Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Welcher Rasse gehörte Jesus an?
- Date
- 1909-06-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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— 87 — ponenten der jüdischen Rasse annehmen, so können wir nicht umhin. Jesus auch der Rasse nach als Juden mit der größtmöglichen Wahrscheinlichkeit zu bezeichnen. Daß nach der ganzen Sachlage hier nur von einer Wahrscheinlichkeit, nicht aber einer Gewißheit gesprochen werden kann, habe ich schon in der Einleitung bemerkt. Die Austritte aus im Judentum in Berlin wahrend der Jahre 1987 uns! 1908. Von Dr. Bruno Blau, Rechtsanwalt beim Kammergericht in B e r 1 i n. Die in Berlin erfolgten Austritte aus dem Judentum sind für die Zeit seit Inkrafttreten des Preußischen Austrittsgesetzes vom 14. Mai 1873 bis zum Schluß des Jahres 1906 im 3. Jahrgange (Seite 145 ff.) dieser Zeitschrift von dem Verfasser eingehend behandelt worden. In der gleichen Weise wie damals sind nunmehr. für die Jahre 1907 und 1908 die erforderlichen Feststellungen aus den Akten des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin getroffen worden. Dem Vorstande sei für sein hierbei bewiesenes liebenswürdiges Entgegenkommen der verbindlichste Dank ausgesprochen. In Berlin und den übrigen zur Berliner Jüdischen Gemeinde gehörigen Ortschaften1) sind aus dem Judentum ausgetreten Männer Frauen zusammen im Jahre 1907 106 43 149 „ „ 190S 118 68 1S6 Das Jahr 1907 hält mit den Vorjahren 1905 und 1906 ungefähr gleichen Schritt; die Zahl hat sich sogar noch ein wenig verringert. Dagegen weist das Jahr 1908 eine ganz außerordentliche Steigerung auf. In diesem Jahre wird nicht nur die bei weitem höchste Austrittsziffer seit dem Jahre 1873 erreicht, sondern es ist auch das Zunahineverhältnis ein so großes wie fast in keinem Jahr zuvor.2) Ob es sich hier um ein dauerndes Anwachsen der Austrittsziffer handelt oder nur ein einmaliges, zufälliges, sprunghaftes x) Die einzelnen Ortschaften sind im 3. Jahrg., S. 146 aufgeführt; Irisbesondere gehören die Juden der Städte Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf und Wilmersdorf zur Berliner Gemeinde. 2) im Jahre 1901 war die Steigerung noch intensiver; die Zahl stieg damals von 110 auf 152, um dann im nächstfolgenden Jahre noch mehr (auf 99) zu fallen. Emporschnellen mit darauffolgendem raschen Sinken der Ziffer vorliegt, können erst die statistischen Ergebnisse der folgenden Jahre erweisen. Vorerst müssen wir uns mit der Feststellung der Tatsache begnügen, daß die Austritte vom Jahre 1907 zum Jahre 1908 von 149 auf 186 gestiegen sind. Vergleichsweise seien die sämtlichen Ziffern für die Zeit seit 1900 mitgeteilt; es traten aus: Männer Frauen zusammen im Jahre 1900 84 26 110 tr „ 1901 109 43 152 lf „ 1902 74 25 99 it „ 1903 . 88 39 127 ir „ 1904 88 47 135 ir „ 1905 114 43 157 ir „ 1906 110 46 156 lf „ 1907 106 43 149 „ „ 1908 118 (38 186. Bemerkenswert ist, daß. die Zunahme der Gesamtsaustrittszahl im Jahre 1908 zum guten Teil auf eine erhebliche Vermehrung der Austritte weiblicher Personen zurückzuführen ist. Die Austritte von Frauen haben verhältnismäßig weit mehr zugenommen als die Austritte männlicher Personen. Infolgedessen ist auch eine Verschiebung in der Zahl des Anteils der Frauen an der Gesamtzahl eingetreten: während die Frauen an den Austritten in' den Jahren 1873—1906 mit 25,56% und im Jahre 1907 mit 28,86% beteiligt waren, betrug ihr Anteil im Jahre 1908: 36,50%. Wenn wir jetzt .an die Betrachtung der persönlichen Verhältnisse der aus dem Judentum Ausgetretenen gehen, so ist zunächst zu bemerken, daß die gerichtlichen Protokolle? denen wir ja die Angaben zumeist verdanken, in den letzten Jahren unvollständiger geworden sind, da eine Reihe von Richtern, namentlich die-