Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten im Jahre 1907/1908
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
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— 55 — beitskräften passen sich dem jeweiligen Stande j der Wirtschaftslage an. Darum in den verj gangenen Jahren seit 1904 ein gewaltiges An" \ schwellen der Zuwanderung als Folge der ■ Hochkonjunktur, darum in diesem Jahre ein; rapides Fallen. Die Krise auf dem amerika-! nischen Geldmarkt führte zu einer Depression \ auf dem ganzen Gebiete des amerikanischen; Wirtschaftslebens und infolgedessen zu einem j Nachlassen in der Nachfrage nach Arbeitsi kräften. Auch die Zuwanderung von Juden! ist natürlich beträchtlich geringer geworden j — doch war bereits im vergangenen Jahre ein! Sinken der Hochflut zu bemerken. Es sind; 50361, d.h. um 32,7% weniger als 1007gelan- '. det. Wir sehen also, daß bei den Juden der; Verlust nicht so bedeutend war als bei der; gesamten Einwanderungsbevölkerung. Diese Tatsache beweist, daß die Kräfte, welche den; Juden zur Auswanderung veranlassen, weit i stärker sind als bei den übrigen Nationen und \ daß infolgedessen die wirtschaftliche Depresj sion in Amerika nicht imstande w^ar, hemmend j genug einzuwirken. I Tabelle An Zahl werden die Juden nur von den Italienern übertroffen, von denen zirka 135000 einwanderten. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, daß die Italiener ein fluktuierendes Element unter der Einwanderungsbevölkerung bilden, indem nur ein geringer Teil von ihnen ständig in Amerika bleibt, während weitaus die Meisten mit erspartem Gelde in die Heimat zurückkehren. Die Juden dagegen bleiben dort, und nur ein kleiner Teil wandert, gezwungen durch den Mangel an Arbeitsgelegenheit, in die Heimat zurück. Unter der gesamten EinwancierungsbevÖlkerung machten die Juden im Jahre 1007 11,6 %, im Jahre 1908 16,6 % aus. Dieses Steigen des Prozentsatzes bestätigt unsere oben, erwähnte Behauptung, daß die treibenden Kräfte für die Juden die hemmenden weit überwogen. Betrachten wir nun näher die Struktur der Einwanderungsbevölkerung. Die Verteilung nach dem Geschlecht (Tab. II) zeigt uns, daß nahezu doppelt so viel Männer als Frauen eingewandert sind. Wenn auch die Tatsache feststeht, daß unter den Einwanderern das mann- II. Gesamtzahl Auf 1000Mjuder. Auf 1000m- Italiener Fiskaljahr männlich i weiblich trafen Fr. männlich j weiblich ). trafen w. männiich; weiblich 1906/07 1907/08 929976! 355373 506912; 275958 382 544 80530 i 6S052 5G277 | 47110 852 837 91093; 44154 liehe Geschlecht vorwiegt, so ist das ungewöhnliche Mißverhältnis zwischen den Geschlechtern in den beiden letzten Jahren eine Folge der wirtschaftlichen Krise. Gerade jetzt, wo die Lebensbedingungen ungemein erschwert sind, sind Frauen wreniger geeignet, den harten Existenzkampf aufzunehmen. Es trafen im ganzen auf 1000 Personen männlichen Geschlechts 544 weiblichen Geschlechts, bei den Juden war das Verhältnis wie 1000: 837, also weit günstiger. Der Verlust trifft in dem Berichtsjahr die Männer, während im vergangenen Jahre das prozentuale Nachlassen infolge der schwächeren Zuwanderung des weiblichen Geschlechts geschah. Es erklärt sich dies aus dem Umstände, daß wir es bei den Juden zumeist mit einer Familienwanderung zu tun haben. Mann, Frau und Kinder verlassen die Heimat, ähnlich wie in den Zeiten der Völkerwanderung'. Noch klarer tritt diese Erscheinimg im Altersaufbau zutage. (Tab. III). Hier haben wir den Tabelle III. Altersklasse Gesamtz. luden Ita~;i Ge-; Hener . samtz.! unter 14 112148; 26013 : 21240^ 14,30 j 25,10 15,70 14-45 630671! 71388:105071'80,50! (39,00 77,60 über 45 40051| 5986 j 8936»; 5,20 j 5,90 6,70 spezifischen Altersaufbau der Einwanderungsbevölkerung: schwache Besetzung der jüngsten Altersklassen (1—14), gewaltige Ausbauchung bei den produktiven Klassen (14—44) und Konvergierung in den höheren Altersklassen. So ausgeprägt wie in diesem Jahre ist der Altersaufbau selten zu finden. 80,50% machen die produktiven Altersklassen aus. Es ist der zwiebelartige Altersaufbau in seiner reinsten