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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
Maurice Fishberg [Rezension]
Date
1907-06-01
Page
Seite 95 (sequence 2)
Language
German
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— 95 — Fishberg beginnt mit der Körpergröße. Er stellt \ die interessante Tatsache fest, daß die in Amerika einj wandernden Juden durchschnittlich erheblich größer sind j als die in den entsprechenden Ländern Osteuropas zuj rückgebliebenen. Die Auswanderer sind also nicht nur ein i psychisch, sondern auch ein körperlich auserlesenes j Menschenmaterial. Dieses Gesetz gilt für alle Völker. - - \ Besonders genau verfolgt Fishberg das Verhältnis der Körpergröße der Juden zu der ihrer slavischen Nachbarn* Er findet hier gesetzmäßige Beziehungen der Art, daß die Juden um so größer sind, je größer der Stamm j ist, unter dem sie leben, und er sieht hierin einen j starken Hinweis auf Rassenmischung. — - Nach unserer! Meinung hält diese Gesetzmäßigkeit jedoch einer genauen j Prüfung nicht Stand. Für mehrere der angeführten Durchi schnittsmaße haben verschiedene Beobachter sehr verj schiedene Werte gefunden, deren Einsetzung die Gesetzj mäßigkeit sofort umstößt. Ebenso verschwindet diese, \ wenn man die Auswanderer, die ja ein ausgewähltes j Material darstellen, fortläßt und nur die an Ort und Stelle j in Europa gefundenen Zahlen berücksichtigt. — Sehr j interessant sind auch Fishbergs nachweise über den | Einfluß der Beschäftigung auf die Körpergröße und j über die „soziale Auslese", weiche die Hochgewachsenen! und Kräftigen zu den Körperkraft erfordernden Bej rufen, die Schwächlichen zu sitzender Beschäftigung j bringt und so die Unterschiede noch steigert. Der Brustumfang der Einwanderer übersteigt nicht unerheblich die Hälfte der Körperlänge, wobei die kleinen Individuen relativ günstiger gestellt sind als die großen. Sehr ausführlich behandelt Fishberg die Schädelmaaße. Die Kopflänge ist bei den Einwanderern deutlich größer als bei den osteuropäischen Juden und den Slaven. Nach Fishbergs Meinung zeigen sich hier wieder gesetzmäßige Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden. — Auch die Kopfbreite ist etwas größer als bei den Slaven, sodaß also die Gesamtkopfgröße der Juden, am besten ausgedrüc .t durch den Horizontalumfang, größer ist als die der Slaven. Wenden wir uns zum Schädel index (Verhältnis der Breite zur Länge), der seit Retzius als wichtigstes Kennzeichen der Rassen gilt. Er beträgt für die in New-York gemessenen Juden etwa S2, die Juden sind demnach kurzköpfig. Für die einzelnen Schädelformen ergibt sich, wenn wir Fishbergs etwas abweichende Klassifizierung auf die gewöhnlich gebrauchte umrechnen: 1,6% Langschädel (Index bis 75,0), 24,2% Mittelschädel (Index 75-80), 74,2% Kurzschädel (index über 80). Vergleichen wir diese Zahlen mit den Maaßen für 1573 \ osteuropäische Juden, die Referent einheitlich auf dasselbe; Schema reduziert hat, so finden wir hier 1,7% Lang- : schädel, 22,1% Mittelschädel, 76,2% Kurzschädel, also \ fast identische Ziffern. Fishberg findet unter den Einwanderern die längeren Schädeiformen häufiger. Ob aber diese Erscheinung im Sinne Ammons so zu deuten ist, daß Langköpfe mehr zur Wanderung neigen, als Kurzköpfe, erscheint Referent sehr fraglich. Dazu müßte mit Sicherheit ausgeschlossen werden, daß die Zahl der Langschädel zur Körpergröße in Beziehung steht. Immerhin verdient diese interessante Frage