bei der Gesamtbevölkerung das höchste Heiratsprozent auf den Winter, das niedrigste bald auf den Sommer bald auf den Frühling fällt. Während bei der Gesamtbevölkerung die Zeit der Eheschließungen in engster Beziehung mii den Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Bevölkerung steht, welche die Zeit ihrer Eheschließungen von der Zeit der Frühlings- und Sommerarbeiten auf die ruhigere Winterzeit aufschiebt, kann bei den Juden, die vorzugsweise eine städtische Bevölkerung aufweisen, die Zeit der Eheschließungen an kulturellreligiösen Momenten haften bleiben. Und da eben die Zeit der Eheschließungen bei den j Juden nicht von der realen Wirklichkeit j bestimmt ist, können gerade in diesem Momente | die alten Sitten noch lange nachwirken, auch j dort, wo sie in jeder anderen Hinsicht für die! Regelung der jüdischen Ehen außer Kraft | geblieben sind. Dort aber, wo es sich um wesentliche Lebensverhältnisse handelt, wie es das Alter und der Familienstand der Eheschließenden sind, haben wir eine entschiedene Abwendung des modernen russischen Judentums von den Sitten des orthodoxen Judentums gesehen. Fehlerquellen in der Von Dr. Bruno An sich ist die Statistik die objektivste und exakteste Methode zur Feststellung aller Erscheinungen des Gesellschaftslebens, da sie ja ihre Resultate durch rein mechanische Zählung gewinnt. Wenn gleichwohl gesagt wird, daß mit der Statistik Alles bewiesen werden könne, was man in jedem Einzelfalle zu beweisen wünsche, so trifft dieser Vorj wurf nur jene gewissenlosen Pseudogelehrten, welche es natürlich in der Statistik ebenso wie in jeder anderen Wissenschaft gibt. Ganz verschieden aber von einer solchen tendenziösen Ausbeutung statistischer Ergebnisse ist der Umstand, daß die statistische Technik häufig zu Fehlern führt, welche darin ihren Grund haben, daß entweder die statistischen Erhebungen nicht genau genug sind und nicht alle Einzelheiten der betreifenden j sozialen Phänomene erkennen lassen, oder daß! es sich um Erscheinungen handelt, die so j komplizierter Natur sind, daß sie durch die Statistik allein in ihren Zusammenhängen nicht aufgeklärt werden können; vielfach entstehen fehlerhafte Bilder auch dadurch, | daß man die statistischen Ergebnisse mehrerer Länder oder Städte miteinander vergleicht, obwohl die Methoden, durch welche sie gej wonnen wrerden, ganz verschiedene sind oder! die betreffenden gesellschaftlichen Er- * Statistik der Jaden. Blau, Berlin. seheinungen an den verschiedenen Orten so sehr von einander abweichen, daß ein Maßstab für Vergleiche überhaupt fehlt. Hier spielt auch die Verschiedenheit der Gesetzgebung eine bedeutende Rolle; so z. B. in der Kriminalstatistik, in der Statistik der Ehescheidungen, der Mischehen, der Taufen u. s. w. Derartige Fehlerquellen sind in der Statistik der Juden besonders häufig, da in der amtlichen Statistik die Konfession das einzige Kennzeichen zur Heraushebung der jüdischen Bevölkerung bildet, die Konfessionsstatistik aber meist recht unvollkommen ist, sofern in den einzelnen Ländern überhaupt Auszählungen nach Konfessionen stattfinden. Es ist daher, um falsche Schlußfolgerungen zu verhüten, durchaus notwendig, bei der Bearbeitung des die Juden betreffenden statistischen Materials immer wieder auf die Fehler, die Ungenauigkeiten und die Zweifelsfragen hinzuweisen, welche bei der Betrachtung der einzelnen Probleme zu berücksichtigen sind. In Folgendem sollen einige dieser Fehlerquellen angedeutet werden, ohne daß auch nur im entferntesten eine Vollständigkeit erreicht werden soll und kann. I. In allen Fällen, in denen es darauf ankommt, Feststellungen zu treffen, die sich auf die Juden als eine durch ihre Abstammung

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