Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Die Kriminalität der Juden im Königreich Sachsen
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
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— 160 — *) Seit 1. April 1892 anschließlich der Bestimmung über die Sonntagsruhe und seit 1. Oktober 1900 anschließlich Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über den Ladenschluß. „Dieses schlimme Resultat, für die Israeliten", so heißt es, „darf man als Christ nicht mit zuviel Hochmut betrachten, mit Rücksicht darauf, daß die Juden, seitdem sie sich aus einem ackerbautreibenden Volke in ein gewerbetreibendes Volk umgewandelt haben, kaum je wieder zum Pfluge gegriffen haben, mithin in weit höherem Maße der Versuchung zur Begehung jener Delikte ausgesetzt sind/ Den Umstand, daß die Juden im Reiche besser dastehen als die Christen, will der Bearbeiter der sächsischen Kriminalstatistik damit erklären, daß in {Sachsen der Jude noch nicht wie anderwärts den Großhandel beherrscht, (V Ref.) daß er nicht zu so großem Grundbesitz (V Ref.) und so zahlreichen öffentlichen Würden (V Ref.) gelangt ist — „alles Unistäude, die dem Menschen ein höheres Selbstbewußtsein verleihen, und ihn mehr vor Konflikten mit der btrafgerichtsbarkeit bewahren." Anderseits hebt die amtliche Statistik hervor, daß von 1882—1903, kein Jude in Sachsen wegen eines Mordes, Totschlags oder Kindesmords verurteilt worden ist. Diese Ausführungen scheinen mir den Kern der Sache vollständig zu verfehlen. Daß die Juden, da sie in Sachsen zum allergrößten Teile dem Handeisstand angehören, an den spezifischen Gewerbe vergehen stärker beteiligt sind, als die übrige Bevölkerung, die in der Hauptsache der industriellen Arbeiterbevölkerung und der Landwirtschaft angehört, hat nichts überraschendes. Von einer günstigen oder ungünstigen Kriminalität der sächsischen Juden im ganzen läßt sich erst dann sprechen, wenn aus der Zahl der Vergehen alle Gewerbedelikte, welche als polizeiliche Ordnungsvorschriften mit der Moral und der verbrecherischen Neigung garnichts zu tun haben, ausgeschieden und nur die wirklichen Verbrechen und Vergehen für die Feststellung der Beteiligung von Christen und Juden herangezogen werden. Zu einer solchen Berechnung bietet die sächsische Statistik aber kein Material. Hoppe. Die Juden in den Jrrenanftalfen Oefferreiciis. Nach Oesterr. Statistik, Bd. <2, S. XVII ff), im Jahre 1901 verteilten sich die in den Irrenanstalten aufgenommenen Geisteskranken nach Konfessionen und die Konfessionen in der Bevölkerung, wie Tabelle 1 zeigt. Während die Juden also nur 4,7 % der Bevölkerung Oesterreichs bilden, nehmen sie mit 6,6 % au dem Zugange in die Irrenanstalten teil. Auch in den Vorjahren ergab sicü (wie in anderen Ländern) ein relativ häutigeres Auftreten der Geistesstörungen hei den Juden, die Zahlen betrugen 1891 5,9 %, 1892 4,9%, 1893 5,0%, 1894 0,8 % 1895 ü,0%, 1896 6,6%, 1897 6,6%, 1898 6,4 %, 1899 7,1%, 1900 6,8%. Es zeigt sich so, mit gewissen Schwankungen, ein langsames Ansteigen der Geistesstörungen bei den Juden. Die aus den Irrenanstalten im Jahre 1901 geheilt Entlassenen verteilten sich wie folgt: Männer Frauen zusammen Katholiken 1008=50,7% 780=30,2% 1788=89,8% Evangelische 29= 1,5 „ 20= 1,0 „ 49= 2,5 „ Grieeh-Orient. 18= 0,6 „ 14= 0,2 „ 27= 1,3 „ Juden Andere Männer Frauen zusammen. 57= 2,9 „ 68= 3,4 „ 125= '6,3 % zusammen 1107=55,7 „ 882=44,3 „ 1989=100 % c > -5 ° <t Cü o ~- CJS CO <M rH O £ <M rH l- CM Ttf Tf. OO L- CT rH CO O rH .2 O r-H © r=> a Eh cö > S O Während die Juden 6,6 % der Aufnahme bildeten, wurden nur 6,3% als geheilt entlassen. Bei den übrigen Konfessionen entsprechen die Heilungsprozente den Aufnahmeprozenten, wie bei den Katholiken, oder übertreffen sie, wie bei den Evangelischen undGriechiseB- Orientalischen. Die Heilungsaussichten sind also bei den Juden geringer als bei den übrigen Konfessionen, d. h. sie erkranken mehr an chronischen, unheilbaren Störungen. im Jahre 1899 betrugen die Aufnahmeprozente bei den Juden 3,6% unter den Männern, 3,5% untei den Frauen, im ganzen 4,7%, die Genesungsprozente 2,7% unter den Männern, 3,2 % unter den Frauen, im ganzen 5,0%, also wesentlich weniger als die Aufnahmeprozente. Was die Todesfälle betrifft, so waren von den 1901 in den Irrenanstalten Vertsorbenen, dem Glaubensbekenntnisse nach Männer Frauen zusammen Katholiken 1282=54,7% 891=38,0% 2173=92,7% Evangelische 29= 1,2 „ 17= 0,7 „ 46= 1,9 „ Griech.-Orient 21= 0,9 „ 4= 0,2 „ 25= 1,1 „ Juden 58= 2,5 „ 40= 1,7 „ 98= 4,2 „ Andere 2= 0,2 „ 1= 0,1 „ 3= 0,1 „ Im Jahre 1899 hatten die Juden 5,5 % aller Todesfälle gegenüber 7,7% der Aufnahmen. Hoppe.