Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1906)
- Article
- Die zionistische Bewegung in Rußland
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 137 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 137 — Zionismus berührt werden. "Wir haben es also mit keiner eigentlichen Not — sondern mit einer Ideen-Bewegung zu tun, deren Grundlage die Erkenntnis der allgemeinen jüdischen Notlage ist. Dies wird auch dadurch bewiesen, daß die eigentlichen jüdischen Proletarier mehr vom sozialistischen „Bunde" als vom Zionismus angezogen werden. Als zweites in die Augen springendes Ergebnis ist die nicht zu leugnende Tatsache hinzustellen, daß der Zionismus in Kußland im (). Kongreßjahre seinen Höhepunkt erreicht hat und während der darauffolgenden zwei Jahre einen jähen Abfall Ins fast auf die Hälfte zeigt. Die Ursache dafür ist ohne Zweifel im frühzeitigen Tode des hochbegabten Führers Theodor Herzl zu suchen; wahrscheinlich hat auch die auf dem 0. Kongresse aufgetretene Zersplitterung in Bezug der Ugandafrage das ihrige dazu beigetragen. Wie sich der Zionismus in Rußland weiter gestalten, oh er aufblühen oder niedergehen wird, läßt sich unter den obwaltenden Verhältnissen kaum sagen. Zieht auch einerseits der aktuelle Kampf die meiste Aufmerksamkeit auf sich, so läßt sich doch andererseits nicht leugnen, daß die gesteigerten grausamen Verfolgungen zur Stärkung des nationalen Sinns beitragen. Zur Antiiropolcgie der Samaritaner.*) Von Henry Minor Huxley. (Mit Genehmigung <W Herausgeber aus dem X. Bande der Jewish Eucyolopodia ins Deutsche übersetzt). Die einst zahlreiche Samaritaner-Sekte hat sich nach und nach vermindert, bis sich die gesamte Bevölkerung im Februar P.I01 wie folgt verteilte: Anzahl der männlichen Personen von 15 und mehr Jahren 72 Anzahl der weihlichen Personen von 12 und mehr Jahren 44 Anzahl der männlichen Personen unter 1") Jahren 20 Anzahl der weißlichen Personen unter 12 Jahren 1 1 Gesamt-Anzahl der männlichen Personen (M Gesamt-Anzahl der weiblichen Personen *) Anm. der Redaktion : Der Verfasser dieses Artikels, Professor an der Harvard-Universität, hat im Jahre 1901 auf einer Expedition des Palestine Exploration Fund eingehende antropologische Untersuchungen an den bisher anthropologisch fast garnicht bekannten Samaritanern vorgenommen und die Hauptresultate in der Jewish Encyclopedia veröffentlicht. Die Samaritaner, jene einst mächtige Sekte, war bereits im 12. Jahrhundert nach dem Berichte Benjamins von Tudela auf 1000 Personen zurückgegangen und zählt heute nur noch ca. 150 Anhänger, die in Nabulus leben, ihre Gebete noch samaritanisch hersagen, als Umgangssprache aber das Arabische gebrauchen. Bei den mannigfaltigen Beziehungen, die seit Jahrtausenden zwischen Samaritanern und Juden bestanden haben, dürfte es von Interesse sein, die wichtigsten anthropologischen Merkmale der Samaritaner hier wiederzugeben. Gesamt-Anzahl der Samaritaner .... 1-V2 Bemerkenswert ist das starke Überwiegen der männlichen Personen gegenüber den weiblichen; in der Tat ist dies eines der wichtigsten Probleine, vor das uns die heutigen Samaritaner stellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind in neuerer Zeit, wenn überhaupt, so nur selten Venn isehungen mit den an derenVöl kern Sy riens vorgekommen. Die Samaritaner selbst halten auf vollkommene Reinheit ihres Stammes. Nur im äußersten Notfalle pflegten sie sich Frauen außerhalb ihrer eigenen Sekte zu suchen, und in diesem Falle hatten sie natürlich das Bestreben, in dem ihnen der Religion nach am nächsten verwandten Volke, nämlich unter den Juden zu lieiraten. Die Juden, hassen und verabscheuen aber die »Samaritaner aufs äußerste und suchen Ehen zwischen den beiden Sekten nach Möglichkeit zu vermeiden. Syrische Christen und Aluhamedaner sind ebenso abgeneigt, unter den Samaritanern zu lieiraten, beide teils aus einer natürlichen Antipathie gegen diese Sekte, teils wegen der harten Bestimmungen, denen die Frauen gemäß den Vorschriften der sama litauischen Religion sich unterwerfen müssen. Diese beiden Faktoren,