Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Jüdische Wohlfahrtspflege in Berlin
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
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— 78 — Namentlich bei kleinen Vereinen sind die YerAvaltungskosten, insbesondere auch die Inkassospesen unverhältnismäßig hoch. Feilchenfeid empfiehlt daher -mit Recht den Zusammenschluß von Vereinen zwecks gemeinsamer Verwaltungstätigkeit. — Bei 83 Wohlfahrtsanstalten und Vereinen konnte das Gesamtkapitalvermögen festgestellt werden; es betrug 196 77632 Mk., wozu noch der Besitz an Grund und Boden sowie an I Baulichkeiten kommt. Ferner sind zahlreiche | Stiftungen vorhanden; allein diejenigen, welche; von der Gemeinde verwaltet werden, betragen | 5 254688 Mk. I Nach der Berechnung Feilchenfelds j geben die Berliner Juden pro Kopf und Jahr | 9,4 Mk. für Wohlfahrtszwecke aus; da aber | unseres Erachtens die Zahl der Berliner Juden! niedriger als 147000 ist, dürfte jene Ziffer I noch höher sein. B. B. Statistisches Archiv. Preußen. Krüppel unter den jüdisdien Kindern in Berlin» Die Zentrale für Jugendfürsorge hat im Jahre 1907 eine Untersuchung über die Verhältnisse der Krüppel bis zum 15. Lebensjahre Im Deutschen Reiche veranlaßt. Herr Dr. B i s a 1 s k i, der auf diesem Gebiete hervor^ ragend tatig ist, hat das Ergebnis zusammengestellt. Seiner Freundlichkeit verdanke ich die Ueberlassung der Zählkarten über die Krüppel jüdischer Kon' fession in Groß'Berlin. Im Reiche ohne Bayern, Baden und Hessen befinden sich 75000 jugendliche Krüppel, davon über 300 jüdische Krüppel. In Groß' Berlin wurden 55 verkrüppelte Kinder gezählt, 27 Knaben, 28 Mädchen, 35 Kinder waren in Berlin gebürtig, 15 in Vororten, 5 außerhalb. Von den Kindern leben 43 bei den Eltern, 3 bei der Mutter, 3 in Pensionen, 3 in pri' vaten, 3 in öffentlichen Anstalten. — Die Berufe der Eltern anlangend, sind 19 Kaufleute; Schneider, Händler, Witwen je 5, Arzt 4, Schuhmacher 2, unverehelichte Mutter, Buchhalter, Photograph, Stepper, Invalide, Agent, Buchdrucker, Tischler, Bankbeamter, Zigarrenarbeiter je 1, ohne Angabe des Berufes 5. — Die Bedürftigkeit der Eltern war in 22 Fällen bestimmt nachgewiesen, bei den anderen Fällen mögen noch manche verschämte Armen sich befinden. — Die geistigen Fähigkeiten waren in 46 Fällen gute, 3 Kinder waren schwachsinnig, 5 idiotisch, 1 ohne Angabe. — In Bezug auf Schulbesuch waren 10 Kinder noch nicht schulpflichtig, 19 besuchten die Gemeindeschule, 20 höhere Schulen, 1 Privatschule, 5 konnten am Schulunterricht nicht teilnehmen. — Eine erbliche Anlage konnte in keinem Falle festgestellt werden. — Nur in 3 Fällen wurde blutverwandte Ehe konstatiert. — Von 'der Art der Verkuppelung seien hervorgehoben: Kinderlähmung 9, Skoliose 8, Verkrümmung der Arme und Beine 10, Hüftgelenkleiden 2. — Außer der Verkrüppelung litten 6 Kinder an Nerven* schwäche, 2 an allgemeiner Körperschwäche, 2 an Krämpfen, 1 an Herzfehler. — Bei 45 Kindern waren Heilungsversuche gemacht, von denen wurden 22 gebessert, bei 22 Kindern blieben die Versuche ohne Erfolg, 1 Kind ist noch in Behandlung. Die Krüppelfürsorge bedarf auch bei den Juden einer ernsten Aufmerksamkeit, zumal es feststeht, daß die Krüppel ärztlich zu beeinflussen sind, und zwar je früher die verkrüppelten Kinder in ärztliche Behandlung in einem Helm kommen, desto günstiger sind die Erfolge. Demnach ist die Frage eines Heimes für jugendliche Krüppel eine hochwichtige, und die Schaffung eines Heimes sollte möglichst bald in Angriff genommen werden. Ueber 300 Krüppel befinden sich unter den Juden Deutschlands, davon ist die größere Hälfte heimbedürftig. Die jugendlichen Krüppel können sicher zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden, da die geistigen Fähigkeiten bei den meisten Kindern gute sind. Dr. Maretzki. Husfritte aus dem Judentum in Preufjen. Berlin 1007 und ^908. Nach den aus ■;- — den Akten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin getroffenen Feststellungen des Bureaus für Statistik der Juden sind in Berlin und seinen Vororten aus dem Judentum ausgetreten: Männer Frauen zusammen im Jahre 1907 106 43 149 im Jahre 1908 118 68 186 Die Zahl der Austritte war also im Jahre 1908 erheblich höher als im Jahre 1907 und In den Vorjahren. Nähere Angaben über die persönlichen Verhältnisse der Ausgetretenen werden demnächst veröffentlicht werden. :=' |; Jüdische; Vereinigte Staaten uon Hord-Hmerika. dnge- ■! - —=!! tö änderte Insassen in Straf-, Sesserungs- und Wohltäfigkeitsanstalten. Der Annual Report für das Fiskal' jähr 1907/08 enthält genaue Angaben über die Anzahl der eingewanderten Juden, welche sich in Straf- Besserungs- und Wohltätigkeits-Anstalten befinden, mit Unterscheidung nach Geschlecht, Alter, Ursache der Internierung und wahrscheinlicher Dauer derselben. Gesamtzahl Juden insgesamt Geschlecht; Alter männl. 1 weibl jj 1—9 10—20121—4445Jahr. Jahre; Jahre Gesamtzahl1 Juden 60501 39763 207381216 4715 ' 2761 1954 461 Ursache 16321 1300 Jahre ju.dar. 29171:23793 2192 762 Wahrsch.D.d.Aufh. Verbrechen!Geist'Armut!iullt 2 2Jahr.; leb.« schw. jleichtJkrank. rmu; Jahre ju. dar.: längl. 8197 7126 25606 19572 1839610202:31903 409; 396 1468! 2442 1691 1137; 1887