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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. Seite 7

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Die Kriminalität der Juden in Rußland
Date
1909-01-01
Page
Seite 7 (sequence 2)
Language
German
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sie ist über das ganze Land verbreitet. 11 Die relativ grösste Zunahme fand statt in Gegenden mit politischen Agitationsherden, in Kaukasien, Litauen Wilna). Am meisten wurde der westliehe Teil Rußlands durch die Ideen der Kevolution aufgerüttelt. Man kann Kußland durch eine Linie, die rechts von Petersburg über YVitebsk, Kiew zur Mündung des Dniepr läuft, in zwei Teile teilen, von denen der kleinere linke Teil revolutionär, der größere östliche Teil konservativ, zu politischen Verbrechen weniger geneigt ist. Allerdings liegen auch im östlichen Teil einige Revolutionszentren wie z. B. Moskau. NischnLNow'gorod. doch haben sie weniger Einfluß auf die Landbevölkerung; anders aber die Zentren von Litauen, Polen, Klein-Pußland. Die Zunahme der Revolutionsbewegung im Westen beruhte hauptsächlich auf dem 1 Anmerkung': In einem mir im Manuskript vom Verfasser freundlichst zur Verfügung" gestellten Aufsatz von Dr. Arnold Wadler: „Die politischen Verbrecher in Rußland* finden sich folgende bemerkenswerte Ausführungen zu diesem Punkte: Die hervorragende Rolle, welche die Juden innerhalb der politischen Kriminalität Rußlands spielen, ist eine Erscheinung, die von den verschiedensten Seiten schon hervorgehoben und mit völlig widersprechenden Kommentaren versehen wurde. Versucht man die Tatsache durch eine tatsächliche, hauptsächlich auf den statistischen Ergebnissen fußende Untersuchung zu ergründen, dann kann man unschwer eine ganz natürliche, zwanglose Erklärung gewinnen. Das Moment der Bildung, des kulturellen Fortschritts ist für die Geneigtheit zur Begehung politischer Delikte von wesentlicher Bedeutung (cües wird in diesem Auf satz des Näheren nachgewiesen). Daß nicht etwa das starke Hervortreten der Juden unter den revolutionären Delinquenten die Ursache dieses Faktums ist, geht nicht bloß aus der Betrachtung der Ergebnisse der SOer Jahre hervor (als auf die Juden nur 13,4 °/0 der Angeklagten entfielen), sondern unzweifelhaft aus den Verhältnissen zu Beginn des XJX. Jahrhunderts. Damals gab es unter den wegen Majestätsverbrechen (Anschlag gegen den Zaren, Hochverrat und Aufruhr; Verbannten fast gar keine Juden und damals schon überwogen in dieser Deliktskategorie die „intelligenten" Täter. Unter den verschiedenen Völkern und Religionsgemeinschaften des russischen Reiches gehören nun die Juden weitaus zu den bestgeschulten. Sie liefern namentlich einen außerordentlich starken Prozentsatz von Studierenden, also gerade jenes Elements, welches an den Staatsverbrechen durchgehend eine sehr hohe Beteiligung aufweist. Und aus dem gleichen Umstand erklärt sich auch die Tatsache, daß unter den russischen Frauen gerade den Jüdinnen die Vorkämpferrolle in der dort stetig zunehmenden jüdischen Element. Hauptstätten der politischen Verbrechen sind natürlich die Städte.1) Hier entfallen auf 100000 Einwohner 120 wegen politischer Verbrechen Angeklagte, auf dein Lande bloß 8. in den 8 russischen Städten mit einer Einwohnerzahl von über 200 000 entfallen auf 1000 Menschen wegen politischer Verbrechen Angeklagte : m Kiew........ 520 Odessa ....... 284 Warschau...... l.v> r Lodz.........120 Riga........ 115 r Charkow...... 112 .. Petersburg...... 07 Moskau....... :>4 Die ersten 4 Städte sind zugleich diejenigen mit der größten Anzahl seßhafter politischen Bewegung zukommt; denn diese stellen auch einen sehr beträchtlichen Prozentsatz zu den weiblichen Studierenden. In engem Zusammenhang mit diesem Moment stehen die Umstände der wirtschaftlichen Entwicklung und der Siedelung. Die industriealisierung eines Gebietes und das Vorhandensein großer Städte mit einer zahlreichen Bevölkerung, welche sich die allernotwendigsten Grundlagen moderner Schulbildung angeeignet hat und welche daher nicht nur Interesse an politischen Vorgangen gewinnt, sondern zugleich dadurch erst die Möglichkeit, ihnen mit größerem Verständnis zu folgen, sie zu würdigen, Stellung zu ihnen zu nehmen, wirken auf die VerÜbung von Staatsverbrechen zweifellos ein. Der russische Bauer, der weder lesen noch schreiben kann, die alte Leibeigenschaft noch immer nicht ganz überwunden hat, sich noch großenteils als Höriger fühlt und vielfach ganz in die Hand der Beamten gegeben ist, vermag sich natürlich nicht gegen ein System aufzulehnen, dessen Vorhandensein er kaum erfassen kann. Bei ihm wird es sich höchstens um Angriffe gegen die Person einzelner handeln, in denen er seine Feinde und Unterdrücker erblickt und das Verbrechen des Widerstandes und der Beamtenbeleidigung ist denn auch in bäuerlichen Kreisen Rußlands nichts Seltenes. Zu einem organisierten Kampf gegen die Regierung kommt es jedoch nur bei der städtischen und industriellen Bevölkerung in Südrußland und Polen, in diesen Gegenden ist die politische Straffäiligkeit der Bevölkerung sehr hoch und da die Juden einen sehr bedeutenden Prozentsatz der Einwohner dort bilden, erscheinen sie auch an den Staatsverbrechen stärker beteiligt. Legt man daher beim Vergleich der verschiedenen konfessionellen und nationalen Gruppen lediglich die städtische Bevölkerung (wie das technisch allein richtig ist) zugrunde, dann erscheinen die Gegensätze keineswegs so scharf wie bei der Gegenübersteilung der allgemeinen Seeienzahh

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