Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Alter u. Familienstand der Juden u. Christen in München im Jahre 1900
- Date
- 1907-04-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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— 59 — Verteilung der Ledigen und Verheirateten bei Juden und Christen, und können nicht dazu herangezogen werden, die bislang gültige Meinung, die das Gegenteil als richtig erachtete, zu erschüttern. Richtigen Aufschluss erhalten wir erst einmal durch die Betrachtung der Anteile innerhalb der verschiedenen Altersstufen und ferner vor allem durch Berücksichtigung der Verteilung der Geschlechter in den Familienstandsklassen und Altersstufen. Da zeigt sich nun, daß in den jüngeren Altersjahren bis zum 30. Lebensjahr bei den Juden die Ledigen erheblich überwiegen: — 82,3 % bei den Juden gegen 79,3 % bei den Christen; bei Letzteren hingegen dementsprechend die Verheirateten in diesen Altersjahren relativ in der Mehrzahl sind: — 20,1 °/o bei den Christen gegen 17,3 % bei den Juden. In den späteren Altersjahren schlägt jedoch das Verhältnis in das Gegenteil um, und zwar nimmt der Anteil der Verheirateten bei den Juden und der Ledigen bei den Christen in jeder Altersstufe mehr zu, so daß wir für die Ledigen wie Verheirateten folgende Relativzahlen bekommen: Ledige Verheiratete Juden Christen Juden Christen 31—50 : 22,2 % 23,9 % 72,2 % 70,6 % 51-70: 8,6% 14,6 7« 66,9% 58,4% überTO: 7,0% 16,9% 40,8% 26,1% Es geht hieraus hervor, daß die Juden später zur Eheschließung kommen als die Christen; in den älteren Altersstufen aber, — wenn man beide Geschlechter zusammen betrachtet, — relativ mehr Verheiratete als die Christen aufweisen. Dieses Bild dürfte jedoch immer noch unvollständig sein: erst die getrennte Betrachtung der Geschlechter innerhalb der Familienstandsklassen und Altersstufen kann zu einem richtigen Resultat führen. In den jüngeren Altersjahren bis zum 30. Lebensjahr, sowie auch noch in der Altersstufe 31—50 gibt es bei den Juden prozentual mehr, in den jüngeren Jahren sogar erheblich mehr ledige Männer als bei den Christen. In der Altersstufe 51—70 ist der Prozentsatz der ledigen Männer bei den Juden und Christen ein ungefähr gleicher, und erst in der letzten Altersstufe (über 70) sind die ledigen christlichen Männer relativ in der Mehrzahl. Ein fast entgegengesetztes Verhältnis hat bei den weiblichen Juden statt: in allen Altersstufen, auch in den jüngeren, überwiegen die verheirateten Jüdinnen die verheirateten weiblichen Christen prozentual bedeutend; und dementsprechend ist der Anteil der Ledigen bei den weiblichen Juden ein geringerer als bei den weiblichen Christen. Die folgenden Relativzahlen erhellen diese Erscheinung deutlich: Ledige mann- Verheiratute we ibliche Personell. hrhe Personen. Juden Christen Juden Christf-n 16—30: 94,0% 85,0% 35,5% 25,6% 31—50: 29,3 „ 23,2 „ 76,1. „ 66,0 „ 51—70: 10,6 „ 11,0 „ 52,6 :, 44,0 „ über70: 7,8 „ 10,5 „ 22,1 „ 12,1 „ Diese Beobachtungen führen uns zu folgendem Resultat: 1) Die männlichen Juden bleiben in weit größerer Zahl ledig als die männlichen Christen, und. wenn sie heiraten, so geschieht dies durchschnittlich erst in einem späteren Lebensalter. 2) Die Jüdinnen hingegen heiraten durchschnittlich früher als die Christinnen und weisen auch in allen Altersstufen relativ weit mehr Verheiratete auf als letztere. Dieses Ergebnis wird uns nicht überraschen: Die größere Ehelosigkeit beim Manne und im Falle der Heirat die Eheschließung im reiferen Alter, charakterisieren ebenso wie die frühzeitige Heirat des Mädchens die wohlhabenderen Kreise; und wir dürfen wohl annehmen, daß die Juden Münchens zu einem großen Teile den wohlhabenderen Klassen angehören, oder genauer, daß unter den Juden in München sich relativ mehr wohlhabendere befinden als unter den Christen.