Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Die Kriminalität der Juden in Deutschland während der Jahre 1903 - 1906
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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— 50 — so kurzen Spanne Zeit Normen und Regel- \ mäßigkeiten herzuleiten. Immerhin bietet die '- Durchschnittsziffer einer vierjährigen Periode j eine gewisse Gewähr dafür, daß nicht reine; Zufallsergebnisse als typisch hingestellt und j verallgemeinert werden. : Nachdem Ruppin sich im 1. Jahrgange, : Heft 1, Seite 6 ff. dieser Zeitschrift mit den j um das Volkszählungsdatum vom 1. Dezember I 1900 herumliegenden vier Jahren beschäftigt I hat, wollen wir im Anschluß an jene Unter- I suchung die um die Volkszählung vom 1. De-! zember 1905 herumliegenden Jahre 1903—1906 i betrachten, für welch letzteres Jahr kürzlich; die Kriminalstatistik veröffentlicht worden ist.; Zwecks leichter Vergleichbarkeit ist für die nachfolgende Tabelle das gleiche Schema! angewandt, wie es seiner Zeit von Ruppin; benutzt worden ist, und es sind auch die \ Durchschnittsergebnisse der Jahre 1899—1902 j neben diejenigen der Jahre 1903—1906gestellt. — | Im Durchschnitt der Jahre 1903—1900 wur- \ den durchschnittlich jährlich 512 628 Christen und 5047 Juden verurteilt, und es entfallen auf je 100000 Christen 854,1 und auf je 100000 Juden 830,2 Verurteilte. Vergleicht man diese Zahlen mit den für die Periode 1899—1902 gewonnenen Durchschnittsziffern, so ergibt sich, daß die verhältnismäßige Verurteiltenziffer bei den Christen fast gleich geblieben — sie ist von 860 auf 854,1 gefallen —, bei den Juden aber von 788,7 auf 830,2 gestiegen ist. Bei einer Spezialisierung der einzelnen Verbrechensarten läßt sich feststellen, ob die Kriminalität der Juden eine allgemeine Steigerung erfahren hat, oder ob die Erhöhung der Gesamt-Kriminalitätsziffer etwa auf die Vermehrung der Verurteilungen wegen einzelner bestimmter Delikte zurückzuführen ist. Bei der Unterscheidung aller strafbaren Handlungen nach 4 Hauptdeliktsgruppen entfallen auf je 100000 Juden in Gruppe I (Verbrechen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion) in der ersten Periode: 221,7 Verj urteilungen, j in der zweiten Periode: 273,6 Ver. urteilungen, Gruppe II (Verbrechen und Vergehen gegen die Person) in der ersten Periode: 265,5 Verurteilungen, in der zweiten Periode: 251,2 Verurteilungen, Gruppe III (Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen) in der ersten Periode: 299,1 Verurteilungen, in der zweiten Periode: 304,0 Verurteilungen, Gruppe IV (Verbrechen und Vergeh en im Amte) in der ersten Periode: 2,4 Verurteilungen, in der zweiten Periode: 1,9 Verurteilungen. Die Bestrafungen in Gruppe II und IV sind also seltener geworden; in Gruppe III ist die Zunahme ganz unbedeutend, und nur Gruppe I weist eine nennenswerte Steigerung der Kriminalität auf. Aus der Tabelle ergibt sich weiter, daß bei den zur Gruppe I gehörigen Delikten eine Vermehrung nur stattgefunden hat bei den Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz über die Sonntagsruhe und den Ladenschluß, bei den Zuwiderhandlungengegen die Gewerbeordnung und bei den „anderen" Verbrechen und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung (gegen das Preßgesetz, das Gesetz betr. die Inhaberpapiere, gegen das Krankenversicherungsgesetz usw.); bei den übrigen strafbaren Handlungen ist die Zahl für die Juden entweder gleich geblieben oder geringer geworden. Die Zunahme der Kriminalität der Juden ist also auf eine Steigerung der Verurteilungen wegen der genannten drei Deliktskategorien zurückzuführen, und dies sind durchweg Handlungen, welche, abgesehen davon, daß sie fast durchweg nur mit geringfügigen Strafen geahndet werden, aus der Berufsgliederung der Juden zu erklären sind. Die Verurteilungen von Juden wegen jener Handelsdelikte machen mehr als den vierten