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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Article
Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
Date
1909-10-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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— 146 — Besonders oft wird es in der ersten Zeit vorkommen, wo nur ein kleiner Teil der Juden am allgemeinen Leben des Staates und Landes Teil nimmt und sich für den Zivilstand interessiert. Abgesehen davon sind die allgemeinen Leitpunkte, die für die Registrierung der Ehen in Rußland gegeben werden, nicht immer ausreichendjUinallecharakteristischenMomente der jüdischen Eheschließungen zu ergreifen. So werden die Personen, die eine wiederholte Ehe sehließen,überall als v e r wT i t w e t registriert, und wir können aus diesem Grunde die bei den Juden bedeutende Teilnahme der geschiedenen Pers onen an wiederholten Ehen nicht beobachten; die Monatsverzeichnisse für die Ehen, die natürlich nach den Daten des europäischen Kalenders eingetragen werden, können nicht alle charakteristischen Besonderheiten decken, die die zeitliche Einteilung der jüdischen Ehen bestimmen und die nur dann klar hervorgehoben werden könnten, wenn sie nach den Daten des jüdischen Kalenders geführt wären. Dennoch betreffen all die UnVollkommenheiten in der Statistik der jüdischen Ehen nicht so sehr die Richtigkeit als die Vollständigkeit der eihaltenen Angaben. Wirkliches Mißtrauen erwecken nur die absoluten Zahlen aus der ersten Zeit der untersuchten Periode, wo sowohl die Handhabung der Statistik noch unvollkommen war, als auch die meisten Juden noch wenig Interesse für die richtige Führung ihrer Zivilregister hatten. Aber auch die vorhandenen Angaben genügen, um ein richtiges Bild der innerhalb der jüdischen Ehen bestehenden Verhältnisse der verschiedenen Heiratsgruppen zu geben. Der Hauptfehler unserer Angaben besteht schließlich nur noch darin, daß wir nur in den wenigsten Fällen die Möglichkeit haben, sie ins Verhältnis zur Bevölkerungziffer zu bringen. Anstatt daß die Bevölkerungsziffer uns über den Wert unserer Heiratsziffer aufklärt, werden wir oft umgekehrt aus den Eheziffern auf den Stand deT Bevölkerung schließen müssen. 1. Die absoluten Zahlen der jüdischen Ehen. Die allgemeinen jährlichen Zahlen der jüdischenEhen lassen sichvom Jahre 1867 bisl902 für das Europäische Rußlamd (außer Polen) folgenderweise gruppieren. (S. Tab. I.) Schon beim ersten Blick erweist es sich, daß die Registrierung der jüdischen Ehen beim Anfang unserer Periode sehr unvollkommen ist. Das Jahr 1868 erhält keine Angaben über die Ehen im Gouv. Bessarabien, dasselbe trifft 1871 für das Gouv. Grodna, 1874—75 für das Taurische Gouv.; 1874, 75, 76 u. 79 für das Chersoner; 1876, 77, 78, 79, 80, 81 u. 82 für das Poltawer Gouv.; 1876 für das Tschernigower Gouv., 1878 u. 79 für das Kijewer, 1878 wiederum für das Tschernigower, 1879 für das Minsker u. 1881 für das Taurische Gouv. zu. Diese Lückenhaftigkeit bringt Scheinschwankungen in der allgemeinen jüdischen Heiratsziffer für das Europ. Rußland hervor, und wir mußten bei der Berechnung der jährlichen Veränderungen dieser Heiratsziffer jene Scheinschwankungen dadurch ausgleichen, daß wir jedes Jahr zu der verzeichneten allgemeinen Ehesumme die nächste uns bekannte Heiratsziffer der fehlenden Gouvernements hinzufügten. Daher entsprachen auch die Veränderungen, die wir in die dritte Rubrik der letzten und der vorletzen Columne eingetragen haben, nicht immer den erscheinenden Veränderungen in der allgemeinen Ziffer der jüdischen Ehen für das Europäische Rußland und für den Ansiedlungrayon. Aber abgesehen von dieser Unvollständigkeit der Angaben der 60 er und 70 er Jahre, die sich annähernd nachrechnen läßt, zeigen uns die Zahlenergebnisse dieser Zeit ganz unwahrscheinliche Resultate, die uns auf die Unrichtigkeit dieser Angaben schließen lassen. So zeigt uns die Heiratsziffer dieser Zeit ein absolutes Sinken, wobei dieses Sinken von 1867 bis 1880 in den einzelnen Gouvernements 6%, 8% und 10% erreicht — ein Ergebnis, das bei einer wachsenden Bevölkerung ganz unmöglich ist und das wir daher gänzlich den Fehlern der Registrierung zurechen müssen.

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