Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Jüdische eingewanderte Insassen in Straf-, Besserungs- und Wohltätigkeitsanstalten
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 79 (sequence 2)
- Language
- German
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- 79 — Es machten demnach die Juden 7,7% des Bestandes an internierten Personen aus. Wegen Verbrechen waren im ganzen 805 Juden in der Strafanstalt, d. h., unter 100 Strafgefangenen befanden sich nur 5 Juden, ein gunstiges Zeichen für das kulturelle Niveau, auf dem die jüdischen Einwanderer stehen. Auch an Zahl der Irrsinnigen blieben die Juden hinter der Gesamtzahl zurück. Dagegen stellten sie verhältnismäßig ein größeres Kontingent an Armen. (Bei den Juden 51,8%, bei der Gesamtzahl 32,3%). Die in den Strafanstalten Internierten sind selbst wieder unterschieden nach Geschlecht, Alter, Schwere des Delikts, Dauer der Strafe. Insgesamt! Geschlecht Alter S; männl. weibl 1—9 10-20 21-44;45Jah, jähre; Jahre|Jahre u.dar. Gesamtzahl Juden 15323J14416 805:: 740 907 65 20 2748 10463:2094 3; 374 i 405: 23 Natur d. Delikts Wahrsch. Dauer d. Strafe schwer leicht nnter 2; Jahre 2 Jahre u.darüb lebens- 1 läng!. Gesamtzahl Juden 8197; 7126 409 | 396 9149 j 536 : 3493 265 : 681 .. 4 Uns interessiert hauptsächlich das Alter der Straf' gefangenen und die Dauer der Strafe. Der Prozentsatz \ der Kinder (1 — 9) war verschwindend klein, auch der; Anteil der über 45 Jahre alten Personen war bei den j Juden gering (2,8%, bei der Gesamtzahl dagegen 13,6%).; Hauptsächlich war die Altersklasse 21—44 mit 50,4%; vertreten, d. h. die Hälfte aller jüdischen Strafgefangenen stand im Alter von 21—44 Jahren. Bei der Gesamtzahl waren es nahezu drei Viertel. Was die Dauer der Strafe anlangt, so waren bei den Juden 66,50% zu einer Strafe von unter 2 Jahren 32,90% zu einer Strafe von 2 Jahren und darüber, und nur 0,6% zur lebenslänglichen Strafe verurteilt. Die entsprechenden Ziffern bei der Gesamtzahl lauten: 59,7%; 35,8%; 4,5%. Ebenso sind die Insassen der Irrenanstalten gegliedert. \ Geschlecht;| Alter Insge' -; i!■ 1—9!1Ö—20 samt männl. weibl. ,u , . i:;!; Jahre j Jahre Gesamtzahl Juden 25606 13929 1468 714 11677 2 i 344 754 1! 73 :\ Alter _ ^Wahrscheinliche Dauer;:21—44:45Jahr.: unter!2 Jahre lebenswahre u, dar. 2 Jahre u. dar.! längl. Gesamtzahl 12036 13224 945 \ 1590 :23071 Juden 10*7 307 91 78 \ 1299 Während bei der Gesamtzahl der Irrsinnigen das männliche Geschlecht überwiegt, ist bei den Juden auffallenderweise das weibliche Geschlecht stärker vertreten. Auch im Altersaufbau zeigt sich zwischen den Juden und der Gesamtzahl eine sehr wesentliche Verschiedenheit, Der größte Teil der Irren gehört bei den Juden der Altersklasse 21—44 (73%) bei der Gesamtzahl den über 45 Jahre alten Personen (51,6%) an. Es mag dies vielleicht damit zusammenhängen, daß die zugewanderten Juden infolge ihrer beruflichen Gliederung schwerer um ihr Fortkommen zu kämpfen haben, und infolgedessen bei ihnen früher die Zerrüttung der Nerven eintritt. Außergewöhnlich hoch ist auch bei den Juden der Prozentsatz der lebenslänglichen Irren (88,3%), Betrachten wir noch kurz die Zusammensetzung der Insassen den Wohltätigkeits-Anstalten. Geschlecht ii Alter Ins^' ~ ./ :r ... 1--9 to-20 samt ,mannL|weibI.; Jahre Jahre Gesamtzahl Juden 19572 Ii 11418 8154 j| 1214 i 3209 2442 ■ 1307 \ 1135 ] 460 850 Alter ^Wahrscheinliche Dauer 21—44145 Jahr.:; unter 2 Jahre lebens- |j Jahre ju. dar. 2 Jahreju. dar. längl. Gesamtzahl Juden 6672! 8477 : 8302 j 3119 8151! 700! 432 \: 1064! 794 I 584 Auch hier zeigen sich starke Unterschiede zwischen der Gliederung der jüdischen Armen und der Armen überhaupt Vor aliem im Altersaufbau. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß bei den Juden der größte Teil der Armen, die in Anstalten sich befinden, im Alter von 1—20 Jahren steht und daß nur 17,70% im Gegensatz zu 43,3% bei der Gesamtzahl älter als 45 Jahre ist. Dies erklärt auch, daß nur 584, d.h. 23,9% der juden lebenslänglich der Armenpflege zur Last fällt. Bei der Gesamtzahl sind es 8151 bezw. 41,6%. Mitteilungen. 1. Am 4. April d. Js. fand die diesjährige ordentliche ' Hauptversammlung des „Vereins für Statistik der j juden" in Berlin statt. Aus dem von dem Vor- , sitzenden des Vereins Dr. Alfred Nossig erstatteten! Tätigkeitsberichte des „Bureaus für Statistik der j Juden" sei folgendes hervorgehoben: j Zur Veröffentlichung gelangten im Berichtsjahr zwei ) größere Arbeiten: „Die Juden in Oesterreich* von Dr. | Jakob Thon, und wDie Juden in Rumänien44 von Dr. Arthur Ruppin. Beide Schriften bringen zum! ersten Mal das gesamte amtliche Material, das über die Juden der betreffenden Länder vorhanden ist, in übersichtlicher systematischer Bearbeitung. Die bereits früher im Auftrage der Großloge des U. O. B. B. vollendete Arbelt über die „Juden in Hessen*4 befindet sich z. Zt. im Druck und wird demnächst erscheinen. Im Laufe des Berichtsjahres sind zwei fernere Arbeiten zu Ende geführt worden: Dr. Jakob Segall hat eine Untersuchung über die „Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München von 1875 bis 1905" vollendet,