Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Wilna in den Jahren 1896 - 1907
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 5)
- Language
- German
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— 27 — als bei den Christen. Dabei pflegen solche Eheschließ ungen gewöhnlich zwischenPersonen des gleichen Familienstandes abgeschlossen zu werden. Eheschließungen zwischen ledigen Männern und einmal verheiratet gewesenen Frauen kommen bei den Juden nur selten vor. Sterblichkeit. Hand in Hand mit dem niedrigen Geburten- Koeffizient geht auch eine niedrigere Sterblichkeit unter den Juden Wilnas im Vergleich mit ihren christlichen Mitbürgern. Konfess. Einwohnerzahl nach der Volkszählung 1897 Todesfälle im Jahresdurch.- schn. 1896 -189S auf je 1000 Einwohner M. Fr. | zus. M.! Fr.; zus M. Fr. izus. Röm.-Kath. Griech.-Kat. Juden 25854 31110 56964 20015: S675:28690 30534 33307 63841 9379551892 2551199 454 810 717 1527 36,2 30,7 33 2 12,7 22,9 15,8 26,5 21,5 23,9 Die Sterblichkeit ist somit bei den Wilnaer Juden bedeutend niedriger als bei den Römiseh- Katholischen und bei den jüdischen Frauen sogar niedriger als bei den griechischkatholischen Frauen. Was übrigens den niedrigen Sterblichkeitskoeffizienten bei den griechisch-katholischen Männern anbelangt, so hat er für Wilna seine spezielle Ursache darin, daß die griechisch-katholische Bevölkerung dieser Stadt fast ausschließlich aus der Garnison und den Staatsbeamten, also aus Elementen im Alter von 20 bis 30 Jahren besteht, die auch sonst eine niedrige Sterblichkeit aufzuweisen pflegen. Ein Bild von der Sterblichkeit nach den Altersgruppen ergibt folgende Tabelle für die Jahre 1897 bis 1907. bei Juden Röm.-Kathol. Griech-Kath. Alter absolute 0/ absolute j 0 , absolute; 0 ■ Zahl /0 Zahl 0 Zahl i ° Bis 5 Jahren 8200 47,8 9757;43,6 3939 61,3 5-10 „ 640 3,7 978! 4,4 253 3,9 10-20 „ 697 j 4,1 963 | 4,3 283 4,4 20-40 „ 1550 | 9,0 3031 13,6 742 11 5 40-60 „ 1795 10,5 3267 14,6 619 9,7 60-80 „ 3509 120,5 3383 15,2 480; 7,4 Ueb.80 „ 760 | 4,4 951! 4,3 115 1,8 Insgesamt 17151 ilOO 22330 100 6431 100 Aus dieser Tabelle ergibt sich, daß die Sterblichkeit der jüngsten und der ältesten Gruppen bei den Juden höher ist als bei den Christen.1) Das ergibt sich besonders aus nachfolgender ZusammenStellung. Auf je 1000 Angehörige einer gewissen Altersgruppe starben im Jahre 1897 : Alter bei den Juden bei den Röm.-Kathoi, bei den Grien. Kathol. Bis 1 Jahr 288,0 280,4 325,4 1-9 Jahre 25.6 41.3 19,3 10—19 „ 3,1 9.5 3,3 20-49 „ 6,8 20,8 31 50 80 „ 46,7 27,8 24.9 üeber bO „ 277,5 77,7 1081 Die Sterblichkeit de r mittleren Altersgruppen ist somit bei den Juden niedriger als bei den Römisch-Katholischen und etwas höher als bei den Griechisch-Katholischen. Von 50 Jahren ab ist sie bei den Juden höher als bei den anderen beiden Konfessionen. Kindersterblichkeit. Alle Bevölkerungstheoretiker in Rußland pflegen es als eine gegebene Tatsache zu wiederholen, daß die Kindersterblichkeit bei den Juden niedriger sei als bei den anderen Völkerschaften Rußlands. Es ist schwer zu sagen, inwiefern diese Behauptung der Wirklichkeit entspricht, und ob nicht die angeblich niedrige Kindersterblichkeit auf die mangelhafte Registratur der Sterbefälle besonders in den kleinen Ortschaften zurückzuführen ist. ledenfalls, was Wilna anbelangt, tritt eine ganz andere Erscheinung zutage. Wir haben bereits oben gesehen, daß der Prozentsatz der Kinder unter der Gesamtsterblichkeit bei den Juden ein höherer ist als bei den Katholiken. Wir wollen nun bei dieser Frage etwas länger verweilen. 1 Die außerordentlich hohe Sterblichkeit bei der griechisch-Katholischen Altersgruppe 1 bis 5 Jahre hat ihre spezielle Ursache darin, daß aüe unehelichen Findlinge, unter denen bekanntlich eine große Sterblichkeit zu verzeichnen ist, in Kußland zu der herrschenden griech;sch'katholischen Religion zugezählt werden.