Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Aus dem Verwaltungs-Bericht des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
- Language
- German
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— 187 — Statistisches Archiv. --Hus dem VeriDalfungs-Beri du des Berlin. Vorstandes der jüdischen Gemeinde ---zu Berlin für die Zeit vom L/4. 1904 bis 31./3. 1007 (Berlin 1907). Die Zahl der besteuerten Gemeindemitglieder ist hauptsächlich durch die im Jahre 1906 erfolgte Einverleibung von Nachbarorten in den Berliner Svnagosrenbezirk von 26471 am 1. April! 1904 auf 30206" am 31. März 1907, der Ertrag der Kultussteucr von 1372208 M. im Etatsjahr 1903/04 auf 1967787 31. im Etatsjahr 1906/07 gestiegen. Die gesamten Gemeinde-Einnahmen betrugen im Etatsjahr 1906/07 6274653 M., denen Ausgaben im Betrage von 6089662 M. gegenüberstehen. Davon sind für Zinsen und Amortisation........ 318857 M. Gehälter und Pensionen........ 342356 „ „ Gottesdienst............... 298695 „ „ Schulen.................. 255767 „ „ Armenanstalten, Wais-nu. Krankenhäusern ................ 357704 „ ausgegeben worden. Während der Zeit vom 1. April 1904 bis 31. üUärz 1907 sind auf Grund des Gesetzes vom 14. Mai 1873 im ganzen 417 Personen durch Erklärung vor Gericht aus dem J udentu m ausgeschieden; aus religiösen Bedenken aus der Gemeinde ausgetreten sind 42 Personen. An den hohen Feiertagen wurde, da die vorhandenen 6 Synagogen nicht ausreichten, außerhalb der Synagogen Gottesdienst abgehalten: M. 1904 in 11 Lokal, m. 10947 Platz.; Kostenaufwand 81491 1905 „ 12 „ „ 11697 „ „ 95358 1906 „14 „ „ 13358 „ „ 106602 '! —=;: Canglebigkeif bei den Juden in :! Preußen. Preußen. Nach der Preuß. Statist.;''=-■====■■ Korrespondenz 1907, S. 65 wurden in Preußen im Jahre 1905 9 Männer und 43 Frauen gezählt, die über 100 Jahr alt waren. Unter den langlebigen Männern waren 3=33% Juden, unter den Frauen 1=23 %, während die Juden nur 1 % der Bevölkerung bilden. Die starke Differenz zu Gunsten der Juden besonders bei den Männern dürfte, wenn man aus den kleinen Zahlen Schlüsse ziehen darf, auf die geringere Verbreitung des Alkoholismus unter den Juden zurückzuführen sein, während beiden Frauen der Alkoholisnras überhaupt viel seltener vorkommt, so daß ein so großer Unterschied zu Gunsten der Jüdinnen nicht statthaben kann. Hoppe. Die Chescheidungsbeujegung in Preußen, j; preufjen in den Jahren 1895—1905 : u wird von Professor Kühnere in der Zeitschrift des Königl. Preuß. Statist. Landesamts 1907, II. Abteilung, zum Gegenstand einer ausführlichen Untersuchung gemacht, in der auch das Religionsbekenntnis der Geschiedenen — allerdings nur für das Jahr 1905 berücksichtigt wird. ('vgl. die Angaben S. 110 des laufenden Jahrgangs dieser Zeitschrift.) Es wurden danach im Jahre 1905 geschieden 4800 rein evangelische. 863 rein katholische, 4 sonst christliche, 106 rein jüdische Ehen, 3 Ehen unbekannter Konfession und 1080 Mischehen (davon 16 mit einem jüdischen Ehegatten). Es waren von je 100 Geschiedenen in den Städten auf d. Lande überhpt. evangelisch 76.6 81,9 39,2 katholisch 20,9 17,6 9,8 jüdisch 2,2 0,4 1,8 und es entfielen auf je 1000 Eheschließende gleicher Konfession (im Jahre 1905) Geschiedene in den Städten auf cl. Lande überhpt. evangelisch 40,9 13.4 27,6 katholisch 24,1 4,8 13,4 jüdisch 47.0 14,7 42,4 Die Juden haben hiernach sowohl in Stadt wie in Land die meisten Geschiedenen aufzuweisen. Freilich gibt diese Statistik, welche die Geschiedenen zu den Eheschließenden desselben Jahres in Beziehung setzt, nur ein annähernd richtiges Resultat. Genaue Ergebnisse würden nur erreichbar sein, wenn man innerhalb einer jeden Religionsgruppe die Geschiedenen den Unverheirateten gegenüberstellen könnte: das ist aber nicht möglich, weil bei der Bearbeitung der Volkszählungsergebnisse von 1905 eine Unterscheidung der Verheirateten nach der Konfession nicht stattgefunden hat. Von den 106 Scheidungen rein jüdischer Ehepaare entfielen 55 allein auf Berlin, 9 auf die Provinz Brandenburg (mit den Berliner Vororten.) r ~~Selbstmorde unter den Juden in Baden. / Baden. Im Durchschnit des Jahr-; ■■=======■' zehnts 1895—1904 starben durch Selbstmord in Baden, wo die Juden im Jahre 1900 1,40% der Gesamtbevölkerung ausmachten, jährlich 308 Männer und 64 Frauen 372 Personen, davon waren evangelisch..........176=47,3% katholisch...........178=47,9 „ sonstige Christen...... 3= 0,8 „ Juden............. 6= 1,6 „ unbekannter Religion .... 9= 2,4 Im Jahre 1904 waren von den 401 Selbstmördern 191=47,(5 % evangelisch, 189=47,1 % katholisch, 2=0,5 % sonstige Christen und 10=2,5 % Juden. Hoppe. I \ ==.; Als Nachtrag zu der Berufszählung Baden. ÜOIl 1395 \n Baden läßt sich aus!; --~ dem erst jetzt erschienenen 55. Heft der „Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Baden" eine Tatsache entnehmen, die für die übrigen deutschen Staaten aus dem Material der Berufszählung von 1895 nicht ermittelt worden ist. Sie betrifft das Alter der sogenannten „Angehörigen" bei Christen und Juden, d. h. derjenigen Personen (meist Frauen und Kinder), die nicht selbst einen Beruf haben, sondern als Angehörige eines Berufstätigen von dessen Erwerbe leben.