Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Der IV. jüdische Turntag
- Date
- 1909-09-01
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
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— 144 — daß die jüdische Turnbewegung in den 10 Jahren ihres j Bestehens Großes erreicht hat. Die Leistungen in den j Freiübungen wie in dem Riegenturnen waren in gleicher j Weise vorzüglich, wobei besonders zu betonen ist, daß! sich 128 Turner an dem Schauturnen beteiligten, ohne j daß auch nur durch die Fehler eines einzigen Unaur-! merksamen der Gesamteindruck gestört wurde. Das j Kürturnen und das Turnen der Musterriegen gaben den \ Einzelnen Gelegenheit, ihr bestes Können zu zeigen, j Auch die Vorführungen der Jugend- und Frauen- \ abteilungen verdienen großes Lob. Hier bemerkte man besonders den erzieherischen Einfluß des Turnens. Am folgenden Tage fand auf dem Spielplatz des I Berliner Turnvereins „Bar Kochba" das volkstümliche; Wetturnen statt, welches im Springen, Laufen, Stein- | stoßen und Faustballspiel bestand. Auch hierbei wurden j gute Erfolge erzielt. j j Die jemenitischen luden macht Dr. S. Weißen-! berg in der Zeitschrift für Ethnologie; (1909, S. 309 ff.) zum Gegenstande einer anthropologischen; Untersuchung. Er stellt auf Grund der von ihm in Jerusalem und Jaffa vorgenommenen Messungen fest, daß die jemenitischen Juden in vielfacher Beziehung von dem gewöhnlichen jüdischen Typus abweichen. Sie sind von kleiner Statur und langköpfig, haben durchweg schwarze oder allenfalls tiefdunkelbraune Haare und braune, zumeist dunkelbraune Augen; auch die Hautfarbe ist dunkel. Kopf, Gesicht und Nase sind bei ihnen schmäler als bei den europäischen Juden. Der Verfasser kommt hiernach zu dem Schluß, daß zwischen den europäischen und den jemenitischen Juden in physischer Beziehung eine Verwandtschaft nicht besteht, während der äußere Habitus beider Volksgruppen ähnlich ist, wie die Photographieen Weißenbergs zeigen. Die Untersuchungen Weißenbergs sind namentlich deshalb von großer Bedeutung, weil sie geeignet sind, die herrschende Theorie von der Zusammensetzung der jüdischen Rasse zu erschüttern. Geht man von dieser herrschenden Lehre v. Luschans aus, so muß man nämlich die Jemeniten für Nichtjuden erklären, während jene Theorie fallen muß, wenn die jemenitischen Juden als Abkömmlinge der alten Hebräer betrachtet werden. Weißen berg stellt eine eingehende Behandlung dieser Frage in Aussicht, sobald er das ganze von ihm gesammelte — zum Teil in unserer Zeitschrift veröffentlichte — Material bearbeitet haben wird. Literatur. Statistische Uebersichten der Benölkerimgs- und | JHedizinalsf aiistlk in graphischer Darstellung* nach; den Originaltabeilen der Ausstellung „Volkskrankheiten j und ihre Bekämpfung" zu Dresden, herausgeg. von j K. A. Lingner. Berlin 1908. Deutscher Verlag für i Volkswohlfohrt. j Der Deutsche Verlag für Volkswohl' | fahrt hat den lobenswerten Plan gefaßt, statistische I Uebersichten der Bevölkerungs- und Medizinalstatistik in! graphischer Darstellung herauszugeben. Die Grundlagen bilden die Originaltabeilen der Ausstellung „Volkskrank' heiten und ihre Bekämpfung" zu Dresden, herausgegeben von K. A. Lingner. Bisher sind drei Tabellen erschienen. Die Tabelle 1 stellt die Bewegung der Bevölkerung Europas seit Beginn des XIX. Jahrhunderts dar. Die Diagramme enthalten 4 Kurven, welche die Geburten und Sterbehäufigkeit, Ehelust ui d den Geburtenüberschuß zum Ausdruck bringen. EurGpa ist eingeteilt in Ost- Europa [Griechenland, Europäische Türkei, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Ungarn, Galizien und Bukowina, Rußland — Ganz Ost-Europa;] Nord Westeuropa: Die germanischen Völker, [Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Island, Großbritannien und Irland, England, Schottland, Irland, Holland Belgien, Deutschland, Preußen, Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Schweiz, Oesterreich — Ganz Nord.Westeuropa;] Sud-Westeuropa: Dieromanischen Völker [Italien, Frankreich, Spanien, Portugal — Ganz Süd'Westeuropa]. Tabelle II versinnbildlicht die Bewegung der Bevölkerung in den deutschen Großstädten nach den oben erwähnten Gesichtspunkten. Folgende Städte sind graphisch dargestellt: Aachen, Altona. Augsburg, Barmen, Berlin, Bochum, Braunschweig, Bremen. Breslau, Charlottenburg, Chemnitz, Cöln, Crefeld. Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Elberfeld, Erfurt, Essen,Frankfurts. M. Gelsenkirchen, Halle, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Königsberg, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Mühl hausen i. E., Mühlheim, a. R., München, Nürnberg, Plauen i. V., Posen, Rixdorf, Schöneberg, Stettin, Straßburg, Stuttgart, Wiesbaden. Tabelle III gibt eine Darstellung der Säuglingssterblichkeit in den europäischen Staaten in Beziehung zur Häufigkeit der Geburten; d. h. auf den Diagrammen sind zwei Kurven hergestellt. Die eine zeigt die Anzahl der Lebendgeborenen auf je 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung gerechnet, die zweite die Anzahl der Sterbefälle im ersten Lebensjahr auf je 100 Lebendgeborene desselben Jahres berechnet. Die Diagramme sind nach folgenden Gesichtspunkten geordnet: 1. Die serbische und osteuropäische Bevölkerung [Bulgarien, Rumänien, Serbier?, Ungarn, Rußland.] 11. Die romanischen Völker [Italien, Spanien, Frankreich, Belgien.] 111. Die germanischen Völker [Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Schottland, Irland, Niederlande, Schweiz, Deutschland, Preußen, 3aye:n, Sachsen, Württemberg, Baden. Hessen, Elsass-Lothringen, Oesterreich.] Der Deutsch eVerlag für Volkswohlfahrt hatsich mit diesen Tabellen ein großes Verdienst um dieAusbreitung der statistischen Wissenschaft erworben; denn nichts ist so sehr imstande, die Vorgänge der Bevölkerungsbewegung klar vor Augen zuführen als die Anwendung dergraphischen Methode. Dabei ist die Ausstattung von einer Sorgfalt, wie man sie selbst in der amtlichen Statistik nur selten findet. Sowohl der Statistiker als auch der Mediziner werden mit Genuß die Tabellen studieren, und dem Laien, der vor Zahlen scheut, ist hier die Möglichkeit geboten, ohne Mühe einen genauen Einblick in d<e Entwicklungstendenzen der wichtigsten Erscheinungen im sozialen Leben, nämlich der Geburten- und Sterbehäufigkeit, der Ehelust und vor allem der Säuglingssterblichkeit zu erhalten. {. S. Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Berlin. — Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-CharlOttenburg. — Expedition und Kommissionsverlag von Louis Lamm in Berlin C, 2., Neue P'edrichstrasse 61—-63. Druck von E. Grüner, Bernau.