Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung Kanadas
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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— 103 — mittel für eine längere Zeitdauer umsonst erhielten. Die Kolonisten ließen aber rasch den Mut sinken und kehrten in die Städte zurück. Der Grund lag darin, daß sich die Kolonie in einer ungünstigen Entfernung von der Eisenbahn befand, so daß es unmöglich war, einen passenden Markt für ihre Erzeugnisse zu finden. Aber mit der zweiten großen Welle von russischen Einwanderern in den Jahren 1891—92 kamen nach Kanada neue Elemente, die Kolonisationsbestrebungen zugänglich waren. Die neue Bewegung fand eine Stütze in den Plänen des Baron Hirsch. Im Jahre 1S92 hat dieser seinen Plan, einen Teil der Emigranten in den norcl-westlichen Territorien anzusiedeln, zur Ausführung gebracht: er übergab die Angelegenheit dem jüdischen Verein „The Young Meirs Hebrew Benevolent Society" in Montreal, der das Land für die Hirsch'sche Kolonie erworben hatte. Anfangs zogen in die Kolonie 49 Familien, bald wurden sie aber durch 24 weitere Familien vermehrt. Die 73 Farmen enthielten je 160 acres, insgesamt also 11680 acres. Die Kolonisten wurden mit allem lebendigen und toten Inventar und Vorräten für 3 Jahre versehen. Als aber die 3 Jahre verflossen waren und eine Summe von zirka 50 000 Dollar verbraucht war, beschlossen die Leiter der obenerwähnten Gesellschaft, keine weiteren Zuschüsse zu gewähren- Von nun ab sollte die Kolonie aus eigenen Mitteln sich erhalten. Da die Kolonisten keine Möglichkeit sahen, aus eigenen Kräften vorwärts zu kommen, verließen sie alsbald fast alle die Kolonie und zogen in die Stadt. Im Laufe der folgenden Jahre haben sich aber von Neuem 28 Fani ilien in der Hirsch'schen Kolonie niedergelassen. Heute ist ihre Zahl noch größer, und sie befinden sich in einem ziemlich günstigen Zustand. Ihr Hauptprodukt bildet Weizen. Die Kolonie Wapella wurde im Jahre 1894 von 20 jüdischen Familien begründet. Die Kolonisten waren im Besitze eigener Geldmittel und bedurften keiner Unterstützung. Die Kolonie entwickelt sich günstig. Eine dritte Kolonie befindet sich in Oxbow, mi östlichen Assiniboia. Im Jahre 1900 befinden sich dort 14 jüdische Familien. Die zentralasiatlschen Jaden in Von Dr. S. Weissenbe Während meiner mit Unterstützung des Rudolf V irc ho w-Fonds unternommenen Forschungsreise nach Palästina zwecks Untersuchung der dort versammelten verschiedenen jüdischen Gruppen war es mir leider nur möglich, 18 zentralasiatische Juden zu messen. Wenn auch das Material gering ist und kein j definitives Urteil zuläßt, so sind doch die Ergebnisse insofern interessant, als sie überhaupt die ersten an Juden aus jenen fernen Gegenden gewonnenen sind, und zweitens scheinen die Resultate ein gewisses Bild zu j geben, dessen Richtigkeit von den künftigen! Forschern ohne Zweifel bestätigt werden wird, j Von den 18 Gemessenen stammten 8 aus j Buchara, 4 sowie die einzige gemessene Frau j aus Samarkand, 4 aus Merw und 2 aus Herat.! anthropologischer Beziehung. r £, Elisabethgrad. Sind auch diese Wohnsitze ziemlich weit voneinander entfernt, so dient doch die Sprache, die diese Leute im alltäglichen Leben gebrauchen, als Verbindungsglied zwischen allen ihnen. Zugleich dient auch dieser Faktor als Hinweis dafür, welches Land das eigentliche Stammland und der Ausgangspunkt der Zerstreuung der Juden über ganz Zentralasien war. Aus seiner letzten Forschungsreise in Ostturkestan hat Dr. M. A. Stein1) ein jüdischpersisches Handschriftenfragment mitgebracht, daß der Oxforder Professor Dr. S. Margo- 1 i o u t h entziffert und mit Wahrscheinlichkeit dem Jahre 708 n. Chr. zugeschrieben hat.!) Winternitz, Die neuesten rorschungen und Entdeckungen in Ostturkes'an (Globus, B. 95, S. 103.)