Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Anteil der Juden am Hochschulstudium in Oesterreich seit dem Jahre 1851
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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— 36 — wird durch die Zunahme an den technischen Hochschulen wettgemacht), relativ jedoch sinkt sie, nachdem sie 1891/96 mit 21,5% das Maximum erreicht hat. Neben dem Umstand, daß die Juden in Österreich sich infolge starker Auswanderung in den letzten Dezennien schwächer vermehrten als die übrige Bevölkerung, kann als Erklärungsgrund für die angeführte Tatsache herangezogen werden, daß die Juden mit ihrem Anteil am Hochschulstudium gewissermaßen den Sättigungspunkt erreicht haben, sodaß er sich bei den Juden nicht mehr in demselben Maße steigern kann wie bei den Nichtjuden. Was die Verteilung auf die einzelnen Fakultäten anbetrifft, so ist zunächst der sehr hohe Prozentsatz jüdischer Mediziner bemerkenswert. Im Durchschnitt sind ungefähr Vi aller Mediziner Juden. Mit dem Sinken der allgemeinen Zahl der Mediziner vom Jahre 1892 ab vermindert sich auch die Zahl der jüdischen Mediziner, und zwar in stärkerem Maße als die der Christen. Ein großer Teil dürfte sich an Stelle der Medizin hauptsächlich den technischen Studien zugewandt haben, denn parallel mit dem Rückgang der Hörer der medizinischen Fakultäten nimmt die Frequenz der technischen Hochschulen, insbesondere bei den Juden sehr erheblich zu. Verhältnismäßig am wenigsten vertreten sind die Juden in der philosophischen Fakultät, da sie hier die geringsten Aussichten auf Erlangung eines praktischen Berufes, d. h. einer Anstellung als Gymnasiallehrer etc. haben. Jedoch ist ebenso wie an der juristischen Fakultät auch hier neben der absoluten ihre relative Zunahme bemerkbar. Allerdings wird die höhere Zahl jüdischer Philosophie- Studierender auf die hohe Ziffer jüdischer Studentinnen, die zum überwiegenden Teile der philosophischen Fakultät angehören, zurückzuführen sein. Die Verteilung auf die einzelnen Universitäten und techischen Hochschulen soll nur in Durchschnittszahlen für die Jahre 1881/1904 und im Einzelnen für die drei Semester der letzten zwei Studienjahre angegeben werden (Tabelle II). Die Universität in Innsbruck, ferner die Grazer und die böhmische Universität in Prag werden von Juden nur «sehr spärlich besucht. An der letzteren nimmt zwar die absolute Zahl der jüdischen Hörer zu, aber bei der außerordentlich rasch wachsenden christlichen Hörerzahl bleiben sie hier doch in einer unerheblichen Minderzahl. Während an Her böhmischen Universität in Prag die Juden nur 2% aller Studierenden ausmachen, hat die deutsche Universität in Prag, welche bis zum Jahre 1900 01 neben der Wiener Universität die meisten jüdischen Hörer zählte, trotz des inzwischen eingetretenen Eückgangs noch 26,9 % jüdische Studierende. Auf Wien allein entfällt zwar noch immer mehr als die Hälfte aller jüdischen Universitätshörer in Österreich, doch ist hier ein steter Rückgang ihrer Zahl zu verzeichnen. Dies erklärt sich daraus, daß mit dem Aufschwung der anderen österreichischen Universitäten die Wiener an Glanz und Anziehungskraft verloren hat, ferner aus der abnehmenden Zahl der jüdischen Mediziner, die zum überwiegenden Teile Wien aufzusuchen pflegten und schließlich ist es nicht zum geringsten Teile eine Folge der bekannten antisemitischen Unruhen, die vielen jüdischen Studenten den Aufenthalt in Wien verleidet haben. Den höchsten Prozentsatz jüdischer Hörer weist die Universität Czernowitz auf. Bemerkenswert ist die Zunahme der jüdischen Studentenzahl in Lemberg, die, wie bereits erwähnt, zum Teile auf das Konto der letztens sehr stark angewachsenen Frequenz von Frauen zu schreiben ist, unter denen sehr viele außerordentliche Hörerinnen sich befinden. Auch in Krakau wächst der prozentuale Anteil der Juden unter sämtlichen Hörern. Ihre verminderte ProzentzifTer in den Jahren 1902/04 infolge der plötzlich stark angeschwollenen Zahl der christlichen Hörer ist vielfach darauf zurückzuführen, daß infolge der russischen Revolution sehr viele christliche Studenten aus Russisch-Polen sich nach Galizien gewandt haben. Ebenso wie die Universität, beherbergt auch die technische Hochschule in Wien mehr als