Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Saluti senectutis [Rezension]
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
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— 176 — von Lindheim hat hier den letzteren Gelegenheit gegeben, sich im Rahmen seines Werkes zu wichtigen Problemen zu äußern. So kommen zu Worte: Eckstein über „Die Lebensdauer der Tiere und Pflanzen," Nordau über „Die Wertung des Menschenlebens," Kemmerich über „Die Lebensdauer und Todesursachen innerhalb der Deutschen Kaiser- und Königsfamilien," P r i n z i n g über „Die Sterblichkeit in der bürgerlichen Bevölkerung Deutschlands seit den Zeiten der Karolinger," Biedert über „Die wirtschaftlichen Vorteile der menschlichen Lebensdauer für denStaatund dieGesellschaft/' Z e i 11 i n mit einem „Versuch, das durch übergroße Sterblichkeit entstehende Defizit sowie den durch Verlängerung der menschlichen Lebensdauer eventuell zu erzielenden Gewinn auf Grundlage einer Berechnung des wirtschaftlichen Wertes des Menschen ziffermäßig festzustellen," Westergaard und Rahts über „Die Sterblichkeit im Ruhestande/' von Lindheim selbst hat zwei Enqueten von hervorragender Bedeutung veranstaltet Die eine — von Arnold Spitz bearbeitete — bezieht sich auf die Sterblichkeit österreichischer Pensionisten und führt zu dem Ergebnisse, daß die Sterblichkeit im Ruhestande befindlicher Personen eine höhere ist als die berufstätiger Personen — ein Resultat, zu welchem auch Westergaard und R a h t s gelangen. Die andere Enquete erstreckt sich auf 705 im Greisenalter stehende Personen; sie soll diejenigen Faktoren ermitteln, welche die Langlebigkeit begünstigen, von Lind heim stellt auf Grund seines umfangreichen mit vieler Muhe gesammelten Materials fest, daß einen Einfluß auf die Erhöhurg der Lebensdauer haben: die legitime Ehe, die Abstammung von gesunden, langlebigen Eltern, die Ernährung an der Mutterbrust, die Mäßigkeit und Regelmäßigkeit im Leben sowie die Beschäftigung bis ins hohe Alter hinein; das Leben auf dem Lande beeinflußt dagegen die Lebensdauer nicht günstiger als das Leben in der Stadt, und der mäßige Alkohol- und Tabakgenuß wirken nicht schädlich. Die Enquete umfaßt auch 85 J u d e n; bei diesen beträgt das Durchschnittsalter S9l/2 jähre, während das Durchschnittsalter bei allen 705 Personen uur 85l/2 jähre beträgt. Unter den 85 jüdischen Greisen befanden sich 41 %, deren beide Eltern ein Alter von mehr a's 70 Jahren erreicht haben; bei der Gesamtheit beträgt die entsprechende Ziffer 20%. Von den Juden sind 95% an der Mutterbrust genährt, während dies im Allgemeinen nur bei SO % der Greise der Fall war. Die Frage, ob die Juden tatsächlich ein höheres Lebensalter erreichen als die Gesamtbevölkerung, erscheint noch nicht genügend geklärt; sie soll demnächst in dieser Zeitschrift eingehend gegrüft werden. Hierbei wird die Enquete von Lindheims nutzbringend verwertet werden. — Der Verfasser schließt das Buch mit Forderungen an den Staat und an die Gesellschaft, um die menschliche Lebensdauer zu erhöhen. Die Lektüre des vorzüglichen Werkes ist nur zu empfehlen. B. B. Weinheimer, Hermann. Geschichte des Volkes Israel von den Anfängen bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Berlin-Schöneberg, Buchverlag der „Hilfe* G. m. b. H. 1909. 188 Seiten. 80. Preis kart. Mk. 3.— Der Verfasser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die israelitische Geschichte —abweichend von den früheren Darstellungen — vom Standpunkt der ökonomischen Geschichtsauffassung zu betrachten, und er hat durch die Einführung dieser Methode mancherlei neue Gesichtspunkte in die Geschichte des Volkes Israel gebracht. Abgesehen hiervon ist die lebendige und formvollendete Darstellungsweise hervorzuheben, welche von längeren fachwissenschaftlichen Auseinandersetzungen absieht und so den Stoff jedem Gebildeten nahebringt. Bei seinen rassentheoretischen Bemerkungen hat Weinheimer leider die neueren Forschungen nicht genügend berücksichtigt. Auch scheint er ausweislich des Literaturverzeichnisses die Werke jüdischer Schriftsteller überhaupt nicht benutzt zu haben. Gleichwohl erscheint das Buch recht geeignet, die Kenntnis der israelitischen Geschichte zu verbreiten. B. B. Tolstoi, Graf J. Der Antisemitismus in Rußland. Frankfurt a. M. J. Kauffmann. 1909. 138 Seiten. 8°. Preis 1,50 M. Die jetzt von Dr. Arcadius Silberstein, Rechtsanwalt in St. Petersburg, ins Deutsche übertragene Schrift ist bereits Ende des Jahres 1907 erschienen und bedarf schon wegen der Person ihres Verfassers, welcher dem Ministerium Witte angehörte und auch jetzt in politischen und wissenschaftlichen Kreisen als einflußreiche Persönlichkeit gilt, besonderer Hervorhebung. Ebenso bedeutungsvoll ist aber auch der Inhalt des Buches. Die Judengesetzgebung Rußlands mit ihren antisemitischen Tendenzen und Beschränkungeu wird in allen Einzelheiten mit der besten Sachkenntnis geschildert, und ihre Verkehrtheit nachgewiesen. Die Vorschläge des Grafen jwan Tolstoi gipfeln darin, daß den russischen Juden die volle Gleichberechtigung gewährt werde. B. B. Ullmann, Dr. Salomon. Studien zur Geschichte der Juden in Belgien bis zum 18. Jahrhundert. Antwerpen. S. Kahan. 1909. 56 Seiten. 80. Der Verfasser liefert auf Grund eingehenden Quellenstudiums wertvolle Beiträge zur ältesten Geschichte der Juden in Tournay, Huy, Lüttich, Mechelen, Brüssel, in den Grafschaften Hennegau und Flandern und namentlich in Antwerpen. B. B. Druckfehler-Berichtigung. In der Notiz über die Juden in der Schweiz in der vorigen Nummer der Zeitschrift ist die letzte Tabelle insofern richtigzustellen, als in der dritten und vierten Kolumne die Zahlen 2 und 19 zu streichen und die folgenden je um eine Zeile höher zu rucken sind. In der Anführung der Kantone soll es statt Teil Zug, statt Freibach Freiburg, statt Wolli Waliis heißen. Der letzte Satz der Notiz muß lauten: „Der höchste Prozentsatz der inländischen Israeliten unter den Schweizerbürgern befindet sich in Basel-Stadt [12], der der ausländischen Israeliten unter der Ausländern in Bern [44]." Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin. — Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C. 2, Neue F'-'edrichstrasse 61—63. —Druck von E. Grüner, Bernau.