Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Modernes Judentum im Morgen- und Abendlande [Rezension]
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
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— 176 — den Buche angeregt. Er vergleicht den Gottesdienst der morgenländisehen mit dem der abendländischen Juden und findet den letzte;en in jeder Weise unbefriedigend. Der Reformtempel sei nicht eine Stätte der Andacht, sondern der reformierte Jude besuche ihn des Chorgesanges, d.h. eines Kunstgenusses wegen. Auch bei dem sogenannten orthodoxen Juden in West- und Mittel-Europa vermisst der Verfasser den religiösen Emst des morgenländischer: Juden; er prahle gern mit seinem Orthodosismus, den er als eine Art Sport betreibe und zur Schau trage. Der Verfasser wendet sich dann weiter gegen die Teilnahme frommer Juden und Jüdinnen an Tanzlustbarkeiten und insbesondere gegen die grosse Bedeutung, die der Totenkultus (iüaskir und Kaddisch) im abendländischen Gottesdienst erlangt habe. Er gibt zu diesem Zwecke eine lange historische Abhandlung über die Entstehung des Kaddisch und Maskir, die viele Zitate aus Schriften berühmter Rabbiner enthält und den grössten Teil des Buches einnimmt. Als Anhang ist der Schrift ein Kapitel: „Ein Mohamedaner aus Bagdad über Europa und die Euro* päer" beigegeben, das in seichter und tendenziöser Weise die Araber über die Europäer zu erheben sucht. Die Schrift als ganzes dürfte dem jüdischen Theologen von Nutzen und Interesse sein. A. R. Palästinensische Kulturbilder, Beiträge zur Palästinakunde von R. Eckardt, E. Zickermann, Dr. F. Fenner, Mitglieder des deutschen Archäologischen Instituts in Jerusalem, mit 64 Abbildungen und 2 Stadtplänen. Leipzig 1907, Georg Wigand, 8., X und 260 Seiten. Preis 5.50 (geb. 7) Mk. Das vorliegende Buch ist nach einem Verhältnisj massig kurzen Aufenthalt in Palästina zustande gej kommen. Unisoni ehr muss man anerkennen, dass die j Verfasser ein im ganzen recht treffendes Bild von den j Landesverhältnissen entwerfen. Speziell die beiden! Kapitel „Volk und Regierung" und „Kämpfende Mächte" | beweisen einen kritischen Scharfblick des Beobachters j und eine Objektivität, wie sie im Interesse der For- 1 schung selbst von denen anerkannt werden muss, die aus verschiedenen Gründen manchen Standpunkt der Verfasser nicht teilen. Im Schlusskapitel befasst sich Eckardt auch mit dem Zionismus und spricht gelegentlich über einzelne Kolonien. Interessant ist dabei sein Urteil über Es'Sadschara: „Die Gebäude waren im besten Zustande, die Felder sauber gehalten und sorgfältig bestellt, und die Kolonisten hätte man für deutsche Bauern ansehen können, hätte nicht das Gesicht sie als osteuropäische Juden bekundet." Das Werk darf im ganzen als anregend und im teressant geschrieben bezeichnet werden. München. Arnold Wadier. Ch. Müntz. Mr Juden. Berlin 1907. Oesterheld $ Co. 124 S. Ein merkwürdiges Buch. Wir bezweifeln, daß es viele Leser geben wird, die Geschmack an ihm finden. Es ist nicht jedermanns Sache, 124 Seiten Aphorismen zu lesen, und der Stil Nietzsche's, durch so viel unberufene Nachahmer diskreditiert, ist nicht geeignet, das Vertrauen zu dem Inhalt des Buches zu erhöhen. Dennoch wäre es unrecht, über das Buch den Stab zu brechen. Es ist das Werk eines geistvollen Mannes, der über die Probleme nachgedacht und zu ihnen eine persönliche Stellung genommen hat. Freilich ist diese Stellung nichts weniger als in sich klar. Der Verfasser erhofft ein neues Judentum, aber was er von diesem sagt, zeigt durch' aus verschwommene Umrisse und läßt einem jedem freie Hand, sich darunter das zu denken, was ihm gut scheint. Häufig wird das Vergnügen des Lesers an geistreichen Bemerkungen gestört durch das Suchen des Ver^ fassers nach Paradoxen, und wiederholt finden sich Abschweifungen, die mit dem Thema garnichts zu tun haben. Charakteristisch für das Buch ist neben der aphoristischen Form seine Stoffarmut. Es wäre dem Verfasser sehr zu gute gekommen, wenn er die reichhaltige Literatur über die Juden als Rasse und soziale Gemeinschaft studiert hätte. Er hätte dann in vielen Fällen den Problemen im einzelnen nachgehen können, während er jetzt den Einzelfragen vorsichtig aus dem Wege geht. A. R. Mitteilungen. Im Anfang des Jahres 1908 wird in Odessa eine Vierteljahresschrift „DieJüdischeMediziuische Stimme" in russischer Sprache unter der Redaktion der Aerzte Dr. Adessmann, Dr. Heschelin, Dr.Marjaschess und Dr. Raimist erscheinen. Das Blatt hat zum Ziele: a) die Ursachen, Eigentümlichkeiten, den Charakter und die Verbreitung der Krankheiten in der jüdischen Bevölkerung und die Mittel zu deren Bekämpfung zu erforschen; b) die Bearbeitung der verschiedenen Fragen inbezug auf die individuelle und öffentliche Hygiene unter den jüdischen Massen; c) die Besprechung der besten Art, Juden mit ärztlicher Hilfe zu versehen. In der „Jüdischen Medizinischen Stimme" werden auch Artikel aller Zweige der Medizin Platz finden, Die Redaktion wendet sich an alle Herren Kollegen, welche sich für die Aufklärung des Sanitätswesens unter den Juden interessieren, mit her Bitte um Mitarbeit. Die Redaktion hegt die Hoffnung, dass auch die Vorsteher und Repräsentanten jüdischer Anstalten ihre Aufmerksamkeit dem jungen Blatte schenken und mit ihm ihre Erfahrungen teilen werden. Adresse der Redaktion: Russland, Odessa, Kohlewskaja 34, Dr. J. M. Raimist. Die Uebersetzung der Beiträge von allen Sprachen ins Russische wird durch, die Redaktion besorgt.