weiter verfolgt zu werden. Bestehen Beziehungen zwischen der Schädelform 1 der Juden und der einzelnen Stämme, unter denen sie j wohnen? Fishberg glaubt diese wichtige Frage bejahen j zu müssen. Da die Schädelform der Juden und der Slaven ohnehin sehr ähnlich ist, sind die Schwankungen nur kleine. Für sie gilt, was oben für die Körpergröße gesagt ist. Setzt man von den verschiedenen für die einzelnen Gruppen angegebenen Werten (die der Rumänen z. B. schwanken um 8,8!) andere als die von Fishberg gewählten ein, so schwindet die Gesetzmäßigkeit. - Bei den gemessenen 435 Frauen konnte diese gleichsinnige Schwankung der jüdischen und siavischen Kopfform von Land zu Land überhaupt nicht konstatiert werden. Der Kopfumfang ist bei den verschiedenen Gruppen absolut und relativ zur Körpergröße fast genau derselbe. Die Gesichtsform ist eine mittellange, nahe der Langgesichtigkeit. — Die Nasenform schwankt außerordentlich, doch wiegt die Schmalnase vor. Bei 57% (bei 59"% der Frauen) ist die Nase grade, bei nur 14% (13°%) gekrümmt. Die Haarfarbe ist bei 10-15% hell, bei SO-35% dunkel, bei 3-4% rot. Die Augenfarbe ist bei 47-57 % dunkel, bei 43-53% hell Dem Gesamttyp nach sind brünett etwa 53°% (bei Frauen 57%), blond 10%,, gemischt 37°% (33°/,,). Es finden sich, was besonders hervorzuheben ist, keinerlei Beziehungen zur Färbung der slavischen Stämme. Im Sch'ußkapitel spricht sich Fishberg nochmals für die Annahme einer starken Vermischung der Juden mit Slaven aus. Mag man dem nun beipflichten oder nicht, der Wert von Fishbergs Arbeit ist in jedem Fall ein außerordentlich großer. Das reiche Material, das sie in trefflicher Sichtung vorführt, wird von jedem kommenden Arbeiter auf diesem Gebiete dankbar benutzt werden. Elias Auerbach Dr. Hkxander Dietz. Stammbuch der Frankfurter juden. Geschichtliche Mitteilungen über die Frankfurter jüdischen Familien von 1349 -1849. (XI, 4SI S, gr. ö. Verlag von 1. St. Goar, Frankfurt a. M. 1907). Vorliegendes Werk ist die Frucht zehnjähriger mühevoller Studien. Als Quellen dienten dem Verfasser hauptsächlich neben den seit 1360 vorhandenen Verzeichnissen der jüdischen Steuerzahler, die vom Rabbiner Horovilz veröffentlichten Grabinschriften des jüdischen Friedhofes, das von 1624 ab geführte Beerdigungsbuch der Begräbnisbrüderschaft (Chewra Kadischa) und mit 1629 beginnende Memor (Gedeuk)buch der jüdischen Gemeinde, in welcher hervorragende Verstorbene aufgeführt sind, ferner Akten des Stadtarchivs u. a. Bei Benutzung der hebräischen Quellen leistete dem Verfasser der Lehrer der israelitischen Gemeinde Unna wertvolle Dienste. Es gelang dem Verf. die Genealogie von 625 jüdischen Familien festzustellen. Das Buch füllt eine wichtige Lücke in der Erforschung der Hilfsquellen für die Geschichte des Judentums aus. Da den Juden eine Adelsklasse von der Abgeschlossenheit und Bedeutung, die sie bei anderen Völkern besessen hat, fremd war und da die in den ietzien Dezennien zur Geltung gekommene Aristokratie von überwiegend plutokratischem Charakter mit der früheren, den Juden eigenen Gelehrtenaristokratie in keinem Zusammenhange steht, sind genealogische Kenntnisse unter den Juden ziemlich wenig verbreitet. Gerade für Frankfurt a. M., wo eine der ältesten und hervorragendsten jüdischen Gemeinden in Deutschland und wohl auch überhaupt besteht, konnte diese Untersuchung mit reichen Ergebnissen angestellt werden. Die Arbeit,

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