Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Probleme der Anthropologie der Juden
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-3187638-3187646-3189523--1195-3189554- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 102 — Die durchschnittliche Körpergröße der jüdischen Militärpflichtigen ist nach dieser Tabelle ziemlich verschieden. In Polen und Litauen schwankt sie ungefähr um 161 cm; in Bayern ist sie 162 cm, in Ungarn, Klein- Rußland und der Bukowina zwischen 163 und 167 cm. — Wie später nachzuweisen sein wird, können diese Verschiedenheiten mehr oder weniger ausreichend erklärt werden, indem wir sie entweder Yerschiedenheiten in der Rassenzusammensetzung der Juden oder ökonomischen und sozialen Ursachen zuschreiben. Vorläufig genügt es zu sagen, daß nach den Rekruten-Statistiken die Körpergröße der Juden nicht als ein übereinstimmendes Merkmal angesehen werden kann, sondern daß sie in weiten Grenzen Schwankungen unterworfen ist. Es muß hierbei jedoch bemerkt werden, daß die Rekrutenstatistiken hinsichtlich des Wuchses nicht ein verläßlicher Maßstab sind. Es gibt in ihnen viele Irrtumsquellen, welche oft genügen, um sie bei einer genaueren Analyse ihres Wertes zu berauben. So sind z. B. die meisten der ausgehobenen Personen zwischen 19 und 21 Jahren, d. h. in einem Alter, in dem sie noch nicht das Höchstmaß des Wachstums erreicht haben. Ferner muß im Auge behalten werden, daß die größte Zahl von Messungen, von denen Snigireff berichtet, von jüdischen Militärpflichtigen in Rußland und Polen während der Zeit von 1875—77 genommen sind. Um diese Zeit hatten die Juden aber große Abneigung gegen den Dienst im russischen Heere und benutzten alle möglichen Mittel, um von den Militärärzten für untauglich erklärt zu wrerden. So war es z. B. eine w7eit verbreitete Übung, sich monatelang vor der Gestellung auf eine Hungerdiät zu setzen. Ebenso kam es häufig vor, daß die Juden sich bereits im Alter von 15 bis 19 Jahren stellten und sich als bereits 20 Jahre alt ausgaben, in der Hoffnung, auf diese Weise wegen zu geringer Körpergröße untauglich befunden zu werden. Daß diese Individuen in der Zeit von 1875—77 in großer Zahl gemessen wurden und in den Konskriptionslisten verzeichnet sind, ist jedem bekannt, der die Verhältnisse in Rußland kennt. Inwieweit dies auf die durchschnittliche Körpergröße der Juden Einfluß haben kann, werden wir sofort sehen, indem wir das Wachstum der Juden erörtern. Körper Wachstum. Aus den Forschungen von Weißenberg in Süd-Rußland, Majer in Galizien, Sack in Moskau und Jaszczynski in Polen, welche ziemlich übereinstimmende Ergebnisse hatten, erscheint es als sicher, daß jüdische Kinder bis zum Alter von 6 Jahren sehr rasch wachsen, wogegen Beobachtungen unter anderen Rassen ergeben, daß die WachstumsentWickelung gewöhnlich nachläßt im Alter von 4 Jahren. Vom 6. bis zum 11. Jahre wird das WTachstum bei den Juden langsamer; vom 11. bis zum 16. Jahre nimmt die Körpergröße wieder schnell zu, wenn auch das Wachstum langsamer wird, aber immer noch bis zum 30. Jahre nicht ganz zum Stillstehen kommt. In diesem Alter wird die Höchstgröße erreicht, während bei den Deutschen diese Größe (nach Gould) bereits mit dem 23. Jahre erreicht ist. Im Alter von 40 Jahren beginnt der Körper einzusinken und kleiner zu werden. Aus der Tabelle II ist zu entnehmen, daß im Alter von 20 Jahren die Juden noch nicht ihre volle Körpergröße erreicht haben, sondern bis zum Alter von 30 Jahren im Wachstum bleiben (Weißenberg), und zu denselben Resultaten ist Majer bei seinen Messungen an galizischen Juden gekommen. Infolge dieser Umstände kann den Messungen an jüdischen Militärpflichtigen in Osteuropa nur sehr geringer Wert beigelegt werden, wreil ein großer Teil von ihnen vor dem 20. Jahre gemessen ist und selbst diejenigen, die erst im Alter von 20 Jahren gemessen sind, noch nicht ihre Höchstgröße erreicht haben. Glücklicherweise haben wir jedoch eine ziemlich große Zahl von Messungen an erwachsenen Juden, die durch zahlreiche Forscher in verschiedenen europäischen