Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Nürnberg (1806 - 1906)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 77 (sequence 1)
- Language
- German
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— 77 — Die Entwicklung der jüdischen BMerang in Mürsiserg C18CS—J906K Von Dr. oec pnbh K. W Anläßlich des Jubiläums der 100 jährigen Stach tverwaituna' Nürnbergs eine Festschrift herausgegeben (..Das städtische Yerwaltungsweseii"^, die in ihrem allgemeinen Teil auch eine üeihe von bevölkerungsslatistisehen Daten enthält. Dieselben ermöglichen uns auch in umfassenderer Weise, als dies bisher der Fall war, Einblicke in das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung der ehemaligen freien Reichsstadt. jähr GesamtbevöJkerung davon in °'() der Juden Gesamtbevölkg. 1810 28544 1 0,00 1812 26569 •~> > 0,01 1818 26854 1 0,00 1825 83018 11 0,08 1840 46824 6 0,01 1852 58638 87 0,lü 18(57 77895 1254 1,61 1871 83214 1831 2,20 1875 91018 2453 2,69 1880 99519 3032 8,05 1885 114891 3788 3,25 1890 142590 4307 3,02 1895 162386 4737 2,92 1900 261081 5956 2,28 1905 294432 6819 2.31 Die geringe Zahl der Nürnberger Juden in der ersten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts hängt natürlich mit den damals in Bayern herrschenden Ansiedlungsverhältnissen zusammen, die ich in dieser Zeitschrift (I. J. iL H.) schon eingehend charakterisiert habe. issc r in an n , iviuncuen. Die starke Zuwanderung seit dem Jahre 1867 ist dagegen wohl darauf zurückzuführen, daß Nürnberg mit seinem ausgebreiteten Handel und seiner regen Industrie auf die jüdische Bevölkerung Nordbayerns dieselbe Anziehungskraft ausüben mußte, wie München auf die südlich der Donau liegenden Kreise. Daß nun diese starke Zunahme nicht auch zu einem stärkeren Anteil an der Gesamtbevölkerung geführt hat, ist erklärlich, wenn wir sehen, wie sehr Nürnberg in den letzten 80 Jahren auch von Seite der Niehljuden das Ziel von Einwanderungen gewesen ist und daß es eine Geburtenziffer aufzuweisen hatte (35—40 Geburten auf 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung), die die geringe Geburtenziffer der bayrischen Juden (19,9 auf 1000 Einwohner im Jahrzehnt 1890—1900), welche in Nürnberg sicherlich nicht überschritten, ja vielleicht nicht einmal erreicht wurde, wesentlich überragte. Über die Art und "Weise, wie sieh in Nürnberg in den letzten 80 Jahren die Zunahme bei der Gesamtbevölkerung vollzogen hat, gibt die folgende Tabelle Auskunft. Zunahme 1875—-1905 .... Es entfallen auf GeburtenÜberschuß über die Gestorbenen . Es entfallen auf Zugang durch Einverleibung...... Es entfallen auf?>Iehrung der! Militärberölkerung ....! Es entfallen auf Wanderungs-! Überschuß....... 203414: 100; i , <>8>5!iU 81/15 „ 40200 10:7ü „ 1240 0j>2 „ 98506 48,47 „ Statistisches Archiv. Die foziaie Unruhe der modernen Juden. Ein soziologischer Versuch. Die unter vorstellendem Titel in den Preußischen Jahrbüchern, Bd. 127, Heft 1 erschienene Abhandlung von Curt Alexander geht davon aus, daß die Juden im Laufe des Mittelalters, durch das Einschnüren in das Ghetto von der christlichen Kultur abgeschnitten, ein eigenartiges soziales Leben entwickelten. Gegenüber der ständischen Gliederung unter den Christen war das charakteristische des Ghettolebens der Mangel an einer scharfen Klassen- und Stände-Abgrenzung. Die soziale Gn.ippenbildui.gkam kaum über die Familie hinaus, allerdings mit der Erwciteuing, daß sich die ganze Gemeinde gewissermaßen als eine Familie fühlte. Dieser Mangel an sozialer Differenzierung innerhalb des Ghettos harte seine Ursache einmal darin, daß der Beruf der Juden fast ausschließlich der gleiche, nämlich der Handel war, und daß der mit den vielen Verfolgungen und der Unsicher-