Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- Der Stand der jüdischen Bevölkerung in Bayern am 1. Dezember 1905
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 155 (sequence 4)
- Language
- German
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— 155 — Fürth, von München und Nürnberg auf den dritten Platz verdrängt wurde, und daß auch dieser ihm von Würzburg bald streitig gemacht werden dürfte", sich wohl schon bis 1(.)00 wird bewahrheitet haben. Heute beträgt der Unterschied wohl kaum 300 Seelen. Im Verhältnis zur Größe hat Kitzingen die größte jüdische Bevölkerung aufzuweisen (T},2 % der Einwohnerschaft), dann folgt Landau (5 Fürth 4,7 '"'„), Kördlingen (4,0 "„), Bad Dürkheim (4,1%), Würzburg (:U "„), Bamberg (2,0 n„), Nürnberg an 10. Stelle (2,8° (>), München an 14. Stelle (1,0 ). In den ."> bedeutendsten Städten hatte gegen 1000 die jüdische Bevölkerung eine Zunahme in München (+ LU7) und Nürnberg (-f 02o). eine Abnahme dagegen in Augsburg (— 70), Würzburg (—32) und Fürth (—170). Bei Fürth ist der Rückgang keine neue Erscheinung (Abnahme 1807—1000 : 100 %), bei Augsburg und Würzburg war ein Rückgang im 10. Jahrhundert noch nicht zu konstatieren gewesen. Von den kleineren Städten findet eben vielfach nochmals ein Zug in. die G roßstädte statt. Jüdisch-Statistische Anregungen. Von Dr. med. J. Drcvfuss, Kaiserslaurom. Der Umstand, dab' wir von dem in unsern Reihen früher oft gehörten Wunsche, die Rubrik „Konfession" möge aus der Bevölkerungsstatistik verschwinden, kräftig dazu übergegangen sind, eine ..Jüdische Statistik" ins Leben zu rufen, gehört zu den erfreulichsten Erscheinungen der modernen jüdischen Bewegung. Denn die jüdische Statistik liefert uns einerseits in der Ph'kenntnis unserer Lebensbedingungen die unentbehrliche Grundlage einer Besserung der letzteren. Andererseits bringt sie, wie wir schon jetzt nach wenigen Jahren erkennen, für die Anthropologie wie für die Hygiene, für die Soziologie wie für manchen andern Wissenszweig eine Fülle neuen Materials. Unter diesen 'Umständen möchte auch der soziologisch denkende und für statistische Probleme sich interessierende Jude in den kleineren Gemeinden gerne an der neuen, interessanten Arbeit teilnehmen. Allein diese Mitarbeit wird durch folgende zwei Faktoren erschwert: Auf der einen Seite bietet, falls man die Verhältnisse der eigenen kleinen Gemeinden bearbeiten will, diese in Bezug auf Vorgänge der Bevölkerungsbewegung so kleine Ziffern, daß mit Rücksicht auf das ..Gesetz der großen Zahl" eine rein statistische, vom Einzelfall absehende, Bearbeitung kaum angängig ist. Dieser Umstand fällt neuerdings durch die bekannte rapide Abnahme der Geburtenziffer der städtischen, jüdischen Bevölkerung Deutschlands so sehr ins Gewicht, daß nicht nur in den Klein-, sondern auch in den Mittelgemeinden eine Statistik über Dinge, die mit der Geburtenziffer in Zusammenhang stehen, zum mindesten eine große Reihe von Jahren umfassen muß, um einigermaßen genügende Zahlen zu erhalten. Auf der andern Seite fehlt uns für die Bearbeitung jüdischer Verhältnisse die Möglichkeit, die für die Bearbeitung allgemeiner Bevölkerungsvorgänge gegeben ist, nämlich die betreffenden Zahlen lückenlos aus den verschiedenen Jahrgängen der speziellen Archive und Zeitschriften staatlicher und städtischer statistischer Bureaux zusammenzustellen, denn ganz naturgemäß kann der Verein für Statistik der Juden und sein offizielles Organ, diese Zeitschrift, nach der kurzen Zeit ihres Bestehens noch nicht so weit gediehen sein, daß sie die jüdischen Bevölkerungsvorgänge der einzelnen Gemeinden in fortlaufenden, regelmäßig erscheinenden Tabellen veröffentlichen könnten. Und wenn dies selbst möglich wäre, würde es sich ja bis jetzt nur um wenige Jahrgänge handeln. So muß denn, wer in der angegebenen Lage sich befindet, sich im Allgemeinen da-