Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1907)
- Article
- Die Berufsgliederung der Juden in Galizien
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
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— 117 — Es gehörten der nebenbezeichneten Berufsklasse an von je 100 Berufskiasse Berufstätigen Berufszugfehörißr. Juden Christen Juden Christen Landwirtschaft 86,3 17,7 84,4 14,3 Industrie 4.2 26,4 6,3 28,7 Handel u.Verkehr 1,0 29,4 1,8 34,5 Liberale Berufe 0,1 0,8 0,1 1,0 Armee u. öffentlicher Dienst 3,0 6,0 2,9 5,1 Lohndienst 3,1 11,7 2,6 9,1 Bentner, Alnios.- empfänger u. Anstaltsbevölkerung 1,8 M M 3,4 Ohne Berufsang. 0,5 3,9 0,5 3,9 Zusammen 100,02 100,0 100,0 100,0 Galizien ist vorwiegend ein Agrarland; das Gros der christlichen Bevölkerung (fast 85 Prozent) lebt von der Landwirtschaft, dagegen widmet sich mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Juden (55,8 Prozent) dem Handel, Verkehr und der Industrie, die zusammen 63,2 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung ernähren gegenüber nur 8,1 Proz. der christlichen Bevölkerung. Immerhin sind auch 17,7 Prozent aller erwerbtätigen Juden Galiziens in der Landwirtschaft beschäftigt. Wenn dies auch im Verhältnis zur nichtjüdischen Bevölkerung sehr wenig ist, so ist es doch ein in keinem andern Lande in gleicher Höhe erreichter Prozentsatz landwirtschaftlich tätiger Juden. Wenn auch einen erheblichen Teil dieser der Landwirtschaft zugezählten Juden Pächter und in landwirtschaftlichen Betrieben angestellte administrative Beamte bilden und auch im übrigen die jüdischen Landwirte von der polnischen und ruthenischen kleinbäuerlichen Bevölkerung vielfach, insbesondere durch die zum landwirtschaftlichen Erwerb hinzutretenden meist in den Handel hinübergreifenden Nebenberufe sich unterscheiden, so ist doch nicht zu verkennen, daß die auf dem flachen Lande wohnenden Juden in ganz beträchtlichem Maße Bodenkultur treiben. Die liberalen Berufe sind etwa zehnmal so stark bei den Juden vertreten als bei den Christen, auch von Renten, Almosen und in Anstalten Lebende gibt es bei ihnen 2 bis 3 mal mehr, von Lohndiensten sich ernährende verhältnismäßig etwa 3V2 mal, bei der Armee und im staatlichen oder sonstigen öffentlichen Dienst Stehende fast 2 mal mehr. Aus dem Gesamtbilde ergibt sich, wie die amtliche Publikation hervorhebt, bei den Juden im Gegensatz zur christlichen Bevölkerung eine recht weit fortgeschrittene, sozial günstige berufliche Differenzierung. Von der christlichen Bevölkerung wiederum sind dieRuthenen (Griechisch-Katholischen), von denen 94,4 Prozent der Landwirtschaft sich widmen, am wenigsten, die Protestanten, von denen 19,0 Prozent in Handel und Industrie erwerbstätig sind, am meisten differenziert. Die römischkatholischen Polen stehen etwas günstiger da als die Ruthenen, ungünstiger aber als die Protestanten. Tabelle II führt den Prozentsatz der Juden unter sämtlichen Berufstätigen und den beruflich Selbständigen in den einzelnen Berufsgruppen in West- und Ostgalizien auf. Die Juden bilden in Ostgalizien 12,8 Prozent, in Westgalizien nur 7,7 Prozent der gesamten Bevölkerung. Mehr als die Hälfte aller Erwerbtätigen bilden die Juden im Warenhandel 91,2 Prozent in Ostgalizien (81,0 Prozent in Westgalizien), in „sonstigen" Handelsunternehmungen (meist Makler und Vermittler), 85,3 Prozent in Ostgalizien, (66,3 Prozent in Westgalizien), in Erzeugung von Getränken usw. 74,8 Prozent in Ostgalizien,(61,9 Prozent in Westgalizien), ferner noch in 5 Gruppen nur in Ostgalizien im Verkehr zu Wasser 63,2 Prozent, dagegen in Westgalizien 8,1 Prozent, in der Metallindustrie (Gruppe B) 56,9 Prozent, (in Westgalizien 32,0 Prozent), in der chemischen Industrie 56,7 Prozent, (in Westgalizien 13,6 Prozent), in der Nahrungsmittelindustrie 53,8 Prozent, (in Westgalizien 39,6 Prozent), in der Leder- und Papierindustrie 52,8 Prozent, (in Westgalizien 20,0 Prozent), Ferner bildeten die Juden 20—50 Prozent aller Erwerb tätigen in Ostgalizien