Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Austritte aus dem Judentum und Uebertritte zum Judentum in den Jahren 1903 und 1904
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 2)
- Language
- German
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— 32 — Männer gehören vorwiegend den freien Berufen, den Studenten, Schülern und den höheren Angestellten im Handelsgewerbe an. Zum Judentum übergetreten sind 1903 1904 m. w. zus. m. w. zus, Römisch-Katholische 12 51 63 6 61 67 Griechisch- „ — 11— — Alt- „ _____ 2 2 Griech.-Orientalische — — — — 1 1 Evang.-Augs.-Konf. 3 14 0 6 12 „ Helvet. „.218 112 Summa 17 54 71 13 71 84 Von den zum Judentum Uebertretenden waren dem Familienstände nach ledig verheir. im Jahre 1903 . . 1904 m. 13 6 w. 47 58 m. 9 w. 6 sonstigen Standes m. w. 2 1 0 6 dem Alter nach 14—20 20—30 30-40 40-50 über 50 Jahr .Fahr Jahr Jahr Jahre m. w. m. w. m. w. m. w. m. w. im Jahre 1903 1 2 10 39 2 11 4 - - 2 „ „ 1904 — 9 6 45 2 11 2 4 2 3 Der Bynif der Ueberge trete neu konnte nicht ermittelt werden. Der sehr hohen Zahl der Austritte aus dem Judentum in Wien steht eine nicht unbeträchtliche Zahl der Uebertritte zum Judentum gegenüber, durch die Ysder Taufen aufgewogen wird, deim ev, entfielen auf 100 Austritte und Ja»re 1904 14I } Uebertritte zum Judentum. Unter den Uebertretenden .überwiegt, anders als bei Ausgetretenen, ganz bedeutend das weibliche Geschlecht. Im Jahre 1904 gab es unter den Uebertretenden 3 Ehepaare gegenüber 26 Ehepaaren unter den Ausgetretenen. Es deutet dieser Umstand, sowie das hörere Alter mancher Uebertretenden darauf hin, daß einen Teil der Uebertritte Rücktritte getaufter Juden einnehmen. Einwanderung uon luden in Jleuj-Öorh im Jahre 1906. Während der amtliche Einüereinigfe Staaten, Wanderungsbericht der Vereinigten Staaten über das Fiskaljahr vom 1. Juli 1905 bis 30. Juni 1906 noch nicht erschienen ist, hat die jüdische Organisation auf Ellis Island, der Kontrollstation für die Einwanderer nach New-York, soeben bereits für das ganze Jahr 1906 die Zahl der jüdischen Einwanderer festgestellt. Die Annahme, daß durch die Unruhen in Rußland die Zahl der Einwanderer gegenüber früheren Jahren erheblich zunehmen werde, hat sich in weitestem Maße erfüllt. Während im Jahre 1905 die Zahl der jüdischen Einwanderer in New-York 88 533 betrug, ist sie im Jahre 1906 auf 156 964 gestiegen. Hiervon kamen aus Rußland Oesterreich Ungarn Rumänien England Türkei Deutschland 126447 14953 9373 4321 958 463 352 Frankreich Holland Bulgarien Schweden Griechenland Spanien 65 13 9 4 3 3 114156 Einwandet er hatten New-York selbst zum Reiseziel, die anderen 42808 gingen über New-York nach anderen Plätzen des Landes. Unter den Einwanderern befanden sich 72 729 erwachsene Männer, 53841 erwachsene Frauen und 30394 Kinder. Wir werden nach Erscheinen des amtlichen Einwanderungsberichts auf die Einwanderung noch ausführlich zurückkommen. Mitteilungen. Am 17. Januar hielt der Verband für Statistik der Jude n im Architekten hause in Berlin eine öffentliche Versammlung ab. Nachdem der Vorsitzende Sauitätsr&t Maretzki in kurzen Worten auf die Zwecke des Verbandes und die Wichtigkeit der Statistik für die Eiforschung der sozialen Verhältnisse der Juden hingewiesen hatte, beleuchtete Dr. Bernhard Kahn in einem längeren Vortrage die jüdischen Wanderungen, Er gab einen geschichtlichen Rückblick auf frühere Wanderungen der Juden, um sich dann eingehend den gegenwärtigen Massenauswanderungen der osteuropäischen Juden nach Amerika zuzuwenden, die von Jahr zu Jahr gewaltiger werden und im letzten Jahre über 150000 Juden nach den Vereinigten Staaten geführt haben. Der Redner hob besonders hervor, daß die vielerörterte Zusammendrängung der Einwanderer in wenigen Großstädten der Union nicht in Willkür und Laune der Einwanderer, sondern in ökonomischer Notwendigkeit begründet sei. Die Großstädte seien es, in denen die jüdischen Einwanderer, die sich zum größten Teil aus Handwerkern und Händlern zusammensetzen, am ehesten eine Existenz fänden. Solange sich ihnen nicht anderwärts gleich günstige Chancen böteu, versprächen alle Bestrebungen, die Juden von den Großstädten abzulenken und gleichmäßig über die Union zu verteilen, keinen dauernden Erfolg. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion, in der Dr. Ruppin und Dr. H. G. Heymann andere wichtige Veränderungen in den sozialen Verhältnissen der Juden berührten. In einem Schlußwort wies Justizrat Horwitz auf das überall sich neu regende Interesse der Juden für jüdische Fragen hin, dem in letzter Linie auch die Statistik der Juden ihren Ursprung und Aufschwung verdanke.