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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August 1906) · p. Seite 144

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August 1906)
Article
Ueber die kaufmännische Beanlagung der Juden
Date
1906-08-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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— 144 — lingen zusammen. Die letzteren sind überwiegend, sie verursachen die vorwiegende Kurzköpßgkeit und erteilen auch den Mischlingen die spezifisch jüdische Physiognomie. Soweit wir die Schädel der antiken Juden kennen, waren sie dolichocephal; überhaupt scheint das jetzt sehr zurückgedrängte mediterrane Element früher übe:- wiegend vertreten gewesen zu sein. Seit dem Exil hat das ursprünglich semitisch-mediterrane Volk immer mehr Elemente des brachycephalen homo syriacus in sich aufgenommen, und die in die Diaspora auswandernden Handelsjuden gehörten vornehmlich diesem Element an. Der römische Krieg hat dann die kriegerischen und agrarischen Instinkte aus ihrer Rasse fast ausgerottet, denn die palästinischen Juden kamen in diesem Kriege zum größten Teil um. Von den Juden der Diaspora stammen nun fast alle Juden des Mittelalters und der Gegenwart. Dem homo syriacus (dem hethitischen oder armenischen Typus) muß aber der Handels- und Schachergeist als eine besondere Eigentümlichkeit zugeschrieben werden, in welcher die Juden von den Armeniern und orientalischen Griechen (die diesen Typus vielfach haben) noch über troffen zu werden scheinen. Die Schilderungen, die man von diesen liest, lassen darüber keinen Zweifel, und doch sind sie niemals in einer „abnormen sozialen Lage" gewesen- Niemand hat sie je zum Handels- und Schachergeschäft gezwungen. Bemerkenswert ist, daß aus den Fränkischen Geschichten Gregors von Tours hervorgeht, daß in dem damaligen Gallien neben den Juden auch Syrer als Handelsleute herumreisten. Die Psychologie der Juden bildet eines der interessantesten Probleme der Kassenpsychologie; sie läßt zugleich die Grenzen der sogenannten ökonomischen Geschichtstheorie deutlich zutage treten." Zur Anthropologie der osteuropäischen Juden. In einer Besprechung des Buches von Maurice Fishberg „Materials for the physical anthropology of the eastern European Jews" (Newyork 1905) im Archiv f ü r Rassen- und Gesellschafts-Biologie 3. Jahrgang 1. Heft kommt Dr. Richard Weinberg zu folgenden interessanten Bemerkungen: „Es ergab sich z. B., um nur einen Punkt herauszugreifen, daß die Körpergröße, in welcher man eines der Rassenmerkmale der Juden vermutet hat, in bemerkenswerter Weise von dem Milieu und den sozialen Zuständen ebenso beeinflußt wird, wie dies auch bei anderen Volksstämmen der Fall ist. Die aus den elenden osteuropäischen Verhältnissen herrührenden Elemente waien zu V* um er Mittelgroße, die in Xew-York geborenen wiesen kaum 9 % kleine auf; hochgewachsene gab es unter den in Amerika geborenen Juden 34%, während ihre europäischen Erzeuger weniger als 18 % solche Individuen darboten. Genug, hinsichtlich der Körpergröße haben sich die Juden in dem neuen Lande deutlich verbessert. Man muß aber, über die vom Verf.; gegebenen Begründungen hinaus, versuchen, genau | zu verstehen, um welche Vorgänge es sich hier handelt;! denn ein wichtiger Auslesefaktor scheint mir darin zu i liegen, daß unter den amerikanischen Verhältnissen nur i die kräftigeren Elemente Aussicht haben, fortzukommen | und sich zu vermehren, während im Osten, inmitten | einer relativ kleinwüchsigen Grundbevölkerung auch j die weniger tüchtigen den Konkurrenzkampf aushalten, i anstatt, wie in Amerika, schnell unterzugehen. Geht \ das so fort, dann wird die Erblichkeit das ihrige tun | und aus den polnischen Juden, über deren Konstitution | des Verf. ZahlentabelJen zu geradezu schmerzlichen! Ergebnissen kommen, jenseits des Ozeans mit der Zeit j vielleicht einen ganz brauchbaren Menschenschlag | heranzüchten. In interessanter Weise benutzt der Verf. sein J Zahlenmaterial, wie dies schon seine Vorgänger immer; getan haben, um in den, einzelnen Ursprungsländern : auch Juden mit Nichtjuden zu vergleichen, was schon | deshalb gut ist, als man nie genau wissen kann, was! außerhalb der Rasse auf die Differenzierung der Mensch» i heit von Einfluß sein mag. Er gelange dabei zu einer i Reihe von Aufstellungen, unter anderen zu dem be-; merkenswerten Satz, daß die Zahl der hellgefärbten; Juden um so kleiner ist, je dunkler die betreffende '. eingeborene Nichrjudenschaft pigmentiert ist und umgekehrt Eine Eiklärung dafür wird jedoch nicht bei- 1 gebracht. Im ganzen sollen die Ostjuden jetzt in i physischer Beziehung mehr ihren europäischen Wirts-! lassen, als den eigentlichen Semiter. verwandt erseheij nen, ein Ergebnis, das übrigens mit den bisher vorj herrschenden Auffassungen vollkommen übereinstimmt.; Dazu kann man vorläufig nur sagen, daß auch eine | andere Fragestellung Bedeutung hat, die nämlich, was I die Wirtsrassen den Juden körperlich (und geistig) I entlehnt haben. Anthropologisch ist darüber rein gar I nichts festgestellt, und doch steht, wenigstens in Süd- | Bußland und Polen, die Zahl der Religionsjuden zu i der der Rassenjuden in keinem Verhältnis, auch von j den Proselyten ganz abgesehen. Was soll der ewige I Jammer über „Verjudung" der Kunst, der Wissen- | schaff, der Literatur und Presse, solange nichts ge-; schiebt, um die wirklichen Verhältnisse der Kassenj strukturen vorurteilslos kennen zu lernen? Die Anj thropologie ist berufen, auch die Juden von unbegrünj deten Vorurteilen zu reinigen. i Bei dieser Gelegenheit ist anzumerken, daß nach > Mitteilung desselben Verf. die nordafrikanischen Juden,! die Jahrhundertelang unter Semiten, Arabern, Berbern, j Negern, Kabylen usw. lebten und mit Slawen und | dgl. Europäern keine Berührung hatten, viel dunkler j und langköpfiger sind, als die europäischen und amerij kanischen Juden. Dort hat sich der „ursprüngliche" | Typus in der Tat vielleicht reiner erhalten, j (Vgl. über den letzteren Punkt Fishberg's Ab- | handlang in No. 11 des 1. Jahrganges dieser Zeit- I schrifr. Red.) Die nächste Nummer der Zeitschrift erscheint am 1. Oktober 1906. für die Redaktion verantwortlich: Dr. Arthur Ruppin, Charlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Halensee. — Druck von E. Grüner, Bernau.

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