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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-01-01 · Heft 12 · p. Seite 190

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 12
Article
Frequenz der österreichischen Gefängnisse
Date
1907-01-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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— 190 — Strafanstalten eingelieferten Gefangenen waren (Oesterr. Statist. 1907, Bd" 78, H. 4, S. 4.V 1903 1904 Männer Frauen Sa. Männer Frauen ^a. röm.-kath. 87,4 % 90,7% 87,7<>/0 83,7% 91,2% 81,5%, griech.-kath. 5.3 „ 4,8 „ 5,3 „ 8,0 „ 6,4 „ 7,9 „ grch.-orient 1,4 „ 1,6 „ 1.4 r 3.0 1,4 „ 2.8 „ evangelisch. 1,8 „ 1,8 „ 1,8 „ 1,9 „ 0,6 „ 1,7 „ /relat. 3,8 „ 1,1 „ ' 3,5 „ 3,2 „ 0,2 „ 2.9 n Juden \absol. 174 6 180 138 140 im ganzen 4541 558 4255 497 Unter der Gefangenen-Bevölkerung ist also die Zahl der Juden viel geringer als n der allgemeinen Bevölkerung (4,68 %). Hoppe. - Kriminalität der Juden in;; Rmsterdam. I Hmsterdam. In den 4 Jahren :;.--==; 1901/1904 sind von dem Bezirksgericht (Arrondisscmentsreehtbank) in Amsterdam wegen eines in Amsterdam begangeneu Verbrechens oder Vergehens verurteilt: Personen darunter Juden überhaupt absolut prozentual 1901 943 73 7,73 1902 1129 87 7.71 1903 946 60 6,34 1904 961__73_7,59 1901/1904 3979 293 7,30 Diese Zahlen weisen, da der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Amsterdams im Jahre 1899 11,56% betrug, daraufhin, daß die Juden, obwohl sie in der Mehrheit der Arbeiterbevölkerang angehören, eine viel niedrige allgemeine Kriminalüätsziiier halten als die übrige Bevölkerung. Interessant ist, wegen welcher 1 lauptdelikte bei Christen und Juden die Bestrafung erfolgt ist. Es wurden bestraft in den 4 Jahren 1901 bis 1904 in absolut. Zahl, in % all. bestraft. die Staatsgewalt 504 28 12,7 9,6 Urkundenfälschung 67 1 1,7 0,3 Sittlichkeitsdelikte 122 12 3,1 4,1 Beleidigung 301 52 7,4 17,/ Körperverletzung 607 55 15,2 18.7 Diebstahl u. Raub 1163 70 29,2 23>) Unterschlagung 214 16 5,4 5,5 Betrug 74 5 l|9 1,7 Sachbeschädigung 97 2 2,4 0,< Hehlerei 67 15 1,7 5,1 Sonstige Delikte 763 37 19,3 12,7 3979 293 100,0 100,0 Daß hiernach bei den Bestrafungen von Juden in Amsterdam Widerstand gegen die Staatsgewalt, Diebstahl und Raub, Sachbeschädigung eine geringere, Sittlichkeitsdelikte, Beleidigung und Hehlerei eine größere Rolle spielen, stimmt mit den Ergebnissen der Kriminalstatistik in anderen Staaten überein. Eine besondere Eigentümlichkeit der Amsterdamer Kriminalstatistik ist dagegen der hohe Anteil der Körpervei" letzung unter den Delikten der Juden (18,7% gegenüber 15,2% bei den Christen) und der niedrige Anteil des Betruges (1,7% gegenüber 1,9% bei den Christen;, in der Kriminalstatistik anderer Länder z. B., Deutschlands und Oesterreichs ist gerade das umgekehrte der Fall: die Juden sind viel stärker am Betrug und viel weniger an Körperverletzungen beteiligt. Es ist wohl zweifellos, daß diese Verschiedenheit darin begründet ist, daß es sich hier nicht um ein ganzes Land, sondern um eine Großstadt handelt und daß in Amsterdam die Juden nicht wie in Deutschland und Oesterreich Angehörige der freien Berufe, selbstständige Kaufleute und Industrielle, sondern hauptsächlich Arbeiter in der Diamantindustrie sind. Als solche haben sie nicht den Anreiz zum Betrüge, wie ihn der Handel mit sich bringt. Auf der anderen Seite sind sie aber als Fabrikarbeiter ungebildeter, vielleicht auch mehr dem Alkohol ergeben als die Juden in Oesterreich und Deutschland, und damit fällt für sie die Schranke weg, weiche den Judeu in Deutschland und Oesterreich von Körperverletzungen zurückhält. Jedenfalls ist die Amsterdamer Kriminalstatistik ein n^uer Beweis für den engen Zusammenhang von Beruf und Verbrechen. (Statistisch Jaarboek der Gemente Amsterdam, Se Jaargang 1903 en 1904.) Palästina. Volkszählung in Jerufalem. Auf Veranlassung des Bureaus für Sta- »i .=========:i tistik der Juden ist vor kurzer Zeit in Jerusalem der Versuch gemacht worden, die Juden in der Stadt zu zählen und ihr Geschlecht, Alter, Muttersprache, Staatszugehörigkeit, Familienstand und Beruf festzustellen. Mit welchen Schwierigkeiten dieser erste Versuch zu kämpfen hatte, geht aus dem folgenden Briefe des dortigen Zählungsleiters an das Bureau für Statistik der Juden hervor: „Alsbald nach meiner Rückkehr nach Jerusalem habe ich die Zählung mit 24 Hauptzählern, von denen ein großer Teil durch Gehilfen unterstützt werden sollte, angefangen. Die Schwierigkeiten übertrafen jede Erwartung, die Arbeit wurde aber dessen ungeachtet fortgesetzt. Am dritten Tage ereignete sich etwas, das unser ganzes Unternehmen zu vereiteln drohte : man hatte einige Zähler in der Stadt, welche an einer Agitation gegen den Chacham Bäschi teilgenommen haben sollen, während des Zählens verhaftet, und so hieß es gleich in der ganzen Stadt, man hätte sie wegen der Statistik eingesperrt. Die dadurch entstandene Verwirrung war so groß, daß es mir unmöglich war, die Arbeit sogleich wieder aufzunehmen. Es gelang mir jedoch nach einigen Tagen den größeren Teil der Zähler wieder für die Sache zu gewinnen. Nach einiger Zeit aber geschah das Allerschlimmste: Ein Beamter der Regierung teilte mir durch eine Vertrauensperson mit, daß das Zählen für einen türkischen Untertanen mit sehr großer Gefahr verbunden sei, es dürfe in der Türkei niemand außer dem Suiten eine Statistik zu machen erlauben. Ich habe darauf alle türkischen Untertanen vom Zählen entbunden und zählte allein mit drei Zählern (zwei Russen und einem Engländer) weiter. Nachdem weiterhin auch die Russen zurückgetreten sind, da sie der anstrengenden Arbeit auf die Dauer nicht gewachsen waren, arbeite ich allein mit dem erwähnten Engländer weiter. Das Resultat der bisherigen Arbeit

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