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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. Seite 160

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
Der Anteil der Juden an der Revolutionsbewegung in Russland
Date
1906-10-01
Page
Seite 160 (sequence 1)
Language
German
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— 160 — . _ . Der Anteil d e r j u d e u a n der : Kurland R evolutionsbe w e g u n g in -" -"-- —------------ B uß 1 a n d whd meistens sehr übertrieben. Die Regierungselbst ist geneigt ihnen die! Hauptschuld zuzuschreiben, was in den offiziellen Be- : richten derselben nicht selten klar zu Tage tritt. Der- : selben Meinung sind auch die monarchisch gesinnten j Volksgruppen, die industriellen und die Grundbesitzer, j welche alle politischen und ökonomischen Wirren der j Propaganda seitens der Juden zuschreiben. Dem widerj spricht aber die Statistik. Die Zeitung „Oko" (Nr. 14 S. 3) gibt die Zahl der im Zeiträume vom 10. Nov. 190-5 bis zum 10. August 1906 wegen politischer Verbrechen zu verschiedenen Strafen verurteilten Personen auf 12 09-1 Pers. an. Darunter waren 9 i'l Juden, also 7.G 0 0. ist. auch dieser Prozentsatz grüßer als der Prozentsatz der Juden in Rußland (4,1%) überhaupt, so muß man doch in Betracht ziehen, das nicht alle Volker im weiten russischen Reich gleich intensiv von der jetzigen Freiheitsbewegung berührt werden. Zieht man nun die Millionen der absolut teilnahmslosen Nomaden von der Gesamtzahl der Bevölkerung ab, so erscheint der Prozentsatz der verurteilten Juden beinahe normal. S. W.;prv_—-======^ Bildungsgrad der E beschließ enden KrakGU. in Krakau. Das statistische :_ --====---=^==1: Bureau der Stadt-Krakau h ringt i m 9. Band s e i n e r M i tt e i 1 u n g e n (iv r a k a u 190-3) bemerkenswerte Angaben darüber, welchen Bildungsgrad die eheschließenden Juden und Christen in den Jahren 1901 und 1902 gehabt haben und wie häutig der eine Ehegatte eine höhere Schulj bildung hatte als der andere. Die Angaben über j den Bildungsgrad sind in der Tabelle 1 zusammen-! gestellt. j Tabelle I. im Jahre 19 Ol 190: > Ohrist. Jud. Christ. . lud. 1. Beide Eheleute: a. hatten eine höh. P.üdung- 110 10 118! 11 1). könnt, lesen u. schreiben 229 134 281 i 19« c. könnt, nur lesen 20 i 4 21! / d. „ wed. les. n schreib. ioo; 4 80 \ 5 2. Der Mann hatte eine h. Bild., die Frau konnte j lesen und schreiben 12 | 8 19 5 3. der Mann konnte lesen | u. schreib., die Frau nur! lesen oder weder lesen noch schreiben 73 — 45 — 4. d. Frau hatte eine höh. Bild., der Mann konnte lesen und schreiben — — •> •) 5. Sonstige Fäll^ ungleicher Ausbildung 70 i — 53! — Sa. 014; 100 | 025 j 228 Berechnet man auf Grund dieser Zahlen zuvörderst, wieviel aller heiratenden Männer und Frauen eine höhere (d. h. höher«; als Elementarbildung), wieviel Elementarbildung und wieviel gar keine Schulbildung hatten, so ergeben sich folgende Verhältnisse: Es hatten prozent ualiter 1901 1902 Christen v i 5 - 5 WJ Juden 3 5 3 rt IS Christen a £ c - S Ä Juden O S a « « u höhere Bildung Elementar-Bild. (Lesen n. Schreiben könnt nur lesen konnten weder les. noch schreib. 21,8 19,7 54.2 44.5 5,4 10,9 18,0 24,9 H,2; 0,3 83,8 88,7 2-5 2,5 2,5 2,5 23,7; 20,7 50.0 52,2 4.0 0,5 15.1 20,0 7.0 5,8 87,7 88,9 3.1;U 9 >) O ■) -:—. Sa. 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Hiernach ist hei den Juden (Männern wie Frauen) die höhere Schulbildung seltener anzutreffen als bei den Christen; dafür ist aber unter ihnen der Prozentsatz derjenigen, die gar keine Schulbildung haben (d. h. nicht lesen und schreiben können', erheblich geringer. Es i-t allerdings zu berücksichtigen, daß die obigen Angaben sich nur auf die nach dem Staatsgesetze geschlossenen jüdischen Ehen beziehen, und daß infolgedes en die nach jüdischem Ritus Heiratenden, die in der Mehrzahl den unteren und weniger gebildeten Ständen angehören, darin nicht enthalten sind. Die Frage, ob der eine Ehegatte eine höhere Bildung hat als der andere, bietet deshalb besonderes Interesse, weil bei den Juden in Galizien (und Osteuropa überhaupt) der Bildungsgrad für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht hauptsächlich maßgebend ist, sodaß die Fälle, in denen Ehegatten mit verschiedenem Bildungsgrade einander heiraten, zugleich die Häufigkeit sogen. Mesalliancen ausdrücken. Aus der Tabelle I läßt sieh, wenn man von den Eheschließenden mit unbekanntem Bildungsgrade absieht, berechnen, daß von den christlichen Ehepaaren hatten im Jahre 1901 1902 gleiche Bildung 82,2 % 87,3 % der Mann eine höhere als die Frau 10,3 „ 11,9 „ die Frau eine höhere als der Mann 1,4 „ 0,9 „ von den jüdischen Ehepaaren dagegen : gleiche Bildung 95,1% 90,8% der Mann höhere Bildung 5,0 „ 2,2 „ die Frau höhere Bildung 0,0 „ 0,9 „ Diese Zahlen lassen den Schluß zu. daß bei den Juden Eheschließungen zwischen Personen von vershiedenem Bildungsgrade seltener sind als bei den Christen, d. h. daß bei den Juden Angehörige einer bestimmten sozialen Schicht fast ausnahmslos auch den Ehegatten aus derselben sozialen Schicht wählen.

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